Historisches für die FJB: Erster echter Spätzug kommt

Fahrplanwechsel bringt nach Kultur- oder Stadionbesuch 22.28-Uhr-Zug bis Gmünd. Sorgenfalten aber wegen Kurzparkzone.

Erstellt am 17. November 2021 | 09:18
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Bis zum Bahnhof Gmünd geht es ab 12. Dezember zwischen Freitag und Sonntag erstmals auch noch um 22.28 Uhr.
Foto: Markus Lohninger

Eine historische Veränderung beschert der Fahrplanwechsel vielen Waldviertler Bahnreisenden ab 12. Dezember – und die ist mal wirklich positiv: Der jahrelang geforderte, echte Spätzug über Sigmundsherberg hinaus bis nach Gmünd, der sich auch noch mit einem Kultur- oder Stadionbesuch in Wien verbinden lässt, wird auf der Franz-Josefs-Bahn zwischen Freitag und Sonntag Realität.

Aktuell wird der REX 41 von Freitag bis Sonntag mit Start um 22.28 Uhr in Wien-FJBf nur bis Sigmundsherberg geführt. Die letzte Garnitur bis Gmünd macht sich aber freitags um 21.28 und am Wochenende gar schon um 20.28 Uhr auf den Weg. Ab 12. Dezember wird nun die Verbindung um 22.28 Uhr mit Halten an allen drei Tagen auch in Hötzelsdorf-Geras, Irnfritz, Göpfritz, Allentsteig, Schwarzenau, Vitis, Hirschbach und Pürbach bis nach Gmünd weitergeführt.

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Gerald Hohenbichler: Freude über Fahrplan-News – und Mahnung aus Wien.
privat

„Das hat es in der Zweiten Republik – wegen Nachtstreckensperre – auf der FJB noch nie gegeben!“, freut sich Gerald Hohenbichler von der Initiative „Pro FJB“. Ankunft am Bahnhof Gmünd ist nach 2:14 Stunden Fahrzeit um 00.42 Uhr.

Kleine Verbesserung – und kleines Manko. Als „kleine Verbesserung“ wertet Hohenbichler eine weitere Umstellung an der FJB: Der REX mit Planabfahrt 21.28 in Wien-FJB endet zwischen Montag und Donnerstag aktuell in Schwarzenau, von hier muss in den Bus nach Gmünd umgestiegen werden. Ab 12. Dezember wird direkt bis Gmünd durchgefahren.

Ein kleines Manko liest Hohenbichler aus den Plänen dennoch heraus: Die Abfahrt des frühesten Morgenzuges vom „Franzlbahnhof“ wird um acht Minuten auf 6.20 Uhr vorverlegt, in Gmünd kommt er dennoch weiterhin um 8.42 Uhr an – die Fahrzeit wird also um acht Minuten länger.

Kurzparkzone: Von Wien provozierte „Landflucht“. Noch mehr beschäftigt den Gmünder Bahn-Aktivisten neben Demos gegen Schwerverkehr auf der Straße und für den FJB-Ausbau, was er derzeit am zweiten Wohnsitz in Wien-Donaustadt sieht: ein zunehmendes Verschwinden von Nicht-Wiener Pkw-Kennzeichen aus der City.

Mit 1. März 2022 werden alle Wiener Bezirke zur Kurzparkzone, das Parkpickerl gibts nur für Menschen mit Hauptwohnsitz in der Bundeshauptstadt. Dadurch werden mit März letzte kostenlose Park-Oasen für Pendler auch aus dem Waldviertel trocken gelegt. Auch richtige Zweitwohnsitzer in Wien werden so faktisch gezwungen, den Hauptwohnsitz umzumelden, klagt Hohenbichler – am Papier sehe es nach einer neuen Welle der Landflucht aus dem Waldviertel aus, obwohl sich de facto nur an der Papierform etwas ändere.

Wiener Wohnsitz würde sich mit flotter Bahn erübrigen. Papier ist ja geduldig, heißt es. Bloß bringen Hauptwohnsitzer ihren Gemeinden wertvolle Gelder durch umverteilte Bundeseinnahmen (Ertragsanteile), Nebenwohnsitzer keinen Cent. Der ländliche Raum muss durch die Parkzone in Wien also einmal mehr massiv bluten.

Ergänzend zum aktuellen Angebot fordert Gerald Hohenbichler deutlich schnellere Züge mit maximal vier Halten in Niederösterreich – und langfristig die Projektierung von Neubau-Abschnitten an der FJB, die eine Fahrzeitverkürzung auf 72 Minuten für Gmünd-Wien ermöglichen. Der auch so schon teure Zweitwohnsitz in Wien könne sich damit für Waldviertler erübrigen, sagt er – sie könnten in der Heimat bleiben und dank Klimaticket günstig täglich zu Uni oder Arbeitsplatz pendeln.