NBG rettet Technologie-Innovator Bernstein. Regionales Know-how bleibt erhalten: NBG bildet „Joint Venture“ mit 3D-Druck-Pionier Bernstein, der der Belegschaft bereits gekündigt hatte.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 17. April 2019 (05:01)
M. Lohninger
Väter und Söhne mit voller Kraft für die Zukunft der 3D-Kompetenz im Waldviertel: Klaus Schmied, Jakob Schmied, der künftige Geschäftsführer Alexander Bauer und NBG-Holding-CEO Karl Bauer (von links).

CEO der NBG-Holding mit 50 Millionen Euro schweren Ausbauplänen, Fußball-Obmann in Gmünd, Projekt-Entwickler des Herrenhauses Alt-Nagelberg hin zur „Klanghütte“, neues Gesicht zur überregionalen Werbe-Linie der ÖBB – der Selfmade-Unternehmer Karl Bauer hatte schon ruhigere Zeiten. Dennoch schlägt er gerade ein spannendes neues Kapitel auf: Der Glasfaser-Vordenker und sein Sohn Alexander retten das Werk von 3D-Druck-Pionier „Bernstein Innovations“ in Hoheneich, für das dem kompletten Team bereits gekündigt war, vor der Schließung!

NÖN-Leser kennen Bernstein seit 2014, als die Oberösterreicher in den neuen Hallen direkt an der B41 bei Hoheneich die weltweit modernste Anlage für 3D-Drucke einrichteten. Nach höchsten Standards brennen Laser hier aus Kunststoffpulver Schicht für Schicht dreidimensionale Objekte. Die Herausforderung und Stärke von Bernstein ist dabei der Konstruktions-Prozess für maßgeschneiderte Produkte etwa für die Automatisierungs- oder Automobil-Industrie auch in geringer Stückzahl.

„In unseren Fantasien weniger eingeschränkt“

Die auf die Dauer nicht mehr erfüllbare Herausforderung war aber das Wechselspiel zwischen der Produktion in Hoheneich mit sechs Beschäftigten und der Firmenleitung in Linz um Klaus und Jakob Schmied, in deren „Father & Son GmbH“ Bernstein eingegliedert ist.

„Das Tagesgeschäft gestaltete sich operativ schwierig. Allmählich standen die Schließung des Werkes in Hoheneich und der Abzug nach Linz im Raum – oder eine strategische Partnerschaft, um den Standort voranzubringen“, sagt Jakob Schmied.

Die Lösung lag schließlich nahe – und bei einem weiteren Familienbetrieb. Die Familie Bauer schätzt Bernstein durch NBG von Kundenseite und auch deshalb, weil Alexander Bauer einst zwei Jahre lang hier arbeitete.

NBG verwaltet, wird Kunde und Vertreiber

„Es gibt eine klar definierte Absichtserklärung, jetzt muss noch das Feintuning vorgenommen werden“, sagt Karl Bauer, der den Kontakt zu „Father & Son“ gesucht hatte. Geplant sei ein „Joint Venture“: „Die Familie Schmied wird sich auf die Besitzerrolle zurückziehen, Verbindungen pflegen und fortführen. NBG wird die operative Leitung vor Ort übernehmen.“

Alexander Bauer, in der NBG-Holding Geschäftsführer von FCT, NBG-Systems und NBG-Home, ist als Geschäftsführer auch für Bernstein vorgesehen.

„Wir können viele Synergien nutzen, sind in unseren eigenen Fantasien künftig weniger eingeschränkt“, streicht er hervor: „Die Optionen erweitern sich wesentlich.“ NBG treibt derzeit etwa massiv die Entwicklung der Sensorik mittels Glasfaser voran, dabei müssen einzelne, hoch robuste Gehäuseteile oft exakt auf ein spezifisches Produkt angepasst werden. Jakob Schmied: „Geringe Zahl, hohe Komplexität, hoher Anpassungsgrad – das ist eine Wunschanwendung für den 3D-Druck!“ Die NBG will die Effizienz durch Synergien erhöhen, indem sie die Bernstein-Verwaltung integriert, Abnehmer wird und die 3D-Drucktechnik ins weltweite NBG-Vertriebsnetz aufnimmt.

Was die Zusammenarbeit für die gekündigte, aber noch im Betrieb arbeitende Belegschaft bedeutet, das sollen die nächsten Tage zeigen. Die Zeichen stehen jedenfalls auf Fortführung auf noch breiterem Level.