Manuel Zeller: „Neoh hat mein Leben verändert“. Über zehn Millionen fast zuckerfreie Protein-Riegel verkauft:  Anna Hohenbichler im NÖN-Talk mit Neoh-Gründer Manuel Zeller.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 23. Oktober 2019 (05:13)
NEOH

NÖN: Vor wenigen Tagen wurde der zehnmillionste Neoh-Proteinriegel verkauft, Sie beschäftigen zwölf Mitarbeiter. Hätten Sie in den Anfangstagen an einen solchen Erfolg zu denken gewagt?

Manuel Zeller:  Man hat gehofft, man hat geplant... natürlich auch, dass es in so eine Richtung geht. Überrascht war ich eher von den Herausforderungen, die auftreten können. Das kann man nicht planen.

Wie und wann ist bei Ihnen die Idee zu Neoh entstanden?

Zeller: Jeder nascht gerne, ich natürlich auch. Nur die Nährwerte und vor allem der Zuckergehalt sind bzw. waren inakzeptabel. Und nach der Rückfahrt nach einem Fußballspiel an der Tankstelle und dem Frust, dass es dort nur Fett und Zucker gab, war dann die Motivation groß genug, sich dem Thema zu widmen.

Eine Unternehmensgründung erfordert viel Mut. Mit welchen Hürden hatten Sie anfangs zu kämpfen?

Zeller:  Am Anfang ist man als junges Unternehmen bzw. damals einfach als Freunde komplett alleine. Keine Forschungsabteilung, kein Geld, keiner glaubt dran, jeder weiß, warum es nicht funktioniert. Wir hatten schon immer wieder Hilfestellung, aber am Ende liegt die Verantwortung nur bei einem selbst. Ich habe bereits vor zehn Jahren mit dem Projekt begonnen, das aber neben meinem Beruf bei T-Mobile (heute Magenta) aufbauen können. Seit etwas mehr als einem Jahr kann ich mich nun voll und ganz auf Neoh konzentrieren.

Sie haben die HAK in Gmünd abgeschlossen. Welche Zukunftspläne hatten Sie nach der Matura bzw. wie haben Sie sich durch Neoh verändert?

Zeller: Um ehrlich zu sein, wusste ich nach der Matura noch gar nicht, was ich genau machen will. Selbstständigkeit war immer irgendwo ein Wunsch, wann und durch was, weiß man aber zu dem Zeitpunkt definitiv nicht. Das Leben hat sich durch Neoh komplett verändert. Ich hatte einen super Job, ein geregeltes Gehalt. Auch wenn Neoh super läuft, hat man permanent das Gefühl, es ist noch ein langer Weg und Sicherheit gibt es keine mehr. Wenn man dann tolles Feedback bekommt, weiß man dann aber, warum man sich diesen harten Weg ausgesucht hat.

Apropos Feedback: Wie steht es darum? Wie bekannt ist Neoh auch im Waldviertel?

Zeller : Das Feedback ist sehr vielseitig - meist unglaublich positiv, manchmal aber auch etwas skeptisch. Hin und wieder glaubt man noch nicht ganz, dass so tolle Nährwerte ohne geschmacklichen Kompromiss möglich sind. Ich denke, Neoh ist gerade im Waldviertel sehr bekannt. Jedenfalls zeigen das die Verkaufszahlen. Meine ganze Familie - allen voran meine Eltern - nutzen jede Gelegenheit, um Neoh zu unterstützen. Nicht zu vergessen ist natürlich auch die Berichterstattung in der NÖN…

Welche Tipps würden Sie jungen Menschen geben, die eine eigene Business-Idee haben?

Zeller: Durch Neoh sprechen mich sehr viele Leute auf ihre Businessideen an. Man merkt auch relativ schnell, ob sie es ernst meinen. Jedem muss bewusst sein, dass es ein Knochenjob ist. Du musst tausende Stunden, viel Risiko, viel Geduld investieren und am Ende gibt es für nix eine Garantie. Wenn du dann immer noch „irre“ genug bist und weißt, dass dein Produkt ein Problem lösen kann, bist du auf einem guten Weg. 

Der Unternehmenswert hat sich seit April 2018 laut eurer Aussendung auf 16 Millionen Euro verdoppelt. Zieht das größere Investoren an oder wird es vorerst bei der Zusammenarbeit mit Heinrich Prokop bleiben?

Zeller: Wir hatten auch schon unmoralische Angebote, aber wir haben nicht vor, größere Teile des Unternehmens zu verkaufen. Außerdem haben wir schon ein wirklich tolles Investoren-Set-Up. Da ist Heinrich natürlich ein extrem wichtiger Teil, immer mit Rat und Tat zur Seite. Er kennt die Branche wie seine Westentasche.

Gibt es denn Interessenten, die das Unternehmen ganz übernehmen würden? Wäre es überhaupt eine Option?

Zeller: Zwei Mal hat es Andeutungen in diese Richtung gegeben - einmal etwas konkreter. Aber das ist aktuell kein Thema.

Welche Zukunftspläne haben Sie?

Zeller: Wir liefern diese Woche erstmalig flächendeckend in Deutschland aus. Dort Fuß zu fassen, hat aktuell sehr hohe Priorität und wird uns lange beschäftigen. Die Internationalisierung soll weiter gehen, aber Schritt für Schritt.

Wie stark sind Sie persönlich mit der Marke Neoh verbunden?

Zeller: Sie wurde automatisch zu einem großen Teil in meinem Leben. Man arbeitet die ganze Woche an dem Thema, auch privat nimmt Neoh sehr viele Diskussionen in Anspruch. Man muss dann schon aufpassen, eine gesunde Balance zu finden. Wenn man zehn Jahre und gefühlt 10.000 Stunden an einem Projekt arbeitet, dann will man, dass es auch funktioniert. Noch dazu sehen wir, dass sich die Leute wohler fühlen, wenn sie auf Zucker verzichten. Damit hat man die Chance, die Welt ein wenig besser zu machen, und das ist großartig.

Was bedeuten die Begriffe Ernährung, Gesundheit und Sport für Sie?

Zeller: Sport war schon immer ein großer Teil meines Lebens. Gesundheit und Ernährung sind dann automatisch sehr wichtig. Ohne Sport fehlt mir die Balance. Die Zeit dafür muss man sich freischaufeln, dadurch wird aber die restliche Zeit viel effizienter, weil man einen klaren Kopf hat.

Welche Verbindungen haben Sie noch zum Waldviertel?

Zeller: Große Teile meiner Verwandtschaft und viele Freunde wohnen hier. Meine Eltern besuche ich etwa alle zwei Wochen. Ich bin immer gern im Waldviertel. Leider habe ich zu wenig Zeit, auch mal wieder in Schrems am Sportplatz vorbeizuschauen. Das war eine super Zeit und die Jungs sind ja auch wieder sehr gut unterwegs.

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