Gute neue Aussichten: So werden Peppersweet & Co verarbeitet

Erstellt am 11. August 2022 | 06:14
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Anlagen übersiedelt: Peppersweet, Yellobell & Co für Käsemacher werden nun in Heidenreichstein verarbeitet – vor Augen der Gäste.

Spannende neue Einblicke gewinnen Besucher der Käsemacherwelt in Heidenreichstein seit der Vorwoche: Die Umrüstung der Schaukäserei zur Gemüse- und Obst-Verarbeitung wurde abgeschlossen. Führungs-Teilnehmer können in einem ersten Schritt gut 45 Beschäftigten bei der Antipasti-Produktion über die Schulter schauen, Mitte August wird die Belegschaft mit Start einer zweiten Schicht noch verdoppelt.

Die NÖN hat die Hintergründe zur neuen Rolle der Käsemacherwelt beleuchtet – angesichts notwendig gewordener Sanierungsarbeiten am Hof von Käsemacher-Gründer Hermann Ploner in Scheutz (Bezirk Krems-Land) war beschlossen worden, den Standort aufzulassen und die dortige Gemüse- und Obst-Verarbeitung in der Käsemacherwelt zu integrieren. Dafür wurde die Käseproduktion komplett aus Heidenreichstein abgezogen und am Firmensitz in Vitis integriert.

Übersiedelung: Abschluss gerade rechtzeitig zur ersten Gemüse-Ladung

Abbau, Übersiedelung und Neuaufbau eines umfassenden Anlagenparks – das klingt kompliziert, und ist es auch. „Wir haben einen Riesenstandort verlagert. Dabei gibt es einfach immer wieder Überraschungen“, sagt Geschäftsführerin Doris Ploner. Die Inbetriebnahme erfolgte vorige Woche daher mit einmonatiger Verzögerung, die als Puffer auch einkalkuliert gewesen sei – gerade rechtzeitig zum Eintreffen der ersten Lkw-Ladung.

Genauer Plan für jeden einzelnen Vertragsbauern

Während in Vitis vier Millionen Liter Rohmilch im Jahr verarbeitet werden, durchlaufen in Heidenreichstein nun gut 1.100 Tonnen Peppersweet-Kirschpaprika, Yellobell-Minikürbisse, Zucchini, Champions, Tomaten, Zwiebel, Feigen, Pflaumen oder Marillen bis weit in den Herbst hinein die Verarbeitungsstraße. Das sind immerhin mehr als 70 Millionen Stück. Gut 800 Tonnen stammen aus Eigenanbau mit Vertragsbauern unter anderem in Ungarn, Griechenland und im Burgenland, das Saatgut wird durch die Käsemacher selbst bereitgestellt.

Mit jedem Vertragsbauern werden vor Ort individuelle Anbaulösungen bis hin zu Reihenabständen, akzeptierten Düngemitteln und händischer Ernte erarbeitet. „Dadurch ist wirklich der gesamte Produktionsprozess in einer Hand und ist die Erzeugung eines perfekten Endproduktes gewährleistet“, sagt Doris Ploner. Den Löwenanteil machen mit 700 Tonnen die knackigen, nicht scharfen Peppersweet aus, eine Züchtung von Hermann Ploner, die laufend weiterentwickelt wird.

So läuft die Verarbeitung der beliebten Peppersweet

Nach der Anlieferung erfolgt eine Vorsortierung nach Größe und Qualität, schlechte Ware wird über Partner in Biogas-Anlagen eingespeist. Dann geht es über die Wäschetrommel aufs Förderband zur Betriebstour. Jedes Stück wird händisch für die Ausstechmaschine aufgelegt, das Kerngehäuse kommt raus und wird zu Biogas. Der Rest kommt wieder ins Wasser, um letzte Kerne auszuspülen. Dann geht‘s übers Band zum kurzen Erhitzen (Blanchieren). Jetzt werden die Rundlinge in 5-Liter-Gläser mit Essiglake abgefüllt, vakuumverschlossen und auf etwa 85 Grad durcherhitzt.

Was zwischendurch wegen unpassender Größe oder Schäden aussortiert wird, landet in eigenen Körbchen – jenen für die Weiterverarbeitung unter anderem zu Chutneys. Der Ausschuss kann damit insgesamt sehr gering gehalten werden.

Die 5-Liter-Gläser kommen großteils in ein Lager in Schrems – bis sie am Firmensitz in Vitis benötigt werden. „Die Transportwege sind jetzt wesentlich kürzer“, freut sich Doris Ploner über höhere Flexibilität. Flexibilität gebe es auch für die Mitarbeitenden, die innerhalb der Produktionsprozesse mehrfach täglich wechseln können. Alle verarbeiteten Teile bleiben anhand von aufgedruckten QR-Codes an den Deckeln bis zu den fertigen Endprodukten rückverfolgbar.

 

Noch Optionen für Ferial- oder Studentenjobs

Bis Ende Oktober soll die angelaufene Verarbeitungsphase in der Käsemacherwelt voraussichtlich dauern. Personell sei man bereits ganz gut aufgestellt, sagt Doris Ploner – Interessierte an Ferial- oder Studentenjobs könnten aber jederzeit einsteigen.

Die neuen räumlichen Kapazitäten lassen bei Ploner und ihrem Team schon die Gedanken um das kommende Jahr kreisen: Auch hinsichtlich Lager sei man nun weniger beschränkt als bisher, daher wird über Möglichkeiten für eine Nutzung der Verarbeitungsstraße als Ganzjahresbetrieb nachgedacht.