Für NÖ Pilotprojekt: Schremser spucken als Erste. Ausgerechnet in der Schremser Stadthalle, der vorigen Herbst durch einen Hochzeits-Cluster überregionale Aufmerksamkeit zugekommen war, lief am 5. März ein landesweites Pilotprojekt zur Covid-Bekämpfung an: In den drei Antigen-Teststraßen werden hier parallel zum Nasenabstrich auch 500 freiwillige Spucktests abgenommen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 05. März 2021 (20:44)
Zum Start des "Spucktest-Piloten" in Schrems: Klaus Rosenmayer, Reinhold Zeller, Bürgermeister Karl Harrer, Reinhard Grubeck und Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (v.l.).
Markus Lohninger

Das Land NÖ prüfe Test-Alternativen, mit denen weniger Personal in den Teststraßen gebunden wird, die dennoch zuverlässige, valide Ergebnisse liefern und auch von der Bevölkerung angenommen werden, sagte Gesundheits-Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) in Schrems. 

Ziel: Personal-Ressourcen freimachen

Weil, so Königsberger-Ludwig: Medizinisches Personal sei nur eingeschränkt verfügbar – man wolle aber im Vorfeld weiterer Öffnungsschritte das Testangebot noch zusätzlich erweitern und müsse daher Personal-Ressourcen freimachen. Dafür brauche es unkompliziert durchzuführende Tests: „Eine hohe Testquote hilft nicht nur Infektionsketten zu erkennen und zu stoppen, sondern würde auch eine Voraussetzung für weitere Lockerungsschritte sein.“ Genauso gehe es um Reserven für geplante Impfstraßen.

Markus Lohninger

Braucht es für den Nasenabstrich eine medizinische Fachkraft zur Abnahme des Abstriches und einen weiteren Helfer für Extrahierung & Auswertung, so bedarf es beim Spucktest nur eines einzigen Helfers, der kein medizinisches Vorwissen mitbringen muss.

„Wir machen da einfach mit": Hohes Interesse an Spucktests

In Schrems wurde am Freitag im Rahmen des normalen Testbetriebes parallel zum Nasenabstrich auf freiwilliger Basis die Möglichkeit zum Spucktest angeboten, für den Montag als nächsten Testtag in der Granitstadt stehen noch letzte Testkits für freiwillige Spucker bereit. Beide Testvarianten werden für das Pilotprojekt getrennt voneinander ausgewertet, die Ergebnisse dann abgeglichen – und daraus Rückschlüsse für eine eventuell ergänzende oder ersetzende Verwendung des Spucktests gezogen, wie Königsberger-Ludwig betonte.

Markus Lohninger

Zum Start des Piloten in Schrems kamen alleine innerhalb der ersten 90 Minuten mehr als 150 Personen, sagte der Gmünder Rotkreuz-Bezirksstellenkommandant Reinhard Grubeck: „Nur vier oder fünf davon wollten den Spucktest nicht gleich mitmachen, großteils hieß es ‚noch nicht heute‘. Mich freut, dass die Waldviertler offen für Neues sind, wir machen da einfach mit.“

Acht der ersten 150 Schremser Spucktests waren ungültig, keiner der parallel abgenommenen Nasenabstriche – die Ergebnisse aller gültigen Tests waren in beiden Gruppen allesamt negativ.

Markus Lohninger

Königsberger-Ludwig dankte den führenden Köpfen der Schremser Teststraße – neben Grubeck auch dem SPÖ-Bürgermeister Karl Harrer, Rotkreuz-Bezirksstellenleiter Klaus Rosenmayer und Reinhold Zeller als Gesamtorganisator der Schremser Feuerwehren – stellvertretend für alle Helfenden in den etwa 320 NÖ Testgemeinden für bereits 1,2 Millionen in Niederösterreich vorgenommene Abstriche seit dem Start am 24. Jänner. „Es ist ein Riesenthema für alle Beteiligten, funktioniert nur gemeinsam“, betonte Rosenmayer.

Alleine im Februar seien auf Schremser Teststraßen 2.400 Arbeitsstunden für Feuerwehr und Rotes Kreuz angefallen, rechnete Reinhold Zeller vor. Montags und freitags sind hier an jeweils vier Stunden laut Stadtchef Harrer immer etwa 15 Ehrenamtliche im Einsatz, an zwei Stunden am Mittwoch sieben.

Auch Schremser Stadtchef spuckt - und wirbt um Impfstraße

Harrer dankte Königsberger-Ludwig für die Möglichkeit, den Spucktest in der Granitstadt auf Praxistauglichkeit prüfen zu dürfen. Und hatte gleich ein weiteres Angebot parat: „Wir wären mit der Stadthalle bestens für die Abwicklung auch einer Impfstraße gerüstet, möchten sie gerne so rasch wie möglich dafür zur Verfügung stellen.“

Markus Lohninger

Der Bürgermeister selbst spuckte am Freitag vor Medienvertretern ins Testsäckchen – und freute sich über einen negativen, in dem Fall also positiven, Befund.