Schlagloch-Suche durch den Balkan bei spezieller Rallye. Stephan Graf und Daniel Litschauer nehmen mit einem 400 Euro „teuren“ Auto an einer besonderen Rallye teil.

Von Markus Füxl. Erstellt am 10. Juli 2019 (09:59)
M. Füxl
Daniel Litschauer (l.) und Stephan Graf (r.) kauften diesen Volvo um 400 Euro. Mit dem Gefährt nehmen die beiden an einer Abenteuer-Rallye quer durch den Balkan teil. Den ersten, inoffiziellen Stop haben die beiden bereits absolviert: Sie schauten mit ihrem Volvo im Waldviertel-Newsroom der NÖN vorbei.

Es ist das wahrscheinlich billigste Rallye-Auto des Waldviertels: 400 Euro (!) kostete der Volvo 850 GLE von Stephan Graf aus Heidenreichstein und Daniel Litschauer aus Artolz, Bezirk Waidhofen. Die beiden Motorfans nehmen damit am Pothole Rodeo, zu deutsch „Schlagloch-Rodeo“, teil.

„Wir haben im Internet von der Rallye erfahren und wollten unbedingt mitmachen“, erklärt Litschauer, der gemeinsam mit Graf in Amaliendorf bei der Firma „Technische Alternativen“ arbeitet. Die abenteuerliche Rallye verläuft durch elf Länder. 4.000 Kilometer müssen die beiden Arbeitskollegen bewältigen. Das Besondere dabei: Das Auto muss 20 Jahre oder älter sein und nicht mehr als 500 Euro in der Anschaffung kosten.

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Die NÖN begleitet die beiden auf ihrer Reise – in Form eines Pickerls.

Der Name der Rallye ist Programm: Neben ausgebauten Bundesstraßen verläuft die Strecke über richtige Schotterpisten mit unzähligen Schlaglöchern. Der Startschuss zum neun Tage langen Rennen fällt am 12. Juli in Graz. Von dort geht es nach Ungarn über Rumänien bis an die Schwarzmeerküste in Bulgarien. Am Weg nach Kroatien fahren die Teilnehmer über Griechenland und den Zentralbalkan mit Mazedonien, Albanien und Montenegro. „Das Ziel ist nicht, als Erster ins Ziel zu kommen, sondern überhaupt anzukommen“, sagt Litschauer. Während der Reise sammeln die Teilnehmer Punkte bei lustigen Tagesaufgaben.

Das Auto fanden die beiden Motorfans über die Suchplattform „willhaben“. Der Volvo mit Erstzulassung im Jahr 1993 gehörte einem alten Pärchen aus Wien. 226.000 Kilometer hat der „Oldie“ auf dem Buckel. „Aus gesundheitlichen Gründen wurde das Fahrzeug in den letzten zehn Jahren nur mehr selten bewegt“, hieß es in der Anzeige.
Das Waldviertler Duo hatte nach dem Kauf mit einigen Gebrechen zu kämpfen. „Die Bremswerke waren nicht überwältigend“, sagt Litschauer lachend. Um überhaupt ein Pickerl zu bekommen, mussten Mängel an den Handbremsbelägen, am Hinterachslager, am oberen Motorlager und am Keilriemen behoben werden. Außerdem wurden Öl, Zündkerzen, Luftfilter und Bremsflüssigkeit erneuert sowie das Thermostat und Temperaturfühler getauscht.

 Duo sammelt Geld für St. Anna Kinderspital

 Auf ihrer Reise sammeln die beiden Fahrer mit Firmen-Aufklebern auch Geld für den guten Zweck. Mindestens die Hälfte aller Einnahmen spenden die beiden für das St. Anna Kinderspital. „Die Idee dazu kam sehr schnell. Wir wollten das Abenteuer mit etwas Sinnvollem verknüpfen“, erklärt Litschauer.

Komfort gibt es auf der Reise nicht wirklich. Die beiden nehmen ein Zelt mit und werden zwischen den Stationen zelten. Die Verpflegung kommt aus Konservendosen, die die beiden von zuhause mitnehmen. „Wenn wir noch etwas benötigen, kaufen wir es auf der Strecke“, sagt Litschauer. Wie haben Familie, Freunde und Arbeitskollegen auf die Idee der beiden, an dem „Schlagloch-Rodeo“ teilzunehmen, reagiert? Von „Cool, ich will mit“ bis zu „Wie wollt ihr das mit dem Auto überhaupt schaffen?“ war alles dabei. Zweifel, ob der 400-Euro-Volvo die Reise übersteht, haben die beiden nicht: „Wir glauben fest daran, dass wir es schaffen“, sagt Litschauer.