Ein Fest für die offene Grenze in Gmünd. Großes gemeinsames Finale des Jubiläumsjahres mit Erinnerungen, Ehrungen und Ausblicken.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 09. Dezember 2019 (21:05)

30 Jahre nach dem Fall des todbringenden „Eisernen Vorhanges“ an der Grenze auch zwischen Österreich und der damaligen Tschechoslowakei bedurfte es beim Festakt der Städte Gmünd und České Velenice im Palmenhaus zum Verständigen zwar immer noch der Simultan-Übersetzung via Kopfhörer.

„Aber vor 31 Jahren wäre es gar nicht möglich gewesen, gemeinsam auf der Bühne zu stehen, Probleme gemeinsam zu behandeln und zu lösen“, sagte Bürgermeisterin Helga Rosenmayer neben ihrem tschechischen Kollegen Jaromír Slíva zum „Finale des Festjahres 2019“.

„Vorreiterrolle von Gmünd/České Velenice“.

779 Menschen hätten am Eisernen Vorhang den Tod gefunden, rechnete Landesrat Martin Eichtinger vor. Den „Ostblock“ habe er noch als Basketballer erlebt, die Grenzöffnung 1989 habe dann einen „unglaublichen Schwung, eine unglaubliche Aufbruchsstimmung“ ausgelöst.

Niederösterreich habe sich vom Agrarland zum Standort auch der Wissenschaft und Hochtechnologie entwickelt, Tschechien sei rasant gewachsen. Kooperationen hätten sich entwickelt, „Gmünd /České Velenice hat dabei bis zum historischen Spatenstich für das erste grenzüberschreitende Gesundheitszentrum eine Vorreiterrolle gespielt“. Dessen Projektmanager Manfred Mayer stellte die Grundzüge vor.

Unglück als Initialzündung.

Direktorin Cordula Krammer beschrieb indes das 1991 gestartete Projekt zur Aufnahme tschechischer Schüler, die selbst aus Prag angereist waren, ins Schulzentrum. Heute komme hier ein Drittel aller Jugendlichen aus Tschechien.

Den 2016 rechtlich abgesicherten, grenzüberschreitenden Rettungsdienst skizzierte Marek Slabý: Die Initialzündung dafür sei der Unfall eines tschechischen Busses mit vier Toten und 45 Verletzten in Schrems 2006 gewesen – danach sei Schritt für Schritt der Austausch erweitert worden, wenngleich bis 2016 immer die Grenzlinie als Hindernis bestanden habe.

Hund in Velenice?

Auf Gemeindeebene sei, so Harald Winkler, der frühere Bürgermeister Alfred Drach als Visionär ein Wegbereiter für gemeinsame Projekte und den ganz alltäglichen Austausch gewesen: „Der geht heute so weit, dass man im Fall eines in Gmünd entlaufenen Hundes zum Telefon greift und in Velenice anruft, ob er dort gesehen wurde – und umgekehrt.“

Wie sie die Zeit vor, während und nach 1989 erlebt hatten, erzählten der frühere ORF-Landesintendant Paul Twaroch („wir leben in einem gemeinsamen mitteleuropäischen Kulturraum, die Brünner waren manchmal österreichischer als die Österreicher“) und Miroslav Kotrč, erster Bürgermeister von České Velenice nach der Ostöffnung. Als er als Lehrer nach Velenice gekommen sei, sei es an drei Seiten von Stacheldraht umgeben gewesen, die Perspektive habe gefehlt. Kotrč: „Nach 1989 habe ich mich gemeinsam mit Drach nach Kräften um eine funktionierende Entwicklung bemüht, der Access-Industrial-Park wurde etwa zu einem der erfolgreichsten Wirtschaftsparks der EU.“

„Für dieses Miteinander brennen“.

Eben jene Union werde noch Herausforderungen bringen, so Landesrat Eichtinger: „Wir werden aber gemeinsam für eine gute Zukunft sorgen. Ich danke allen, die für dieses Miteinander brennen!“

In sieben Tranchen wurden Menschen aus Südböhmen, Ober- und Niederösterreich und allen Teilen des politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens für Verdienste um die Zusammenarbeit geehrt – ehe symbolisch noch einmal Grenzzäune durchschnitten wurden.