Karin Weißenböck: Jobs für 20 Fachkräfte per sofort

Karin Weißenböck und Viktoria Magenschab von Moorheilbad & Lebens.Resort über Covid-19, neue und alte Herausforderungen.

Erstellt am 06. Oktober 2021 | 04:30
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Geschäftsführerin Karin Weißenböck (rechts) und Viktoria Magenschab erzählen nach 20 Monaten der Coronavirus-Pandemie aus dem Moorheilbad Harbach und Lebens.Resort Ottenschlag.
Foto: privat

20 Monate, nachdem das Coronavirus wie ein Tsunami weltweit ins gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Leben gerauscht ist, sind Moorheilbad Harbach und Lebens.Resort Ottenschlag mit insgesamt gut 600 Beschäftigten und hohem Frauenanteil allmählich am Weg zurück zur Vollauslastung. NÖN-Chef vom Dienst Markus Lohninger sprach mit Geschäftsführerin Karin Weißenböck und Prokuristin Viktoria Magenschab über den Lockdown-Schock, wie sich das Haus auf Covid-19 eingestellt hat, Personalsuche- und Ausbildung in Covid-Zeiten – und eine noch offene Feier.

NÖN: Wie groß war nachbetrachtend der Schock, als der erste Lockdown ausgerufen wurde? Wie wurde damit umgegangen?

Karin Weißenböck: Klar, es war ein großer Schock, wir mussten unerwartet erstmals komplett schließen und Kurzarbeit anmelden. Es galt, mit vielen Maßnahmen so gut wie möglich über die Runden zu kommen. Die Unsicherheit war groß, zumal die Dauer nicht absehbar war. Im Mai 2020 war der schrittweise Start möglich, ein Betrieb unter einst normalen Bedingungen ist seither aber nicht mehr möglich gewesen. Zwischen den Sozialversicherungen und unseren Medizinern besteht reger partnerschaftlicher Austausch – ihre Vorgaben sind strenger als die gesetzlichen, sehen etwa FFP2-Pflicht für Mitarbeiter und Gäste vor. Wir sehen das aber als ein Sicherheitsnetz: Natürlich gab es Covid-Fälle, aber wir hatten dank der konsequenten Einhaltung der Maßnahmen und der Disziplin der Mitarbeiter nie einen Cluster und mussten im Zusammenhang mit Infektionen auch nie irgendetwas schließen.

Wie stark ist Covid noch Thema in Ihren Gesundheits-Einrichtungen?

Weißenböck: Wir sind tagtäglich mit dem Thema befasst. Im Restaurant-Bereich sind die Tische zum Beispiel weiterhin lockerer besetzt, wir haben Abstandsregeln für das gesamte Haus, arbeiten mit kleineren Gruppengrößen. Überall wird versucht, Menschenansammlungen zu vermeiden. Es funktioniert, weil alle an einem Strang ziehen.

Kleinere Gruppen und höhere Sicherheits-Vorkehrungen bedeuten im Umkehrschluss mehr Personal. Wie geht sich das finanziell aus, wenn eine Vollauslastung vermutlich noch nicht in Sicht ist?

Weißenböck: Wir haben jahrzehntelang nachhaltig und vorausschauend gewirtschaftet. Das gab uns die Reserven, um nicht bei einem kräftigen Windstoß umzukippen. Eine Herausforderung ist es dennoch: Die Auslastung steigt in unseren Häusern, hat aber bei etwa 80 Prozent immer noch Luft nach oben. Der Umsatz ist geringer als vor der Pandemie, zugleich sind die Kosten auch durch Hygiene-Maßnahmen, Testungen oder das eigene Risikomanagement gestiegen. Ein Teil der Kosten ist durch Sozialversicherungs-Vereinbarungen gedeckt.

Wie tragen die Mitarbeiter den Kurs mit? Der hohe Frauenanteil ist in einer Phase, in der vor allem Mütter privat besonders gefordert sind, eine Herausforderung sicher auch für den Arbeitgeber.

Weißenböck: Wir haben ein gutes und motiviertes Team, das die Situation mit Engagement meistert. Aber klar, bei einem Frauenanteil von 78 Prozent sind zusätzliche Belastungen für Mütter im familiären Umfeld durch Kinder und Schule fordernd. Der Arbeitgeber muss flexibler als in anderen Branchen sein, Ausfälle sind immer ein Thema. Wir haben eine Hotline eingerichtet, die rund um die Uhr für Fragen bereit steht.

Wie gehen Sie mit CoV-Tests um?

Viktoria Magenschab: Wir müssen regelmäßig PCR-Tests vornehmen. Standardmäßig vorgeschriebene PCR-Tests werden durch unser medizinisches Personal abgenommen und zur Auswertung an Labors gesandt. Für Verdachtsfälle oder Situationen, in denen ein schnelles Ergebnis gesucht ist, haben wir früh ein eigenes PCR-Testgerät angeschafft. Das erlaubt uns auch Testungen zu Zeiten, in denen externe Labors nicht besetzt sind. Wir sehen es als Teil eines Systems, das hilft, schnell reagieren und die Ausbreitung des Virus verhindern zu können. Wir sind auch hinsichtlich Impfungen auf einem guten Weg und deutlich über dem Schnitt.

