Tägliches Zugpaar ab 2023: Vindobona kehrt als „Silva Nortica“ zurück

Aktualisiert am 16. Mai 2022 | 12:07
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14 Monate, nachdem die NÖN exklusiv über Pläne für eine Reaktivierung einer „Vindobona“-Verbindung an der Franz-Josefs-Bahn zwischen Wien und Prag mit Umsteigeoption nach Berlin berichtet hatte, kommt nun die Bestätigung: Unter dem Titel „Silva Nortica“ soll künftig ein tägliches Zugpaar als Direktverbindung Wien-Gmünd-Prag angeboten werden. Start ist bereits am 11. Dezember 2022.

Selbst zur Zeit des Eisernen Vorhangs" hat der Vindobona" Wien über Gmünd mit Prag und Berlin verbunden, 1992 verließ der einstige Paradezug aber das Waldviertel. Nun erfährt die Strecke eine Renaissance: Ab 11. Dezember 2022 wird es wieder die Direktverbindung von Wien über Gmünd nach Prag geben, nun unter dem Titel „Silva Nortica" (ein Vindobona verkehrt aktuell bereits wieder über die Nordbahn und Brünn).

Von einem „Herzensprojekt für den Öffentlichen Verkehr, der für viele Menschen im ganzen Land ganz viele Vorteile bringt", sprach Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner bei einer Pressekonferenz im Palais Niederösterreich in Wien: „Das Tor zu unseren Nachbarn soll noch mehr geöffnet werden." Mit dem gemeinsamen Projekt solle neben der Zusammenarbeit auch der Tourismus gestärkt werden. Aber nicht nur der Personenverkehr zwischen der Bundeshauptstadt und der tschechischen Hauptstadt erfahre damit eine Aufwertung, auch das an der Bahnstrecke gelegene Waldviertel sowie das Weinviertel profitiere davon.

Klimaschutzministerin Leonore Gewessler ergänzte: „Zugverbindungen sind gute Möglichkeiten, um von A nach B zu kommen, sie verbinden aber vor allem Menschen und bringen Regionen näher zusammen. Es steht ein großer symbolischer Wert dahinter.“  Gewessler informierte, dass der Silva Nortica werktags einmal hin und zurückfahre, am Wochenende werden zwei Fahrten angeboten. Ab 2025 soll der Direktzug auch werktags zwei Mal angeboten werden. Mit diesem Projekt komme man auch dem gemeinsamen Auftrag näher, nämlich dass „Öffifahren das Beste wird".

Neue Direktverbindung „Silva Nortica“ Wien-Gmünd-Prag
Stellten die neue Zugsverbindung von Wien über das Waldviertel nach Prag vor (von links): Bundesministerin Leonore Gewessler, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko.
Foto: NLK Pfeiffer

„Für mich ist heute ein Freudentag, ein großer Tag für Niederösterreich und meine Heimatregion Waldviertel“, so Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko: Die neue Bahnverbindung stelle als „Herzensanliegen einen großen Schritt dar“. Die Gesamtfahrtzeit von Wien nach Prag werde rund fünf Stunden betragen, Gmünd-Prag werde künftig in drei Stunden absolviert. Dieses erweiterte Angebot sei, so Schleritzko, ein „Meilenstein im Zugsverkehr, wir erweitern das Angebot und lassen damit eine zukunftsorientierte Verbindung aufleben“.

Neue Direktverbindung „Silva Nortica“ Wien-Gmünd-Prag
Bei der Pressekonferenz im Palais NÖ: Bundesministerin Leonore Gewessler, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko (v.l.n.r.).
Foto: NLK Pfeiffer

Täglich zwei Zugpaare eventuell schon ab 2024

Freudige Reaktionen lösten die fixierten Pläne bei den Grünen im Waldviertel schon vor dem Ende der Pressekonferenz aus. Klimaschutzministerin Gewessler lege wieder Zukunft in die Schienen, freuen sich die Abgeordneten Martin Litschauer (Nationalrat) und Silvia Moser (Landtag) via Aussendung. Der Silva Nortica trete als gemeinsames Projekt von Österreich und Tschechien das Erbe des Vindobona an. Das neue Angebot werde ab nächstem Jahr „die österreichischen und tschechischen Regionen des Nordwalds näher zusammenbringen und so auch wieder eine Anbindung des Waldviertels an die tschechische Hauptstadt darstellen“, so Moser und Litschauer in der Meldung, in der auch das laufende FJB-Ausbauprojekt einmal mehr hervorgestrichen wird. 

Grünen-NÖ-Sprecher Michael Pinnow präzisiert: Die von österreichischer und tschechischer Seite zugesagte rasche Umsetzung der Direktverbindung solle 2023 als „Pilotphase“ starten und vor allem für angrenzende Regionen eine Aufwertung und „Qualitätssteigerung“ bewirken, die Partner würden sich für die Finanzierung dieser Dienste in ihrem jeweiligen Staatsgebiet verpflichten. Für 2025 sei je nach Nachfrage, infrastrukturellen und betrieblichen Möglichkeiten sowie finanziellen Mitteln das zweite tägliche Zugpaar geplant.

Das für 2024 eigentlich anvisierte zusätzliche Freitagspaar sei nach aktuellem Stand nicht realisierbar – daher solle im Fahrplan 2024 entweder das Konzept für 2023 beibehalten oder der Plan für 2025 schon ganz vorgezogen werden.