Erholung nach schweren Zeiten: Wie gehts Heizwerk in Energiekrise?

Erstellt am 29. September 2022 | 05:00
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Herbert Mandl: „Aktuell müssen wir froh sein, wenn wir ausge glichen wirtschaften können.“
Foto: M. Lohninger
Chef der G11-Gruppe mit Heizwerk in Gmünd: Geringer Nutzen aus Preislage, aber trotz steigender Eigenkosten auch kein Klagen .

Das wegen der Kostenexplosion auf Eis gelegte Bauprojekt für eine Indoor-Fischzuchtanlage der G11-Gruppe im Access-Industrial-Park Gmünd rückt aktuell auch deren Heizwerk in den Fokus – ist der Zander doch Teil des Planes für einen ökologischen Verbund zur Effizienzsteigerung im Kraftwerk. Wie gehts dem in Zeiten der Energiekrise eigentlich?

Dem gehe es trotz hoher Energiepreise und dem rasanten Ausbau des Gmünder Fernwärmenetzes weniger toll, als Energiekunden auf den ersten Blick vermuten könnten, beteuert G11-Geschäftsführer Herbert Mandl. „Für das nächste Jahr sieht es finanziell nicht schlecht aus, wir dürfen nicht jammern“, sagt er. Aber: „Aktuell müssen wir froh sein, wenn wir selbst ausgeglichen wirtschaften können.“

Einerseits sei die G11 zu großen Teilen an längerfristige Verträge gebunden, könne von gestiegenen Energiepreisen am Markt also noch wenig profitieren. Zugleich sei sie im Einkauf selbst von stark gestiegenen Holzpreisen betroffen. Außerdem seien auch die Eigenkosten für Strom zwischen Juli 2021 und Juli 2022 um etwa 1,2 Millionen Euro in die Höhe geschossen. – Warum? Der für die Versorgung des Heizwerkes nötige Strom könne technisch gar nicht aus eigener Erzeugung eingespeist werden, werde also teuer zugekauft. Die Umrüstung zur Selbstversorgung ist demnach gerade im Gange.

Mandl über Forderungen zur Gewinnabschöpfung bei Energieerzeugern: „Als der Strom 15 Jahre lang viel zu billig war, hat uns keiner geholfen.“ 2019 kappte der Nationalrat gar die Vergütung für Heizwerke wie jenes in Gmünd, die bis dahin höhere Produktionskosten für Ökostrom etwas abfederte. In zwei Jahren wurden danach ihm zufolge 4,4 Millionen Euro Verlust eingefahren, „man hätte das Modell einfach verlängern können, hat es aber auf breiter Ebene verbockt“.

Die harten Jahre machten immerhin erfinderisch

In Gmünd wurde so aber jene Bewegung zum ökologischen Verbund ausgelöst, der aus der Bioma Energie AG die G11 Unternehmensverbund AG machte. Ihr Ziel: das Heizwerk effizienter zu machen. 2020 folgte der Baustart für eine Kompostieranlage, die fürs Heizen unbrauchbare Teile des Waldhackgutes zu hochwertiger Kulturschwarzerde aufbereitet.

Ein Holzdekor-Werk samt nach Gmünd geholter Hackschnitzel-Färberei wurde 2021 aufgebaut, Strom und Hitze für den Trocknungsprozess liefert das Heizwerk. Nördlich in Richtung Breitensee anschließend hängt das Fischzucht-Thema derzeit in der Luft, doch 2023 soll mit dem Baustart für großflächige Gemüseproduktion im Glashaus die nächste Stufe zur Effizienzsteigerung des Heizwerkes erklommen werden.