Inwieweit hat die Pandemie die Mitarbeiter-Suche verändert?

Weißenböck: Die Herausforderungen existierten großteils schon vor der Pandemie: Es gibt in vielen Bereichen der Gesundheitsberufe einfach zu wenig Fachkräfte. Daher bleibt es ganz wichtig, Menschen für eine Ausbildung vor allem zum Medizinischen Masseur und Physiotherapeuten zu motivieren.

Warum zwickt es bei Masseuren?

Weißenböck: Einerseits gibt es nur den Gewerblichen Masseur als Lehrberuf, einen solchen dürfen wir aber nicht beschäftigen. Die Ausbildung zum Medizinischen Masseur bzw. nach Aufschulung zum Heilmasseur ist etwa im Wifi, in St. Pölten oder Linz möglich, aber relativ teuer. Dazu kommen ein Mindestalter von 17 Jahren und eine verlängerte Ausbildungsdauer.

Magenschab: Ich glaube, dass viele Menschen das Berufsprofil des Medizinischen Masseurs gar nicht kennen. Es ist einfach zu wenig in den Köpfen der Menschen verankert.

Weißenböck: Ziel sollte es sein, das Interesse zum Beispiel bei Menschen zu wecken, die nach der Polytechnischen Schule als Hilfskraft tätig waren, oder die sich generell verändern wollen. Wir unterstützen das, zumal neben einer Vollzeit-Ausbildung auch eine Ausbildung an den Wochenenden neben dem Job möglich ist. Gut wäre vor allem, wenn auch mehr Waldviertler eine solche Ausbildung machen würden, der regionale Hintergrund ist ganz wichtig.

Physios sind ein Dauerthema…

Weißenböck: …das stimmt. Man muss zur Ausbildung an eine FH, etwa nach Krems oder St. Pölten, und der Andrang auf Studienplätze ist sehr groß. Das schreckt sicher viele ab. Andererseits würde sich die Chance, dass Waldviertler zum Zug kommen, trotzdem erhöhen, wenn sich mehr bewerben würden.

Wie viele Mitarbeiter suchen Sie für die genannten Bereiche?

Weißenböck: Wir könnten alleine im Moorheilbad Harbach, Lebens.Resort Ottenschlag und Gesundheitszentrum Zwettl sicher zehn Medizinische Masseure und auch zehn Physiotherapeuten einstellen. Vor allem: Wenn die Auslastung irgendwann wieder in einen normalen Bereich kommt, dann wird die Mitarbeiterzahl angesichts der neuen Rahmenbedingungen auf jeden Fall über jene aus der Zeit vor Corona klettern müssen.

Was bedeutete Covid für die Lehrausbildung im Haus?

Weißenböck: Die Lehrlinge haben unter erschwerten Bedingungen unter anderem mit Homeschooling in der Berufsschule ihre Abschlüsse gemacht. Wir konnten wegen des in der Gastronomie stark eingeschränkten Programms und dem Totalausfall im À-la-Carte-Bereich keine Lehre in der Qualität anbieten, wie wir sie als notwendig erachten. Unser Schulungsprogramm war nicht mehr möglich, genauso wenig Präsentationen an Schulen. Schnuppertage waren mit den für uns geltenden Maßnahmen nicht vereinbar. Daher haben wir seit Ausbruch der Pandemie keine Lehrlinge mehr aufgenommen. Jetzt bereiten wir uns aber wieder auf Lehrlinge vor, sind für 2022 in Kontakt mit Schulen und könnten sofort eine Lehrausbildung starten.

Die Moorheilbad-Gruppe war immer begleitet von einem regen Investitionsprogramm. Hat Covid-19 diesen Kurs verändert?

Weißenböck: Wir konnten zum Glück noch Ende 2019 mit dem Veranstaltungszentrum in Harbach in Betrieb gehen, das war eine Punktlandung, genauso wie der Zubau. Der Plan war damit erfüllt, wir mussten bis dato nichts verschieben.

Magenschab: Ein großer Kostenfaktor war und ist natürlich der EDV-Bereich. Covid hat da einiges beschleunigt, was ohnehin geplant war. Vieles im Austausch mit Patienten wurde auf online umgestellt, fast alle Vorträge und Schulungen laufen heute noch digital am Bildschirm. Mit MP2 haben wir ein eigenes großes Informationsprogramm entwickelt. Eine Mitarbeiter-App wurde für zeitnahen Austausch von Information, Mitarbeiterplänen oder Ausfällen geschaffen – das ist sehr hilfreich, wenn Versammlungen nicht möglich sind. Derzeit ist die Patienten-App in Entwicklung. Hier können jetzt schon Unterlagen digital eingebracht werden.

Weißenböck: Die EDV muss im Hintergrund ablaufen. Im Haus selbst müssen persönlicher Kontakt und Betreuung im Vordergrund stehen, das wird sich auch nicht ändern.

Wird die im Vorjahr wegen Covid abgesagte Feier zum 40er des Moorheilbades nachgeholt?

Weißenböck: Es ist uns ein großes Anliegen, sie nachzuholen. Wie genau und wann, das ist noch offen. Ich gehe aber davon aus, dass das noch vorm 45-Jahr-Jubiläum sein wird (lacht).