„Schafmatt“ gesetzt. Christian Polito über Piranhas und Dachrinnen.

Von Christian Polito. Erstellt am 18. August 2019 (06:07)
privat

Jetzt is des ja so, dass es heißt, Kamerunschafe und Nandus können sich ohne Probleme ein Gehege teilen. Des stimmt schon, weil die beiden Tierarten tatsächlich kein Problem haben, aber ich hab eins g’habt und zwar ein zeitlich bedingtes nervliches, verstehst.

Immer wenn die Schafe bei der abendlichen Fütterungsrunde zu Ende gefressen hatten, sind’s auf die drei Nandus zugestürmt, um ihnen das Futter zu klauen.
Selbstverständlich steht den Tieren rund um die Uhr Futter in Form einer bescheidenen Weide von über 6.000 Quadratmetern zur Verfügung, was in etwa das Sechsfache der vorgeschriebenen Größe ist – ich sags nur für Frau und Herrn anonym Obergscheid dazu.

Arvid Uhlig
Christian Polito

Wurscht.

Jedenfalls hab ich jetzt immer 15 Minuten Wache bei den Nandus gehalten, damit die in Ruhe ihr Betthupferl naschen können, während uns eine Herde Kameruner umkreiste, wie hungrige Piranhas einen blutigen Fleischfetzen. Nein, ned weil die sonst nix zum Fressen bekommen und am Verhungern sind, sondern einfach, weil Schafe verfressen bis zum Gehtnichtmehr sind.

Auch wenn sie sonst nicht gerade die hellsten Kerzen auf dem Kuchen sind, wenns um Leckerlis geht, legt sich ein Schalter um und das Gehirn geht wie ein Lamperl, ein kleines Lamperl, an – anders kann man sich die Verschlagenheit, wenn es ums Fressen geht, nicht erklären.

„Nehmt’s halt eine Dachrinne“, hat der Hans ganz emotionslos gesagt. Ich hab mir kurz vorgestellt, wie ich wie der Gladiator jeden Abend neun Kamerunschafe mit einer Dachrinne um mich wirbelnd in Schach halte, während mir die Schaulustigen außerhalb des Geheges zujubeln. Dann hat’s aber einen Schalter umglegt und mein Lamperl, mein großes, ist angegangen. Jetzt hängt außerhalb des Geheges eine Dachrinne, wo die Nandus dank ihres langen Halses in Ruhe fressen können, während unsere Schafe das machen, was sie am besten können, nämlich ein bisserl blöd schaun. Schafmatt – wega den kleinen und großen Lamperln warats gwesen…