Bürgermeister-Treff an Grenze: Nur der Handshake fehlte. So überstürzt die Grenzen zwischen Tschechien und Österreich am 14. März geschlossen wurden, so unverhofft gingen sie nun wieder auf: Am 4. Juni trafen Weitras Bürgermeister Patrick Layr und sein Pendant Vladimír Hokr aus Nové Hrady noch am geschlossenen Grenzübergang Pyhrabruck zusammen, tags darauf durften Gmünds Bürgermeisterin Helga Rosenmayer und Jaromír Slíva aus České Velenice am Fußgänger-Übergang in der Bleyleben bereits legal die Bundesgrenzen queren.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 05. Juni 2020 (18:44)
Erste persönliche Begegnung nach Aufhebung der Reisebeschränkungen der Tschechischen Republik (von links): Jaromir Koc (České Velenice), Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (Gmünd), Bürgermeister Jaromír Slíva (České Velenice), Vizebürgermeister Hubert Hauer (Gmünd).
Harald Winkler

Etwas war freilich anders als vor dem Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie, der die Rückkehr des Gmünder Bezirkes an eine auf 105 Kilometern tote Grenze ausgelöst hatte: Händeschütteln war gestern. In Pyhrabruck erfolgte die Begrüßung per „Handshake mit Distanzhalter“, in der Bleyleben im Beisein auch von Vizebürgermeister Hubert Hauer und Jaromir Koc über die Ellbogen.

Die erstmals seit dem Fall des Eisernen Vorhanges wieder „strenge Trennung“ der Nachbarstädte durch die Grenze habe spüren lassen, „wie intensiv und auch selbstverständlich die Zusammenarbeit und die Kontakte in vielen Bereichen“ bis dahin bereits gewesen seien, sagte Jaromír Slíva in der Bleyleben bei der ersten persönlichen Begegnung nach der Aufhebung der Reisebeschränkungen seitens der Tschechischen Republik. Der Kontakt sei auf persönlicher Ebene zuletzt viele Wochen nicht möglich gewesen, bedauerte Helga Rosenmayer, aber: „Dennoch waren wir stets daran interessiert, wie es den Nachbarn am jeweils anderen Ufer der Lainsitz geht."

Die Bleyleben im Dreieck zwischen Gmünd-Altstadt, Gmünd-Neustadt und České Velenice wurde nicht zufällig als Treffpunkt ausgewählt: Hier sollen wie berichtet ab 15. Juni die Bauarbeiten für das 2,5 Millionen Euro teure „Healthacross-Gesundheitszentrum Gmünd“ – als erstes grenzüberschreitendes Gesundheitszentrum in der Europäischen Union – wieder aufgenommen werden.

Genauso wie am Übergang Pyhrabruck wurde in der Bleyleben auch über gemeinsame Projekte der Zukunft gesprochen. Die Städte Gmünd und České Velenice wollen in den nächsten Monaten im Rahmen eines Kleinprojektes der Europäischen Union gemeinsam über die touristische Vermarktung der regionalen Angebote auf beiden Seiten der Grenze nachdenken.