Waldviertler Brauereien: „Die Delle ist massiv“. Die Waldviertler Brauereien haben mit der Corona-Situation zu kämpfen. Die Versorgung mit Bier ist aber weiter sichergestellt, Lieferservices wurden eingerichtet.

Von Markus Lohninger und Markus Füxl. Erstellt am 09. April 2020 (06:24)
Schremser Bier reagierte auf die Ausgangsbeschränkungen mit einem Lieferservice. Johann Trojan, Sohn des Braureichefs Karl Trojan: „Wir setzen auf minimalen Kontakt, Desinfektion der Hände vor und nach jedem Kunden und natürlich eine Gesichtsmaske.“  (Bild links)
Karl Schwarz von der Privatbrauerei Zwettl: „Werden auch diese Krise überstehen.“ (Bild rechts)
privat / Privatbrauerei Zwettl

Ausgerechnet zum Beginn der großen Feste und einer Hochsaison auch in der Gastronomie steht das öffentliche Leben weitgehend still. Das bekommen im Waldviertel auch die großen Brauereien als Nahversorger, Ausstatter und Traditionsbetriebe zu spüren.

 „Quarantäne mit Bier angenehmer auszuhalten“

 „Klar, die Delle ist massiv… es beutelt derzeit alle her. Vor allem das erste Wochenende war wild“, sagt Karl Theodor Trojan, dessen Brauerei in Schrems die Hochs und Tiefs in mehr als 600 Jahren überstanden hatte und seit 182 Jahren im Familienbesitz ist. Der Rückgang durch die ausgefallene Gastronomie sei nicht kompensierbar. Dennoch sei die Stimmung wieder positiv. Er gebe in der Krise seine Grundsätze nicht auf – etwa das Bekenntnis zur Belegschaft, die in Kurzarbeit ist, zu den Lieferanten, und natürlich zur Service-Orientierung für den Kunden.

„Mit Bier ist eine Quarantäne ja auch deutlich angenehmer auszuhalten als ohne“, erklärt Johann Trojan, warum kurzerhand ein Lieferdienst auf die Beine gestellt wurde. Fans aus dem Umland der Brauerei, aus den Großräumen Wien, Krems und St. Pölten müssen so während der Ausgangsbeschränkungen kein Geschäft aufsuchen, um ihr kühles Schremser genießen zu können. Die Trojans berichten von hoher Nachfrage nach dem Service, tollem Feedback und hoher Dankbarkeit vor allem älterer Kunden.

 Unpassende Situation für „geselliges Bier“

 Bis auf weiteres sind auch das Zwettler Brauerlebnis und der Zwettler Biershop geschlossen. Karl Schwarz, Geschäftsführer und Inhaber, sagt: „Wir stehen vor ganz besonders herausfordernden Zeiten. Aktuell erleben wir eine Situation, die wir so nicht kennen, für die es keine Blaupause gibt und von der wir vor allem nicht wissen, wann wir wieder zu unserem normalen und gewohnten Leben zurückkehren können.“ Bier werde zwar immer getrunken, aber „es ist ein geselliges Produkt, und die derzeitige Lage ist alles andere als gesellig, noch soll sie das sein“, sagt Schwarz.

 Schon Kriege, Seuchen und Hochwasser überstanden

 Gerade jetzt gelte es, soziale Kontakte auf das mögliche Minimum zu reduzieren. Das wirke sich auch auf die Absatzzahlen und die Produktion deutlich aus. Schwarz ist aber trotzdem hoffnungsfroh: „Als ein mehr als 300 Jahre altes Unternehmen haben wir schon Kriege, Seuchen und auch mehrmals ein Hochwasserereignis verkraften müssen. So sind wir auch diesmal zuversichtlich, diese Krise zu überstehen.“

 Neue Form des Zusammenhalts

 Gerade diese schwierige Zeit kehre eine neue Form des Verständnisses und Zusammenhaltes hervor, attestiert Karl Trojan. „Bäcker, Fleischer, … das Lied ist überall das Gleiche, die Klein- und Mittelbetriebe haben einfach eine viel zu geringe Lobby“, bedauert er: „Aber wir helfen uns gegenseitig, wo wir können – ich nutze den Lieferservice der lokalen Gastronomen und empfehle vor Ostern den Gutscheinkauf, genauso stehen auch uns alle bei.“ In Wien helfe auch ein treuer Partner mit einer Lager-Möglichkeit für Schremser aus.

Der Gastronomie müsse rasch auf die Beine geholfen werden, nimmt Trojan aber den Staat in die Pflicht („da wurde teils das Kind mit dem Bade ausgeschüttet“). Es bedürfe nach „Ho-Ruck-Aktionen“ schleunigst hundertprozentiger Staatsgarantien, die öffentliche Hand müsse rasch Geld für Löhne zur Verfügung stellen und sich für eine Normalisierung einsetzen.

Karl Schwarz ergänzt: „Als langjähriger Partner vieler Gastronomie- und Tourismusbetriebe erleben wir hier existenzbedrohende Situationen, wo dringliche Hilfe absolute Priorität hat und auch seitens der Bundesregierung zugesagt wurde.“ Etwa 25 Prozent des Bierausstoßes der Privatbrauerei fließt in die Gastronomie. Die Haltbarkeit des aktuell dort eingelagerten Fassbieres ist laut Pressesprecher Rudolf Damberger „im grünen Bereich“ – und das auch noch für einige Wochen.

 Zwettler: 80 Prozent in Kurzarbeit

 Karl Schwarz geht davon aus, dass sich die Lage in der Gastronomie frühestens im Juni schrittweise erholen wird. Darum treffe man bereits jetzt Vorsorge: „Einerseits, um Arbeitsplätze abzusichern und den Betrieb am Laufen zu halten, aber auch, um nicht in eine wirtschaftliche Schieflage zu kommen, da hohe Kosten anfallen, denen fehlende Umsätze gegenüberstehen.“ Insgesamt sind im Betrieb 115 Mitarbeiter beschäftigt. Seit April sind rund 80 Prozent von ihnen für bis zu drei Monate in Kurzarbeit. „Es ist unsere Verantwortung, auch in schlechten Zeiten füreinander da zu sein. Das Modell hilft beiden Seiten sehr. Mein Dank gilt allen Kollegen, die diesen Schritt mittragen und hier Solidarität zeigen“, sagt Schwarz.