Millionenprojekt um Fische liegt auf Eis: Alternative wird geprüft

Erstellt am 28. September 2022 | 05:22
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Hinterm Heizwerk waren Hackschnitzel-Färberei, Erdenwerk, Zanderzucht und Gemüseanbau geplant – das Fischthema ist vorerst nicht realisierbar.
Foto: M. Lohninger (Archiv)
Investitionskosten für Gmünder Indoor-Zucht von Zandern in über hundert Becken um mehr als 10 Mio. Euro gestiegen.

Die massive Teuerungswelle forderte im Waldviertel ein viele Millionen Euro schweres Opfer: Die 2018 erstmals in der NÖN vorgestellten Pläne der G11 Unternehmensverbund AG (einst Bioma) für den Bau einer gewaltigen Indoor-Fischzucht mit zwei Hallen und über hundert Becken rund um das Heizwerk im Access-Industrial-Park Gmünd liegen auf Eis.

„Wir sind leider in die falsche Zeit gerutscht. Heute sprechen wir nicht mehr von einem Invest von 32 bis 35, sondern von 45 bis 48 Millionen Euro“, zuckt Geschäftsführer Herbert Mandl die Achseln. Eigentlich war der Baustart für 2021 anvisiert gewesen, wegen der aktuellen Entwicklungen glaubt Mandl heute nicht mehr an eine Umsetzbarkeit innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre.

Nicht nur Baukosten als Faktoren . Zu den Baukosten der Anlage für alle Bereiche zwischen Elterntierhaltung, Mast und Verarbeitung von 300 Tonnen Zander pro Jahr kommen nämlich weitere Aspekte. Die Futtermittelpreise seien extrem gestiegen und schwer kalkulierbar, so Mandl. Zudem könne innerhalb der G11-Gruppe wegen eines in zwei Jahren mehr als verdoppelten Holzpreises Energie nicht mehr zu Preisen der ursprünglichen Kalkulation aus dem Heizwerk in die Fischhallen eingespeist werden.

Ein großes Fragezeichen sieht Mandl letztlich noch beim Endverbraucher. „Zander ist ein Hochpreis-Fisch“, sagt er: „Die Menschen, die sich sowas leisten können, werden wohl eher weniger.“ Den wesentlich gestiegenen Kosten würden somit geringere Aussichten auf Erträge entgegenstehen, „das ist aus unternehmerischer Sicht derzeit nicht verantwortbar“.

Tür bleibt offen, aber: Wird Gemüsezucht nun erweitert? Komplett sterben soll das Fischprojekt trotzdem nicht, immerhin spricht Mandl von jetzt schon fast zwei Millionen Euro an Kosten für den Planungsprozess. Er will das laufende Genehmigungsverfahren, das sich nach grünem Licht aus allen Fachbereichen in der Behörde nur noch an der Frage der Regenwasser-Ableitung spieße, fix bis zum Ende durchziehen.

Damit würde die Tür zur Zanderzucht geöffnet bleiben. Parallel dazu sind aber Überlegungen angelaufen, das 2018 als letztes Puzzleteil eines ökologischen Kreislaufes zur Effizienzsteigerung im Heizwerk vorgestellte, riesige Glashaus-Projekt zur Gemüsezucht um die für Fische gedachte Fläche auszuweiten.

Das Glashaus-Areal könnte sich so vom ursprünglichen Plan auf dann mehr als zehn Hektar vergrößern.

Glashausbau ab 2024 realistisch. G11 will die Gemüsezucht an einen eigenständigen Betreiber auslagern. Der sendet laut Mandl positive Signale für eine Vergrößerung des Projektes, das allmählich genauso in den zweistelligen Millionenbereich rücke. Die Entscheidungsfindung werde in jedem Fall wohl überlegt erfolgen, betont der Geschäftsführer. Einen Baustart für die Grobarbeiten hält er im Herbst 2023 für denkbar, der Glashausbau könne im Frühjahr 2024 starten.