Gmünd

Erstellt am 13. Februar 2019, 06:03

von Markus Lohninger

Neuer Impuls für die Stadtbelebung. Stadt Gmünd will Leerstände von Geschäften & Wohnraum nicht mehr hinnehmen: Professionelle Betreuung gesucht.

Prominenter neuer Leerstand in der Schremser Straße.  |  NOEN

Andere Städte des Waldviertels machten es schon vor Jahren vor, in Gmünd verlief die gewerbliche Ausdünnung schleppender, obwohl das Aus für den Billa am Stadtplatz Ende 2011 als Schlag in die Magengrube vieler Gewerbetreibender empfunden wurde. Alleine innerhalb von eineinhalb Jahren kamen dem unmittelbaren Stadtzentrum aber nun mit Bipa, Bank Austria und zuletzt BB1-Fashionstore drei Frequenzbringer abhanden, das Café Huber/Pub-Altstadt verwaiste genauso wie eine der beiden Geschäftsflächen der Meridian-Passage prominent an der Schremser Straße. In wenigen Wochen wird die Buchhandlung Spazierer ihre Pforten schließen.

Umfeld dünnt aus. „Das Umfeld dünnt zunehmend aus. Ich darf über meinen Umsatz nicht klagen, aber dazu braucht es enormen Einsatz“, sagt Juwelier Reinhard Pöhn, einer der letzten großen Platzhirsche in der Altstadt. Ihm gehört auch die Immobilie in der Bahnhofstraße, in der BB1 eingemietet war. Nicht eine ernstzunehmende Anfrage habe er seitdem dafür erhalten, beteuert Pöhn. Auf drei Etagen hat er hier derzeit nur eine Wohnung vermietet. Am baulichen Zustand – der in der Bevölkerung vielfach als Hindernis für Wohnen im Zentrum genannt wird – liege das nicht. Pöhn: Er wäre für Investitionen in die Immobilie bereit, „aber es bräuchte eine Initiative, die Aussicht auf irgendetwas. Wie viele Menschen leben noch am Stadtplatz? Ein paar Handvoll…“

 „Die Aufgabe ist zu umfangreich, um von der Gemeinde oder einer Einzelperson nebenbei betrieben werden zu können.“ VP-Stadtrat Alexander Berger 

Unfreiwilliger NÖN-Test. Wo es in der Stadtentwicklung zwickt, das wurde der NÖN Mitte des Vorjahres auch direkt vor Augen geführt – als händeringend eine Geschäftsfläche als kleine örtliche Ergänzung zum neuen „Waldviertler Newsroom“ in Vitis gesucht wurde.

Ein nennenswerter Überblick, welche Lokalitäten zu welchen Bedingungen zu haben wären, existiert nicht. Die Immobilien-Suchmaschine der Stadtgemeinde warf trotz der unübersehbar großen Zahl an Leerständen nur zwei freie Gewerbe-Immobilien im gesamten Stadtgebiet aus. In der Regel mussten Lokalbesitzer mühsam und langwierig über mehrere Ecken und persönliche Kontakte in Erfahrung gebracht werden. Zum Vorschein kam neben einzelnen sehr engagierten Eigentümern ein insgesamt ernüchterndes Stimmungsbild: Ein großer Teil der Besitzer leerer Geschäftsflächen will diese gar nicht vermieten, will das nur unter minimalstem eigenem Aufwand, hat die Pächtersuche mangels seriöser Angebote und teils nach negativen Erlebnissen mit früheren Mietern aufgegeben, oder ist durch alternative Nutzung (oft als Lager) gebunden. Der Investitions- und Innovationswille tendiert nicht selten gen null. Übrig blieb eine Handvoll passender tatsächlicher Angebote (aus der in den nächsten Wochen auch ein neues Büroprojekt mit NÖN-Beteiligung entstehen wird).

Rasche Umsetzung als Ziel. Die Stadtführung wurde im Sommer von der NÖN mit diesen hinsichtlich Stadtentwicklung mehr als alarmierenden Erfahrungen konfrontiert. Und jetzt, auf neuerliche NÖN-Anfrage, bestätigt VP-Bürgermeisterin Helga Rosenmayer tatsächliche, intensive Bemühungen in diese Richtung. „Wir werden ein Belebungskonzept entwickeln, das das gesamte Stadtgebiet wie die Bahnhofstraße oder den Schubertplatz beinhaltet“, präzisiert Wirtschafts-Stadtrat Alexander Berger (ÖVP): „Wir planen eine zentrale Anlaufstelle, die Eigentümer und Mietinteressenten zusammenführen soll.“

Die Spazierer-Filiale liegt in ihren letzten Zügen.  |  M. Lohninger

Die laufende Betreuung soll dabei bereits relativ rasch auf professionelle Beine gestellt und dafür extern vergeben werden, betont Berger: „Die Aufgabe ist zu umfangreich, um von der Stadtgemeinde oder einer Einzelperson nebenbei betrieben werden zu können.“

Immerhin soll diese Anlaufstelle auch Potenziale und allfällige Kosten für die Attraktivierung von Immobilien ausloten. Ein aktives Einwirken der Gemeinde sei dabei, „wenn es Sinn macht“, durchaus vorstellbar, auch Förderpotenziale sollten ausgeschöpft werden – mit der Einrichtung des „Hauses der Zeitgeschichte“ im jahrelang leer gestandenen Geschäftslokal beim Haupttor zeigt die Stadtgemeinde bereits vor, wie das aussehen könnte.

Auch Wohnraum im Auge. Die Pläne sind nicht auf Geschäftslokale beschränkt, sondern sollen auch Dienstleistungen, Wohnraum und öffentliche Einrichtungen berücksichtigen.

„Es ist wichtig, dass guter Wohnraum in der Stadt zu finden ist“, betont der Stadtrat. Mehr Einwohner würden auch zur aktiven Belebung der Gmünder Innenstadt beitragen. Dennoch hält Alexander Berger grundsätzlich eines fest: „Ein Geschäft kommt und geht nicht wegen der Stadtgemeinde. Die Entscheidung trifft am Ende wirklich nur der Konsument mit seinem Kaufverhalten.“

Umfrage beendet

  • Initiative für Stadtbelebung: Trendwende möglich?