Gmünd

Erstellt am 15. August 2018, 06:00

von Markus Lohninger

Sex war doch einvernehmlich: Asylwerber enthaftet. Syrer wieder frei: Gmünderin widerrief Vorwurf der Gewaltanwendung. Jetzt läuft Strafverfahren gegen sie.

shuterstock.com/ Evlakhov Valeriy

Kuriose Wende im Fall jener 27-jährigen Gmünderin, die angegeben hatte, am 5. Juli in ihrer Wohnung von einem syrischen Asylwerber (49) vergewaltigt worden zu sein: Bei ihrer Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft Krems habe sie, wie Erster Staatsanwalt Franz Hütter auf NÖN-Nachfrage bestätigt, „die Vorwürfe nicht aufrecht erhalten.“ Es habe demzufolge Verkehr gegeben, aber keine Tat und somit keinen Täter.

Der in Gmünd lebende Syrer wurde daher nach 26 Tagen wieder aus der Untersuchungs-Haft entlassen, gegen die Gmünderin wird Hütter zufolge wegen der offenbar falschen Anschuldigung ein Strafverfahren eingeleitet. Man könne der Frau keine Bosheit unterstellen, räumt der Staatsanwalt ein, er spricht vielmehr von einem „problematischen Hintergrund“ der 27-Jährigen. Der Familienvater habe den Seitensprung mit der Gmünderin zugegeben, entgegen anderslautender Medienberichte aber bei seinen Einvernahmen Gewaltanwendung dementiert.

„Von einem solchen Vorwurf bleibt immer etwas hängen – egal, ob man nun schuldig ist oder nicht.“ Ingrid Müllner, „Gmünd hilft“

Für den Verein „Gmünd hilft“ seien die vergangenen Wochen mit dem ersten amtlichen Vergewaltigungs-Vorwurf in Zusammenhang mit einem Asylwerber eine schwierige Zeit gewesen, spricht Obfrau Ingrid Müllner über anfängliche Fragen zum Umgang mit der Situation. „Wir kannten den Mann von früheren Treffen, konnten aber natürlich nicht beurteilen, ob er schuldig ist oder nicht“, so Müllner zur NÖN. Die Entscheidung sei dann klar gewesen: „Wir können seine Familie unterstützen, ihn aber nicht.“

Dass die Frau ihre Darstellung revidierte, ändert aus Müllners Sicht den rechtlichen Umgang mit der Causa. Bloß: „Von einem solchen Vorwurf bleibt immer was hängen – egal, ob man nun schuldig ist oder nicht.“

In Gratismedien war das Urteil noch vor den Einvernahmen gefällt. „Frau (27) im Waldviertel vergewaltigt: Täter in Haft“, titelte „Heute“ am Tag nach dem intimen Kontakt, „Österreich“ legte einen drauf: „Dreifacher Vater vergewaltigte 27-Jährige“. Ein Gmünder postete online die logische Konsequenz: „Ich hoffe auf Ausweisung!!!“

„Heute“ fragte das Volk noch rasch, ob es sich „in NÖ/Wien noch sicher“ fühle. Nur 16 Prozent von fast 7.000 Teilnehmern sagten „Ja“. Ob sie sich vom medialen Gratis-Boulevard auch noch belehren lassen?