Sorge um die Schwalben im Waldviertel. Seit jeher werden Schwalben verehrt. Doch: Die Bestände sinken rapide, Brutmöglichkeiten werden immer weniger, Futterquellen verschwinden.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 10. Juni 2019 (04:20)

„Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ – vor einiger Zeit kamen die Schwalben aus ihren Winterquartieren zurück, und in gewisser Weise traf dieser Spruch auf die Wetterlage zu, waren frühlingshafte Tage doch lange Zeit dünn gesät. Immer rarer werden vor allem aber auch die Schwalben. Besorgniserregend steht es auch im Waldviertel vor allem um die Bestände der Rauch- und Mehlschwalben.

Die Vogelschutzorganisation Birdlife ruft daher bis Mitte August zur Schwalbennester-Zählung auf. Interessierte sind gefragt, Nester zu melden. „Jedes hilft, mehr über die Verbreitung und die Entwicklung des Brutbestandes unserer heimischen Schwalbenarten zu erfahren!“, betont Gábor Wichmann, Geschäftsführer von Birdlife Österreich. Weshalb wurden Schwalben zu Sorgenvögeln? Sowohl die Mehl- als auch die Rauchschwalbe haben Probleme, Nistplätze zu finden. Die Mehlschwalbe wird häufig nicht geduldet – ihre Nester werden von Menschenhand zerstört. Der banale Grund: die Mehlschwalbe platziert ihre Nester gerne an Fassaden bzw. unter Dachvorsprüngen. Der Kot sorgt dann für Fassadenverschmutzungen.

"Die Tiere stehen unter Schutz"

Dafür gibt es eine triviale Lösung, wie Benjamin Watzl von der Arbeitsgemeinschaft für Vogelkunde und Vogelschutz im Waldviertel erklärt: „Unter dem Nest wird ein Kotbrett platziert, das den Schmutz abfängt.“ Darüber hinaus mahnt er, dass das Zerschlagen von Schwalbennestern schlichtweg illegal ist. Die Tiere stehen unter Schutz!

Der Rauchschwalbe wird hingegen die Brutmöglichkeit entzogen. Ihr bevorzugter Nistort sind offene Viehställe, die immer seltener werden – mit ihnen auch die Rauchschwalben. „Gerade dort, wo Kühe sind, finden die Vögel viele Fliegen, von denen sie sich und ihre Jungen ernähren“, zeigt Watzl auf. Beiden Schwalbenarten gemein ist, dass die Futterquellen wegen des Insektensterbens zu versiegen drohen. Insgesamt sei der Schwalbenbestand extrem zurückgegangen, sagt Watzl: „Weniger geht fast gar nicht mehr. Ein weiterer Rückgang würde das Aussterben bedeuten.“

Schon jetzt brüten nur mehr halb so viele Mehlschwalben bei uns wie noch vor 20 Jahren.

Freilandtierhaltung als Nahrungsquelle

Was kann der Mensch tun? Watzl warnt dringend davor, Nester zu zerstören. Besser ist die Suche nach tierfreundlichen Alternativen. Das Anlegen von Lehmlacken hat sich etabliert, um Pfützen nachzuahmen. In denen finden Schwalben Nahrung. Besonders positiv streicht Watzl die Wasserbüffelhaltung in der Gmünder Lainsitzniederung hervor. Die Freilandhaltung sei günstig für Insekten und somit eine verlässliche Futterquelle für Vögel.  Glaubt man dem Spruch „Wo Schwalben nisten, wohnt das Glück“, lohnt sich der Schutz der Tiere gleich doppelt.Info unter www.birdlife.at