Neues Duo für ein halbes Jahr in Bad Großpertholz. Martina Sitz/Roland Stöger übernehmen Gemeindeführung in Pertholz. Wenig Unterstützung aus Opposition.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 17. Juli 2019 (04:03)
Markus Lohninger
Neustart ein halbes Jahr vor der Gemeinderatswahl: Martina Sitz wird erste Bürgermeisterin, Roland Stöger Vizebürgermeister der Marktgemeinde Bad Großpertholz.

Begleitet vom jahrelangen Zwist ums gemeindeeigene Kurhaus Bad Großpertholz warfen in der südlichsten Gemeinde des Bezirkes nicht nur zwei Bürgermeister in weniger als zwei Jahren das Handtuch – die Turbulenzen brachten der Marktgemeinde auch die erste Bürgermeisterin: Die 2016 unter Harald Vogler in den Gemeinderat gekommene Martina Sitz (47) aus Rindlberg, die 2017 nach Voglers Rückzug zur Vizebürgermeisterin aufgerückt war, wurde am 11. Juli zur ersten Gemeindechefin gewählt. Der auch in der ersten Gemeinderatsperiode wirkende Rudolf Stöger (50) wird ihr Vize.

Die überregional Wellen schlagenden Ereignisse um den Abtritt von Kurzzeit-Bürgermeister Klaus Tannhäuser (ÖVP) und zuletzt VP-Gemeinderat Christian Kreuter sorgten am 11. Juli für dichtes Gedränge im Sitzungssaal – wo sonst die NÖN oft den einzigen Zuhörer stellt, mussten Stühle für 13 Zuhörer nachgerückt werden. Die verfolgten mit, wie die ÖVP wie schon zur Bürgermeister-Neuwahl 2017 die Entscheidungen weitgehend im Alleingang dank absoluter Mandatsmehrheit durchzog.

„Habt ihr auch Vereinbarungen unterschreiben müssen, die euch außerstand setzen, eure freien Mandate auszuüben?“Gemeinderat Hermann Hahn jun. („Pertholz Aktiv“) zu Martina Sitz und Rudolf Stöger

Bei zehn anwesenden VP-Mandataren entfielen elf Stimmen auf Martina Sitz, Billa-Filialleiterin in Gmünd, als Bürgermeisterin. Das Wahlverhalten der weiteren fünf anwesenden Mandatare: Eine Stimme war ungültig, vier entfielen auf den einzigen Gegenkandidaten Hermann Hahn jun. – der einzige Mandatar der Bürgerliste „Pertholz Aktiv“ dürfte nach jahrelang unnachgiebiger Oppositions-Arbeit auch von drei SP-Vertretern gewählt worden sein. Die SPÖ verzichtete auf einen Wahlvorschlag.

Rudolf Stöger wird dank zehn gültiger Stimmen – bei sechs ungültigen – zum Vizebürgermeister. Mit dem Eintritt in den Gemeindevorstand musste er seinen Platz im Prüfungsausschuss räumen, ihm folgt dort mit zwölf Stimmen VP-Gemeinderat Michael Laister nach.

Listen-Mandatar Hahn zitierte zum neuerlichen Neuwahl-Prozedere aus dem Rücktritts-Schreiben von Altbürgermeister Tannhäuser. Der beziehe sich, wie Hahn vorlas, auf fehlende Unterstützung in Ausübung seiner Funktionen und eine ihm „vorgelegte Vereinbarung“, die seine Aufgaben und sein freies Mandat als Bürgermeister beschneiden würde, er habe nicht mehr unparteiisch und uneigennützig tätig sein können.

„Habt ihr auch Vereinbarungen unterschreiben müssen, die euch außerstand setzen, eure freien Mandate auszuüben?“, fragte Hahn in Richtung Sitz und Stöger. Sitz: „Nein, das kann ich mit reinem Gewissen sagen. Ich will mein Bestes für die Gemeinde tun.“ Stöger verneinte auch.

Neues Führungs-Duo gibt sich zugeknöpft

Gegenüber der NÖN gibt sich die neue Gemeindeführung zu Fragen über offene Vorhaben bis zur Gemeinderats-Wahl 2020 oder Visionen über eine Amtszeit über die Wahl hinaus noch zugeknöpft. „Ich will jetzt einmal meine Arbeit aufnehmen, alles Weitere wird sich weisen“, sagt Martina Sitz, die eine Bitte an Bevölkerung und politischen Mitbewerb hat: „Ich wünsche mir, an meiner Arbeit gemessen zu werden.“ Und Roland Stöger, Landwirt aus der Katastralgemeinde Mühlbach: Er sei unter Harald Vogler nicht mit dem Ziel einer höheren politischen Aufgabe in den Gemeinderat gekommen, „aber es hat sich so ergeben, ich nehme die Herausforderung gerne an.“

Eine erste Entscheidung traf die frischgewählte Bürgermeisterin vorige Woche nach Rücksprache mit den politischen Mitbewerbern bereits – schon ab der Nationalratswahl im September sollen der Wahlsprengel Rindlberg zu Karlstift, jener von Reichenau zu Großpertholz und jener von Watzmanns zu Mühlbach kommen.