China beißt auf Granit

Erstellt am 25. Februar 2014 | 23:59
Lesezeit: 3 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Web-Artikel 50705
Foto: NOEN, Fotos: M. Lohninger/privat
Erfolgskurs / Wie Rudolf Kammerer vom Mitarbeiter zum Chef eines 50-Mann-Betriebs wurde – während sein Ex-Arbeitgeber pleite ging.
Von Markus Lohninger

SCHREMS / Als der Ex-Eigentümer Poschacher Ende 2011 den Steinbruch Hartberg bei Schrems schließen wollte, da setzte ein Mitarbeiter zum Höhenflug an: Rudolf Kammerer, der 26 Jahre hier gearbeitet hatte, übernahm den Steinbruch als „Granitwerk Kammerer“ und konnte dessen damals 20-köpfige Belegschaft in zwei Jahren mehr als verdoppeln, während sein früherer Arbeitgeber Poschacher in die Insolvenz geschlittert ist. Im Winter hat er 40 Beschäftigte, über 50 sollen es im Sommer werden.

Web-Artikel 50705
Nichts ist zu groß. Mit Präzision und Spezialanfertigungen in allen Dimensionen widersetzt sich Firmenchef Rudolf Kammerer (kleines Bild) vom Schremser Granitwerk der Billig-Konkurrenz aus China.
Foto: NOEN, Fotos: M. Lohninger/privat

Gleich im Jahr 2012 rüstete Kammerer den Maschinenpark um 1,5 Millionen Euro auf. China überschwemmt den Markt mit Billigprodukten, aber schon damals nannte Rudolf Kammerer der NÖN den Schlüssel zum Erfolg: „Je schwerer das Teil, umso größer unser Vorteil!“

Die Transportkosten für die Reise von 50-Tonnen-Bröckerln nach Europa erspart er seinen Kunden. Als Draufgabe liefert er Qualität, die jeden Vergleich besteht. Granit hat die geringste Ausdehnung aller Materialien, bleibt eben und standhaft, ist nicht magnetisch oder stromleitend. Kammerer: „Schremser Granit ist darüber hinaus punkto Härte und Dichtheit einer der besten der Welt. Wir schneiden ihn millimetergenau und haben ihn hier in einer Größe, wie es sie weltweit nur selten gibt.“

„Reich & Schön“ flaniert über Granit aus Schrems 

Auf diese Stärken setzt er. 2013 flossen weitere 1,3 Mio. Euro in zwei Seilsägen für überdimensionale Steinblöcke, heuer werden wieder 1,2 Millionen in zwei Großraumsägen mit Diamantseilen gepulvert. Waren Granitplatten im Ausmaß von 5x4 Metern bisher in Europa das Höchste der Gefühle, so können nun bis zu 13x5-Meter-Granitriesen als Unterbau für Präzisions-Maschinen geschnitten werden.

Die neuen Geräte sind aus Granit. Und sie bearbeiten Granit zu extrem beständigen Böden oder Maschinenteilen für hochpräzise Geräte. Kammerer nützt dieses Alleinstellungs-Merkmal mit einem Partner: Die Mega-Sägen werden in der 2013 gebildeten Tochterfirma „KARE Granitwerk“ mit der deutschen „Reitz Natursteintechnik“ gebaut und betrieben, Reitz wiederum liefert die Elektronik für diese Sondergrößen.

Rekord-Rohblock wog 85 Tonnen 

„Bei Poschacher war ein 20-Tonnen-Block schon eine Sensation“, blickt Rudolf Kammerer zurück. Die größte bisher bei ihm geschnittene Platte wog im Vorjahr als Rohblock 85 Tonnen und war 8x4,5 Meter groß. Sie ist der Sockel für eine Präzisions-Linsen-Schleifmaschine der Firma Zeiss – ein Weltmarktführer bei optischen und opto-elektronischen Spitzengeräten.

Daneben hat Kammerer aufs Tagesgeschäft nicht vergessen. In Schrems lieferte er das Pflaster für den neu gestalteten Kirchenplatz, in Wien geht man seit 2013 über Granit aus dem Hartberg-Steinbruch durch die Otterkringerstraße oder in den Verfassungsgerichtshof. Auch im „Goldenen Quartier“ betreten die Reichen und Schönen in der Wiener Innenstadt Schremser Granit, wenn sie über die neu gepflasterte Fußgängerzone des Luxusviertels zwischen Hof und Tuchlauben flanieren.