Hoheneich

Erstellt am 12. Juli 2018, 04:13

von Karin Pollak

Kurt Ockermüller: "War eine wilde Partie“. Kurt Ockermüller, der bei acht Mundl-Folgen Regie geführt hat, verbringt viele Wochen im Jahr in Hoheneich und will sich in das Kulturleben einbringen.

„Mundl“-Regisseur Kurt Ockermüller in der ehemaligen Tischlerei Meindl in Hoheneich.  |  Karin Pollak

„Ein echter Wiener geht nicht unter“ ist Kult. Dass daran auch ein Hoheneicher maßgeblich beteiligt war, ist nicht vielen bekannt. Kurt Ockermüller übernahm bei acht der 24 Mundl-Folgen die Funktion des Regisseurs und ließ 2008 die Familie Sackbauer beim Kinofilm „Echte Wiener – die Sackbauersaga“ wieder aufleben.

Mit dem Buch „Ein echter Wiener geht nicht unter – Das Mundlbuch“ setzte der Hohen eicher Zweitwohnsitzer noch eine Erfolgsgeschichte drauf. Seine Lesung am 18. Juli in der Gemeindebücherei und die Präsentation des Kinofilmes am 23. Juli im Cafe Vero sollen etwas zur Hoheneicher Kulturszene beitragen, meint der bekannte Regisseur, Schauspieler und Theaterwissenschafter.

Produktion auch in Pürbach gezeigt

„Ich will auf keinen Fall Festspiele in Hoheneich machen, sondern ein Lebenszeichen senden“, betont Ockermüller, der die ehemalige Tischlerei Meindl gekauft hat und hier viele Wochen im Jahr mit seiner Gattin Lenke wohnt. „Die Kulturszene in der Region ist großartig, in diese will ich mich einbringen und habe dafür auch ein Konzept erstellt. Man wird also noch mehr von mir hören“, meinte Ockermüller im NÖN-Gespräch.

Das Waldviertel hat er bereits 1987 kennen- und auch lieben gelernt. Damals arbeitete er mit Stella Hierländer beim Sommertheater in Schloss Wildberg bei Linz zusammen. Die erfolgreiche Produktion „Birnbaum und Hollerstauden“ wurde auch in Pürbach gezeigt, von einem Hoftheater war zu diesem Zeitpunkt noch keine Rede. „Wir wohnten im Wohnwagen. Es war eine wilde Partie, aber total schön“, blickt Ockermüller zurück, den seither eine enge Freundschaft mit Wolfgang Böck verbindet. „Stella Hierländer und Harald Gugenberger waren ebenfalls gute Freunde, sie leben leider nicht mehr“, so der Regisseur, der 1989 seinen Zweitwohnsitz in Hoheneich gründete. Zu diesem Zeitpunkt waren die Sackbauers schon Geschichte.

1975 war mit dem „Straßenfeger“ begonnen worden. Mundl-Regisseur Reinhard Schwabenitzky kannte Ockermüller seit seinem Studium an der Wiener Filmakademie, mit Erika Deutinger, die Mundls Tochter Hanni spielte, war Ockermüller zu diesem Zeitpunkt liiert. „Ich lernte also die gesamte Sackbauer-Familie und das Team kennen, wir wurden gute Freunde“, so der Regisseur, der die Folgen 17 bis 24 geleitet hat. Und das kam so: „Schwabenitzky ist damals nach Deutschland gegangen, mit seinem Nachfolger Rudolf Jusits, der im Hoftheater Pürbach im Juni 2005 während einer Vorstellung gestorben ist, gab es Auffassungsunterschiede. Somit wurde ich mit der Regie betraut“, blickt Ockermüller zurück. 1979 endete dieses Erfolgprojekt. „Karli-Darsteller Klaus Rott wollte mit einem Kabarett-Programm das Image des Trottels ablegen und Karl Merkatz hatte ebenfalls genug“, nannte Ockermüller die Gründe.

Ockermüller wirkte auch beim „Bockerer“ mit

Zum 80. Geburtstag von „Mundl Sackbauer“ im Jahr 2008 wollte Ockermüller nochmals die Familie Sackbauer zusammenführen: „Einfach war es nicht, aber es ist gelungen. Schön war, dass der Großteil der Original-Crew noch gelebt hat“.

„Echte Wiener – die Sackbauersaga“ war ein erfolgreicher Film. Er rangiert nach wie vor auf Platz vier der erfolgreichsten österreichischen Kinofilme seit 1982. Die von Ockermüller verfasste Fortsetzung sollte nicht mehr in seiner Version gedreht werden. „Das ist total umgeschrieben worden und der Film war dann ein richtiger Flopp“, weiß Ockermüller, der daraufhin sein Buch „Ein echter Wiener geht nicht unter – Das Mundlbuch“ auf den Markt gebracht hat. Aber nicht nur die Sackbauers zählen zu Ockermüllers Erfolgsgeschichten. Er fungierte auch bei der ersten und der letzten Folge der erfolgreichen „Bockerer“-Filmreihe als Regieassistent. Sein Wirken in Leipzig und in Berlin war ebenfalls erfolgreich, und eine Staffel von „Schlosshotel Orth“ trägt ebenfalls Ockermüllers Handschrift: „Ich war gut im Geschäft“. Besonders stolz ist er auf seine Doku über Vivaldi mit dem Titel „Der rote Priester“.

Ockermüller, der im März seinen 70er gefeiert und im Vorjahr seine Krebserkrankung überstanden hat, denkt nicht ans Aufhören. In Hohen eich bringt er sich selbst das Ziehharmonikaspielen bei, denn das braucht er im kommenden Jahr bei der Produktion „Ferdinand Raimund und seine Weibergeschichten“ im Kellertheater Brückl in Wien, die er mit Helmut Korherr macht und für die er die musikalische Begleitung übernimmt. Heuer gibt es eine Produktion über die Familie Trapp und nun sein Wirken in Hoheneich, für das Ockermüller noch viele Ideen hat.