Anwalt Kitzler: „Contact Tracing grob fahrlässig“ . Edmund Kitzler sprach mit NÖN-Redakteurin Karin Pollak über seine Infektion, die Quarantäne und die Maßnahmen.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 29. Oktober 2020 (06:15)
Edmund Kitzler aus Bad Großpertholz übt einige Kritik.
privat

NÖN: Sie wurden positiv auf Corona getestet, wie geht es Ihnen heute?

Edmund Kitzler: Mir geht es gesundheitlich gut und habe keine Symptome, lediglich am Morgen vor der Testung hatte ich ein Halskratzen durch eine chronische Rachenentzündung. Das war aber am Abend des gleichen Tages wieder weg. Ich halte mich am Heimtrainer fit, radle täglich über eine Stunde mit 160 Watt.

Wie haben Sie ihre Corona-Erkrankung überhaupt bemerkt?

Im Kurhaus Bad Großpertholz gibt es wöchentliche Tests, daran nehme ich auch als Geschäftsführer teil. Bisher hatte ich immer ein negatives Ergebnis, am 19. Oktober war der Test aber positiv. Mich hat unser Kurarzt Tölle noch am 19. Oktober am Abend von meiner Infektion informiert. Ich bin also der erste Coronafall im Kurhaus, hatte aber seit Beginn der Coronazeit keinerlei Kontakt zu Kurgästen.

„Wir haben eine Zugfahrt von Steinbach nach Groß Gerungs unternommen und dort eine Konditorei besucht, natürlich alles mit Maske und Abstand. Aber ich saß direkt neben dem Zugang zur Toilette.“ 

Sie haben sich drei Mal testen lassen, warum?

Der erste Test am 19. Oktober war im Kurhaus, der zweite tags darauf in der Teststraße in Zwettl, dieser war von der Behörde angeordnet. Beim dritten Test am 20. Oktober, den ein praktischer Arzt bei mir zuhause durchgeführt hat, ging es mir vor allem um den Ct-Wert, der Aussage über das Maß der Infektiosität gibt. Es wurde festgestellt, dass ich minder infektiös bin, ich bin also kein Spreader.

Wo glauben Sie, haben Sie sich angesteckt?

Ich war weder auf Urlaub noch bei einer Feier. Ich vermute, dass es bei einem Familienausflug war. Wir haben eine Zugfahrt von Steinbach nach Groß Gerungs unternommen und dort eine Konditorei besucht, natürlich alles mit Maske und Abstand. Aber ich saß direkt neben dem Zugang zur Toilette. Das habe ich auch der Behörde mitgeteilt, von dieser wurden Erhebungen eingeleitet. Meine Familienmitglieder, die an diesem Ausflug teilgenommen haben, sind am Mittwoch negativ getestet worden. Sie befinden sich alle zehn Tage lang in Quarantäne.

Wie war der Ablauf mit Behörden?

Ich habe schon am Dienstag frühmorgens eine Liste mit meinen Kontakten erstellt. Aber erst 18 Stunden nach dem positiven Testergebnis wurde ich seitens der Behörde in Quarantäne geschickt. Wenn ich meine Familie und Kollegen nicht selbst noch am Montagabend informiert hätte, wären alle zur Arbeit gegangen. Da gibt es meiner Meinung nach einen Verbesserungsbedarf.

Sie hinterfragen den Corona-Maßnahmen-Plan?

Die Mitarbeiter der Bezirkshauptmannschaft tun ihr Bestes. Aber das Infoblatt, das ich zum Quarantänebescheid bekommen habe, ist eine Katastrophe. Darin heißt es, man müsse die direkten Kontakte 48 Stunden vor Symptombeginn angeben. Ich hatte keine Symptome, daher habe ich laut Infoblatt eigentlich keine Verpflichtung, Kontakte zu nennen. Außerdem werden meine Kontakte, die ich nach der Testung gehabt habe, gar nicht berücksichtig. Das finde ich grob fahrlässig.

Wie lässt sich die Quarantäne mit Ihrer Arbeit als Rechtsanwalt vereinbaren?

Ich wollte mir bei der Bezirkshauptmannschaft die Erlaubnis holen, am Wochenende in der Kanzlei in Gmünd arbeiten zu können. Wir haben nämlich noch nicht alle Akten EDV-mäßig erfasst und ich hätte Unterlagen gebraucht, um zuhause weiter arbeiten zu können. Das wurde mir nicht genehmigt, obwohl sich das mit dem Epidemiegesetz vereinbaren ließe. Ich wäre alleine im Auto und alleine in der Kanzlei, ich würde also niemanden anstecken. Das könnte aber durchaus nach meiner zehn Tage dauernden Quarantäne passieren – denn ich werde nicht mehr getestet und niemand weiß, ob ich wirklich gesund bin. Das gilt im Übrigen auch für meine Kontaktpersonen, die sich laut einschlägigen rechtlichen Bestimmungen überhaupt nicht testen hätten lassen müssen.

Wurde kontrolliert, ob Sie sich an die verordnete Quarantäne halten?

Drei Mal war die Polizei in den ersten vier Tagen da. Ich finde, das ist schlimmer als mit einer Fußfessel. Damit dürfte man das Haus in einem gewissen Umkreis verlassen.

Wie geht Ihre Familie mit Ihrer Corona-Erkrankung um?

Wir haben ein großes Haus. Meine Gattin, meine Tochter und deren Lebensgefährte befinden sich in einem eigenen Bereich, ich in einem anderen. Dort, wo wir uns treffen könnten, tragen alle Schutzmasken. Am 30. Oktober ist meine Absonderung grundsätzlich vorbei. Ich lasse mich aber nochmals testen und werde meine berufliche Tätigkeit erst entweder nach Vorliegen eines negativen Testergebnisses oder der Mitteilung, dass ich nicht mehr infektiös bin, wieder aufnehmen. Ich trage ja auch Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern, meinen Klienten und der Bevölkerung.