Gmünd

Erstellt am 17. Januar 2019, 04:56

von Markus Lohninger

„Eingeschneit und eingesperrt!“. Gastronom Alex Trinko versank in einem der Schnee-Hotspots Österreichs sprichwörtlich: Ausbleibende Gäste, leere Lifte…

Montageteams der L+G-Tochter Ploier+Hörmann mit Kranwägen zwischen Schneemassen.  |  Leyrer+Graf

„Eingeschneit und eingesperrt!“ So fasst der frühere Gmünder „Pub Altstadt“-Wirt Alexander Trinko, der über den Winter im Aparthotel Hubertushof in Obertauern tätig ist, die Lage in einem der in Österreich seit Tagen im Blickpunkt stehenden Hotspots der Wetterkapriolen zusammen.

Zimmer mit Aussicht aus dem Aparthotel Hubertushof in Obertauern, in dem der Gmünder Alexander Trinko den Winter über als Barchef im Einsatz ist.  |  privat

Der nur durch eine Bundesstraße erreichbare, enge Taleinschnitt zwischen Pongau und Lungau war durch Schneemassen von bis zu drei und mehr Metern tagelang weitgehend nicht mehr erreichbar.

„Eine Schleuse war teilweise nur eine halbe Stunde am Tag offen, um Lawinenkommando, Feuerwehr und sonstigen Verkehr durchzulassen. Urlauber berichteten von mehr als vierstündiger Wartezeit“, erzählt Trinko, der im Hubertushof als Barchef arbeitet.

Die Gefahr ist immens, am 14. Jänner drang eine Lawine in Obertauern bis ins Zimmer eines Hotels ein.

Massive Einbrüche in der wichtigsten Zeit

Die regionalen Tourismus-Verantwortlichen gaben sich alle Mühe, das Geschäft am Laufen zu erhalten, fanden in Gratismedien dankbare Abnehmer („Obertauern: Keine Engpässe trotz der Schneemassen“, „Obertauern: Mehr als die Hälfte der Lifte sind in Betrieb“).

Das Leben im Ort funktioniere, sagt der Gastronom. Er spricht aber von massiven wirtschaftlichen Einbußen für den Ort mit mehr als 25 Seilbahnen bei unveränderten Personalkosten ausgerechnet in der wichtigsten Zeit des Jahres: „Es ist einfach irre, ich bin heilfroh, dass ich nicht mehr selbstständig bin! Eine solche Situation während der Hauptsaison kann Betrieben wirklich an die Substanz gehen.“

Genialer Schnappschuss des früheren „Altstadt“-Wirten Alexander Trinko Mitte der Vorwoche: In Obertauern wurde mit Schneefräsen auf Dächern gegen die Schneemassen vorgegangen.  |  privat

Ein ähnliches Ersatzsystem wie für Bauern bei Ernteausfällen fehle in dieser Situation, gibt Trinko zu bedenken: „Gäste reisen frühzeitig ab oder stornieren Urlaube, Lifte stehen still oder werden kaum genutzt, die Pisten sind leer, etliche nur über Lifte erreichbare Hütten sind seit Tagen geschlossen…“

Alex Trinko verbindet nach intensiven Jahren in der Selbstständigkeit den Winterjob im Hotel mit einem straffen Fitnessprogramm unter lukullischer Mäßigung („15 Kilo habe ich schon abgenommen“). Nach dem 1. Jänner sei er aber nicht mehr auf Skiern gestanden, sagt er: „Man sieht wegen des durchgehend starken Schneefalls nichts, am 11. Jänner war es erstmals seit Tagen wieder sonnig. Durch die Neuschneemengen und Verwehungen ist auch die Verletzungsgefahr groß.“

Alexander Trinko  |  privat

Bei zu kräftigem Wind würden die Liftanlagen ohne Vorwarnung abgeschaltet. Ein Gast habe erzählt, dass er eineinhalb Stunden im Sessellift verharren habe müssen.Das Frusterlebnis blieb trotz Entschädigung.

Mit einem Lächeln nahm Ö3-Moderatorin Kati Bellowitsch die Wetterkapriolen – die Skier habe sie gleich im Auto gelassen, sagte sie auf salzburg24.at: Sie habe den Skiurlaub mit Familie und Hund zum Hotelurlaub gemacht und ihn, weil sie den Ort nicht nach stundenlanger Wartezeit im Konvoi verlassen wollte, glatt verlängert.

Montageteams in ungewöhnlicher Mission

In ungewöhnlicher Mission waren übrigens auch die Freileitungs-Montageteams der Leyrer +Graf-Tochterfirma Ploier+Hörmann: Seit 6. Jänner waren sie aufgrund der Schneemassen in Oberösterreich, Steiermark und Salzburg für die Störungsbehebung an Hochspannungs-Leitungen im Dauereinsatz.

„Unsere Kollegen müssen hierfür körperlich enorm belastbar sein. Sich bei einer Schneelage von bis zu drei Metern durch unwegsames, steiles Gelände vorzuarbeiten, abgeknickte Bäume von den Leitungen zu entfernen und dann auch noch die Hochspannungsleitung zu reparieren, geht auf die Substanz“, heißt es seitens der Unternehmens-Kommunikation in Gmünd.