Großschönau

Erstellt am 10. März 2018, 04:06

von Markus Lohninger

Heavy Metal vom Lande. Vier Großschönauer – der Jüngste 18, der Älteste 26 – rocken wie Heavy-Metal-Helden der 1980er. Ihr Albumdebüt „Küenring“ verspricht dennoch Zukunft.

Schwere Jungs: Florian Gutenthaler (Gitarre), Sebastian Sauer (Schlagzeug), Stefan Gutenthaler (Bass & Gesang) und Michael Sulzbachner (Gitarre, von links) aus Großschönau haben sich als „Küenring“ auf ihrem ersten vollen Album verewigt.  |  Simon Jappel

Großschönau im Gmünder Bezirk: Pulsierendes regionales Zentrum mit BIOEM, BETZ, „großARTig“er Kulturinitiative, Sonnenplatz und -welt, quantitativ und qualitativ großer Jugendtrachtenkapelle, Landjugend oder dem renommierten Chor S[w]ingin‘ Voices… und Heimat einer Musikgruppe, die so gar nicht in diese friedliche Idylle passt.

Wenn Stefan Gutenthaler, Florian Gutenthaler, Michael Sulzbachner und Sebastian Sauer im Alter von 18 bis 26 in Leder- & Nietenlook samt Patronengurt zu den Instrumenten greifen, dann kracht es nämlich im Stil der Helden des Hard Rock und Heavy Metal der 1970er und 80er Jahre – obwohl keiner von ihnen die Zeit aktiv erlebt hat.

„Küenring“ nennt sich das Quartett aus der Mitte der Kuenringer-Städte Gmünd, Weitra und Zwettl, das Ü symbolisiert als „Heavy-Metal-Umlaut“ die Nähe zu Rocklegenden wie Blue Öyster Cult, Motörhead oder Queensrÿche. Inspiriert vom Musikregal des Vaters, begannen die Gutenthaler-Brothers im Jahr 2004 mit Nachbarjungs – der Älteste zählte gerade zwölf Lenze – zu rocken.

Unterricht gab ihnen ein weiterer Nachbar, der bei den Bluesrockern „No Names Rock“ spielende Musiklehrer Jörg Hofbauer. Sechs Jahre später wurde es ernst, die Band wurde gegründet, das erste Demo mit eigenem Songmaterial aufgenommen und unter dem Unheil verkündenden Titel „Death Awaits“ unters Volk geworfen. 2013 folgte die EP „The Nameless Fallen“. Das Szene-Portal „Stormbringer“ jubelte.

„Der Heavy Metal der 80er ist zeitlos. Bands von damals ziehen immer noch junges Publikum an. Auch, weil sie sich weniger in Normen pressen ließen.“ Florian Gutenthaler

Jetzt ist nach eineinhalbjähriger Schaffenszeit das erste volle Album erschienen, und wird am 24. März im Linzer Kulturzentrum KAPU vorgestellt. „Eigentlich ist es ein Best-of der letzten acht Jahre“, schmunzelt Sänger und Bassist Stefan Gutenthaler: „Aber das erste Album sollte nicht schon Best-of heißen.“ Geprobt wird in Großschönau, aufgenommen, gemixed, gemastered und produziert wurde aber in Wien. Das Ergebnis sind 50 Minuten, die alles andere als stumpfer Krawall sind.

Die Magie des Kraftortes Großschönau hat eben auch eine Ader für die Musik neben dem Mainstream freigelegt. Technisch solide fällt das selbstbetitelte Albumdebüt sehr hart und wenig herzlich aus, quicklebendig stampfend und dampfend, kompositorisch trotz Anleihen an oft gehörte Klänge geistreich und schlüssig.

Dass „Küenring“ ihre meist von Stefan und Florian Gutenthaler (Gitarre) angeregten Songs gemeinsam reifen lassen, bis sie halt gar sind, führt ausnahmslos zu Überlängen. „Hounds of Kuenring“ erreicht fast zehn Minuten und hält dennoch locker den Spannungsbogen, „The Unknown“ überzeugt in acht Minuten. Selbst das sanfte Instrumental „Autumn“ bringt es auf fast sechs Minuten.

Der Traum von einem Leben von der Musik

Der Sänger/Bassist ein Tontechniker in einem Wiener Blues- und Jazzclub (daher die saubere Album-Produktion), der erste Gitarrist ein Germanistik-Student mit Job in einem Wiener Antiquariat, der zweite Gitarrist Michael Sulzbachner ein EDV-Techniker, der vor drei Jahren zur Band gestoßene Schlagzeuger Sebastian Sauer (18) ein Zivildiener: Im bürgerlichen Leben alles grundsolide, unauffällige Leute mit anständigen Berufen. Warum dann „Küenring“?

„Der Heavy Metal der 80er ist zeitlos. Bands von damals ziehen immer noch junges Publikum an. Auch, weil sie sich weniger als heutige Bands in Normen pressen ließen“, sinniert Florian Gutenthaler. Und Stefan: „Die trauten sich mehr in eigene Richtungen entwickeln. Jede Gruppe hatte damals einen unverkennbar eigenen Sound.“ Als Musikhörer tauchen sie, wie sie sagen, auch mal in Bereiche aus Punk, Pop oder Klassik ein. Der Metal ist es aber, der alle eint – auch auf der Bühne, wo auch optisch die Metamorphose zum Rockstar aus einem früheren Jahrhundert vollzogen wird.

Vorerst ist das in Eigenproduktion erschienene Album über die Band, als CD & Download via „Bandcamp“ und als Download über Amazon erhältlich. Irgendwann von der Musik leben zu können, das ist Vision und Traum aller Beteiligten. Zentraler Lebensinhalt ist sie jetzt schon.