Großdietmanns

Erstellt am 11. März 2018, 04:06

von Johannes Bode

Premiere: Kunst im Aquarium. Hörmannser Keramik-Künstlerin Myriam Urtz stellt erstmals Werke in Aquarien des Unterwasserreichs aus. Ihr Eindruck: „Eine fröhliche Symbiose!“

Myriam Urtz mit einer Wassernixe in ihrem Schauraum in Hörmanns.  |  Johannes Bode

Der über 350 Jahre alte Vierkanter, den Myriam Urtz in Hörmanns bewohnt, ist Wohnhaus, Atelier, Werkstatt und Schauraum in einem. Ein Haus mit Charakter, das auch abseits der Wohnräume gemütlich wirkt – und erst ungemütlich wird, wenn es so kalt wird wie Ende Februar: „Bei solchen Temperaturen muss ich schauen, dass mir die Werkstatt nicht einfriert“, sagt die Keramik-Künstlerin. Denn dort stehen auch jene Arbeiten, die zwar schon fast fertig, aber noch nicht gebrannt sind.

Ist der Ton gebrannt, hält das Material sehr viel aus – auch Wasser. Die Idee, die Skulpturen von Urtz ebendort zu versenken, hatte Sonja Eder, die damals noch im Unterwasserreich in Schrems tätig war: „Als sie mir davon erzählte, hab ich mir sofort gedacht: Genau dafür sind manche Arbeiten eigentlich gemacht.“ Keramik ist eines der langlebigsten künstlerischen Materialien: Gebrannt bei 1200 Grad würde Urtz ganze 2000 Jahre Garantie geben.

Ab der Saisoneröffnung im Unterwasserreich am 24. März werden Werke von ihr daher im Aquarium ausgestellt. Urtz: „Ich hab meine Figuren gern in der Natur stehen. Sie ins Aquarium zu stellen, wo die Fische um sie herum schwimmen, ist sehr charmant: Eine fröhliche Symbiose!“ Kunst, sagt sie, darf und soll auch Spaß machen, die Betrachter sollen Freude daran haben. Ins Aquarium zu starren, statt etwa in den Fernseher, bezeichnet sie als „Kunst der Entschleunigung“. Vor allem, wenn da etwa ihre „Nixen“ ein Kaffeekränzchen abhalten oder auf riesigen Kreaturen reiten.

Die Kunst von Myriam Urtz kann nicht nur sehr witzig und komisch sein, sondern auch sinnlich, abenteuerlich oder frech. In ihrem Schauraum könnte man stundenlang nach neuen Details suchen.

Künstlerin gibt Wissen in Kursen weiter

Seit 25 Jahren beschäftigt sich Myriam Urtz mit dem Werkstoff Keramik. Die gebürtige Waldviertlerin hat die Fachschule für Keramik und Ofenbau in Stoob besucht, später die Kunstuniversität Linz. Weitergebildet hat sie sich auch bei zwei Semestern in Spanien, hat dort Spanisch gelernt, was sich auch im Jahr 2014 bei einem internationalen Keramik-Symposium in Buenos Aires bezahlt gemacht hat.

Immer wieder gibt Urtz Kurse (auch in der Umgebung, etwa bei der Sommerakadamie Motten oder der Gea-Akademie) oder arbeitet bei den „Experimentellen Archäologen“ mit, eine Gruppe, die versucht, Lebensweisen und handwerkliche Techniken vergangener Epochen durch Ausprobieren in der Praxis zu erforschen. Ihr Know-how für Lehmöfen zum Brotbacken in traditioneller Bauweise gibt sie auch im „Handbuch Brotbacköfen selber bauen“ (Löwenzahn Verlag 2017) weiter.

Die Werke von Myriam Urtz waren bei zahlreichen Ausstellungen in ganz Österreich zu sehen. Jene im Unterwasserreich zwischen 24. März und 28. Oktober (täglich 10-17 Uhr) ist dennoch eine Premiere: Weil ihre Skulpturen dort erstmals unter Wasser zu sehen sind – und zwar ganz ohne Tauchkurs.

Wer auf einen Katalog mit ihren Werken wartet, muss sich noch gedulden – der erscheint im Juni bei ihrer Ausstellung im Kulturkeller Dobersberg.