Die grüne Welt des Franz Grossauer. Von der „Garten Tulln“ zu Nuhr Medical: Gmünder Landschaftsplaner gestaltet Orte zum Wohlfühlen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 20. Juni 2019 (05:36)
Martin Kalchhauser
Bei der Eröffnung zum einen Hektar großen „Gesundheitswald und Therapiewald Senftenberg“ am 18. Juni: Martin Nuhr (Geschäftsführer Nuhr Medical Center) sowie Gloria Winkler und Franz Grossauer vom Gmünder Landschaftsplaner-Büro. Vom Teich an der höchsten Stelle schweift hier der Blick ins Kremstal.

Es grünt und blüht so wunderbar im ganzen Land, und ein Gmünder steht mittendrin: Franz Grossauer verdanken einige der schönsten Gärten in verschiedenen Teilen Österreichs ihre Besonderheiten.

Vor 22 Jahren hat er sich vom damaligen Architekturbüro Sadilek abgekapselt und als Landschaftsplaner am Stadtplatz selbstständig gemacht. Hier betreibt er ein kleines Büro mit zwei fixen Mitarbeitern, das Team stockt er je nach Bedarf um freie Mitarbeiter oder externe Partner auf. Parallel dazu lehrt er seit 2007 für 20 Wochenstunden an der Universität für Bodenkultur in der Studienrichtung „Landschaftsplanung und Landschaftsarchitektur“, arbeitet derzeit auch an einem Lehrbuch für Raumplanung.

 „Form follows function. Zuerst muss etwas einen Nutzen bringen – wenn‘s dann sogar schön ist, ist es gut.“ Franz Grossauer, Landschaftsplaner in Gmünd

 Vernetzt denken

Die Herausforderung und Stärke seiner Fachrichtung sei dank der querschnittsorientierten Ausbildung das vernetzte Denken, sagt Grossauer. Als Landschaftsplaner muss er in technischen und rechtlichen Materien sattelfest sein, genauso in naturwissenschaftlichen Bereichen wie Botanik und Zoologie. Auch sozioökonomische Aspekte mit den Auswirkungen von wirtschaftlichen Entscheidungen auf gesellschaftliche Bereiche müssen in die Arbeit einfließen. „Form follows function“, sagt Grossauer daher. Zuerst muss etwas im Gesamtzusammenhang einen Nutzen bringen, „wenn‘s dann sogar schön ist, ist es gut“.

Was das heißt, stellt Grossauer derzeit bei den Neugestaltungen von Schlosspark und Flüchtlingspark in seiner Heimatstadt unter Beweis. „Natürlich steht man oft zwischen den Fronten aus Politik, Wirtschaft, Behörde und Bevölkerung, oft ist es ein Prozess des Gegeneinander-Abwiegens. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig alle Seiten mit einzubeziehen“, sagt Franz Grossauer. Beide Gmünder Konzepte wurden unter kräftiger Einbindung der Bevölkerung entwickelt.

In der Ferne verwirklicht er immer wieder kreative Ideen für die Esterházy-Stiftung im Burgenland, die Zusammenarbeit beschreibt er als „unheimlich gut, von gegenseitiger Wertschätzung geprägt“. Derzeit arbeite er etwa am Konzept für eine neue Ferienhaus-Siedlung.

Das Auto unter der Erde

 In einigen Bereichen trägt auch „Die Garten Tulln“ – die NÖ Landesgartenschau, die sich selbst den Titel als erste ökologische und fixe Landesgartenschau Europas gibt – die Handschrift Grossauers. Für die tief gelegten „Holz.Dach.Gärten“ zur grünen Dächer-Gestaltung hatte er etwa vom Entwurf bis zur Realisierung verantwortlich gezeichnet, und sich mit einem kleinen Gag – dem unter einem bewachsenen Carport bis zur Windschutzscheibe ins Erdreich eingegrabenen Pkw – verewigt. Erst im Mai wurde hier der von ihm gestaltete Park zur Überbrückung des Bereiches zwischen Besucherparkplatz und neuem Eingangsgebäude eröffnet. „Ziel war es dabei, die Struktur des Auwaldes ins neue Konzept einfließen zu lassen und möglichst hohen Baumbestand zu erhalten“, blickt Grossauer zurück.

Teil von 15-Millionen-Euro-Projekt

Sein jüngstes „Baby“ erblickte am 18. Juni in Senftenberg im Kremstal das Licht der Öffentlichkeit: Das „Nuhr Medical Center“, ein Gesundheits- und Rehabilitationsbetrieb mit individuellen Konzepten, hat nach der im Herbst erfolgten Eröffnung eines vierstöckigen neuen Hauptgebäudes nun auch einen großen, öffentlich zugänglichen Park mit Pavillon.

Seit 2016 war er in das 15-Millionen-Euro-Projekt involviert, hatte bereits an der Gestaltung des Vorplatzes zum Hauptgebäude mitgewirkt. In der zweiten Etappe wurde am Ort des einstigen Hauses ein Hektar Land gestaltet. „Ich wollte den Park in Anlehnung an den früheren Weinberg in mehrere Etagen gliedern, die ins bestehende Gelände und den Baumbestand integriert wurden und der Zeit angepasst sind“, spricht Grossauer von eingezogenen Ebenen und Kanten. Er schuf Heilkräutergarten und Weingarten mit verschiedenen Sorten, den Aktivpfad, Bewegungspark und Sinnespark, die Yogawiese und den Meditationsgang. Am höchsten Punkt wurde der „Weinbergteich“ neu angelegt. Daneben wurde ein großflächiges Kunstwerk aus dem einstigen Hallenbad in einen neuen Pavillon integriert, von hier kann die ganze Anlage eingesehen werden.

Es ist immer genug zu tun

Mit Therapien hat auch das jüngste Projekt Franz Grossauers zu tun: Er tüftelt am Konzept für den Therapiegarten eines Psycho sozialen Zentrums, will hier neben Kräuter- und Obstinseln auch die Bereiche Motorik und Entspannung abdecken. Die Arbeit geht ihm nicht aus – schließlich wollen auch nächstes Jahr neue grüne und blühende Orte entdeckt werden.