Marathon. Christian Polito über Positives und Negatives

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 29. März 2020 (04:34)
zVg

Jetz is des ja so, dass es nix Negatives gibt, wo nicht auch was Positives is. Den Spruch hat mei Mama immer gsagt, als noch glebt hat und spätestens als gstorben is, hab ich das für einen rechten Schmarrn ghalten. Aber selbst ihr Tod, so traumatisch das auch für alle war, hat uns das Leben durch ganz andere Augen sehen lassen und Steffi und mich letztendlich in die Edermühle gführt.

Tja und jetzt stehen wir da und haben eine Pandemie und die Anfänge einer Weltwirtschaftskrise - was soll da bitte positiv sein?!

Arvid Uhlig

Abgesehen davon, dass sich manche Dinge erst viel später zeigen, sind kleine Ansätze schon jetzt erkennbar. Wer hätte zum Beispiel geglaubt, dass es gar keine Dauerparty in der sozialen Hängematte is, wennst keine Arbeit und kaum Geld hast - ja entschuldige, nicht wenige haben sich da die letzten Jahre aufhetzen lassen von unserer wachstumswahnbefallenen Leistungsträgergesellschaft. So, da hätten wir also schon einmal ein positives Empathiewachstum gegenüber Arbeitslosen.

Wie viele Leut, inklusive unserer Umwelt, wären froh, wenn es mehr Homeoffice gäbe - geht nicht, zu komplex, zu schwierig hats immer gheißen. Und jetzt atmet die Umwelt gerade mächtig auf, weil wir uns nicht mehr gegenseitig zuheucheln können, dass jeweils immer die anderen Schuld daran sind, dass unsere Erde vor die Hunde geht.

Wir müssen uns jetzt auch noch gar nicht alle selbst bedauern, dass alles so schrecklich ist in Quarantäne, weil man bei einem Marathon ja auch nicht nach 500 Metern schon zum Sudern anfängt. Nicht, dasd mich missverstehst - von der angekündigten Soforthilfe für Kleinunternehmer und EPUs hat die Edermühle noch 0, in Worten NULL, Cent gesehen und auch mein Chef hat das Budget für Schreiberlinge wie mich gekürzt bekommen.

Steffi und ich sind also im Moment an einem zensierten Teil unserer Körper. Wurscht.

Wohin die Reise geht wissen wir noch nicht, aber aufgeben ist nach 500 Metern einfach keine Option, verstehst! Ein Schritt nach dem anderen ist die Devise und deswegen wird die nächste Kolumne auch wieder lustig - wega den positiven Dingen warats gwesen…

Der gebürtige Münchener und Selfmade-Landwirt Christian Polito berichtet aus dem 2014 sanierten und reaktivierten Vierkanter in Bad Großpertholz