Entenmast: „Wasser gleicht Jauche“. Anrainer schlägt wegen Hundertschaft an angefütterten Enten Alarm. Stadtchefin will aktiv werden.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 21. Februar 2019 (05:56)
Karl Tröstl
Im Staubereich der Lainsiatz vor der Wehranlage zur Bodenstorfer-Mühle tummeln sich die Stockenten. Ein Anrainer schlägt jetzt Alarm: „Es braucht Naturschutz mit Hirn, das Wasser grenzt hier schon an eine Jauche!“

Mit der Lage Gmünds an Gewässern hängt auch der Name der Bezirkshauptstadt zusammen – an manchen Stellen vollzieht sich derzeit allerdings eher eine Erweiterung von der Wasser- zur Stockenten-Stadt.

Mehr als hundert solcher Tiere zählt etwa der Anrainer Otmar Schandl aus der Böhmzeil gleich unterhalb des Stadtplatzes bei der Lainsitzbrücke in der Litschauer Straße. Das sei eine Verdreifachung zu früher. Er zeigt Verständnis dafür, dass sich Kinder an den Tieren erfreuen und diese mit mitgebrachten Kleinigkeiten füttern. Problematisch werde es aber, wenn Erwachsene zunehmend ganze Säcke mit Brot, Semmeln oder Salzspitzen mitbringen.

„Das ist schon illegale Müllentsorgung! Die Enten können gar nicht alles fressen, was in die Lainsitz geschüttet wird. Viele Nachbarn sind verärgert, weil laufend auch ganze Brotlaibe ans Ufer geschwemmt werden und ihnen Rattenprobleme bescheren.“

"Irgendwo müssen Grenzen sein"

In Wien ist das Füttern von Wassertieren verboten, wird von „WasteWatchern“ mit hohen Strafen geahndet. Es schade als nicht artgerechte, bei verdorbener Ware mitunter todbringende Kost, Tiere würden verlernen, nach Nahrung zu suchen, heißt es seitens der Stadt. Unnatürlich hohe Tierscharen würden die Ausbreitung von Seuchen fördern – zugleich würden Kot und Futterreste das Gewässer überdüngen. Sauerstoff für Wasser-Lebewesen gehe damit verloren.

Der Staubereich vor der Wehranlage zur Bodenstorfer-Mühle ist in Gmünd in solcher Hinsicht gefährlich. Das Wasser gleiche hier schon einer Jauche, klagt Anrainer Schandl: „Irgendwo müssen Grenzen sein, es braucht Naturschutz mit Hirn!“ Seitens der Gemeinde habe man aber auf seine Klagen und jene von Nachbarn nicht reagiert.

Rosenmayer: „An die Vernunft appellieren“

Bürgermeisterin Helga Rosenmayer (ÖVP) beteuert allerdings auf NÖN-Nachfrage, schon länger nicht mehr von dem Problem gehört zu haben. „Wir werden etwas dagegen tun. Es macht natürlich einen Unterschied, ob hie und da ein Kind ein Weckerl zerbröselt oder ganze Brotlaibe entsorgt werden“, sagt sie. Verbote mit Strafen denkt sie für Gmünd nicht an: „Man muss an die Vernunft der Menschen appellieren.“