Pernkopf zur 35. BIOEM: „Oft belächelt, heute ist es der Goldstandard“

Erstellt am 16. Juni 2022 | 18:50
Lesezeit: 7 Min
Sehr erfolgreich meldete sich die Bio-Energie-Messe mit Messeständen, Vorträgen und Unterhaltung in Großschönau aus der harten Coronapause zurück: Das Thema ist in Zeiten von Klima- und Energiekrise aktueller denn je, dementsprechend erfreute sich die 35. BIOEM schon am Eröffnungstag regen Zulaufs.

Sehnsüchte wecken

Es gehe darum, die Sehnsucht für nachhaltiges Wohnen und Bauen, nach gesunden Lebensbedingungen, klimafitten Wäldern, humusreichen und trockenheitsresistenten Böden, nach Selbstversorgung mit erneuerbarer Energie, Biodiversität, Urlaubsgefühl im eigenen Garten und nun auch grünen Jobs zu schüren, strich Bürgermeister Martin Bruckner bei der Eröffnung der Jubiläumsmesse hervor.
Bruckner begrüßte diesmal nicht als Bürgermeister der Marktgemeinde Großschönau, sondern erstmals auch als Obmann im Veranstalterverein TDW – er hatte die Agenden wie berichtet im Winter von Herbert Schagginger übernommen, der 2018 das Staffel vom visionären Messe-Initiator Josef Bruckner übernommen hatte. Gefeiert wird heuer nicht nur die Rückkehr aus der covidbedingten Zwangspause, sondern mit zweijähriger Verspätung auch das 35-Jahr-Jubiläum der BIOEM, und das 50-Jahr-Jubiläum des TDW.

"Oft war es schwer, ihm zu folgen..."

Martin Bruckner sei in der Region immer ein Innovator und Vorreiter gewesen, wenn es darum ging, größer zu denken, sagte Landtags-Abgeordnete Margit Göll. „Er steckte uns mit seinen Themen an, obwohl es oft schwer war, ihm zu folgen – weil er so weit voraus war“, sagte sie. Heute lebe sie in einer Vorzeigeregion, auch wenn es ums Thema „Raus aus dem Öl“ geht.
Die übliche Tauschquote liege bei einem bis zwei Prozent, bestätigte Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Im Lainsitztal liege sie bei 30 Prozent, „weil sich die Gemeinderäte und Bürgermeister mit den Handwerkern zusammengeschlossen haben, um das Beste draus zu machen“. Es komme immer auf die Eigeninitiative an. Großschönau sei in vielfacher Weise ein Vorbild, etwa als erste energieeffiziente „5e“-Gemeinde oder aktuell mit Gold im europäischen Dorferneuerungspreis. „Oft seid ihr belächelt worden, viele hatten den Gedanken noch nicht verstanden. Aber heute sagen alle, das ist der richtige Weg“, zollte Pernkopf den Initiatoren Respekt: „Was damals mit ein paar Hackschnitzelanlagen begonnen hat, das ist heute zum Goldstandard geworden. Das Gute und Richtige siegt immer.“

Bruckner: Heizöl und Erdgas wären im Waldviertel zur Gänze ersetzbar

Wie sehr Martin Bruckner für das Thema brennt, das war bei der Eröffnung offensichtlich, als er eine Flut an Zahlen und Fakten nannte, um zum Fazit zu kommen: Würde all die im Waldviertel nachwachsende Holzmenge – samt jener, die mangels Finanzierbarkeit der Verarbeitung ungenutzt bleibt – mit effizienter Anlagentechnik aus dem Forschungsinstitut Güssing und Wirkungsgraden von 90 bis 92 Prozent verarbeitet werden, so wären Heizöl und Erdgas im Waldviertel zur Gänze ersetzbar. „Da müssen wir hin – aber nicht übermorgen!“ 1,7 Milliarden Euro ließen sich an Wertschöpfung mehr in der Region halten, „Geld, das nicht nur hier eingesetzt werden kann, sondern das wir autoritären Regimen und Kriegstreibern entziehen“.
Hinsichtlich Mobilität steige die Bereitschaft zum Umdenken dank wachsender Angebote und zunehmendem Leidensdruck ohnehin. Der Strombedarf werde aber jetzt schon nicht einmal zur Hälfte im Waldviertel selbst gedeckt (je 10 Prozent aus Photovoltaik, Wind und Wasser, 0-15 Prozent aus Holzhackgut). Um den Eigenbedarf in der Region decken zu können, bräuchte es sechsmal mehr Photovoltaik-Anlagen oder zwei Windparks mit jeweils fünf Rädern in jedem Bezirk der Region, „und würden alle Autos auf E-Mobilität umgerüstet, so bräuchten wir noch weitere zwei Windparks. Die Lösung wird also mehrschichtig sein müssen.“

Dank an 300 freiwillige Helfer

Die offizielle Begrüßung nahm bei der Eröffnung heuer erstmals Vizebürgermeister Martin Hackl vor – er hieß neben Pernkopf und Göll unter vielen anderen Ehrengästen auch die Abgeordneten Lukas Brandweiner, Silvia Moser und Helga Krismer, NÖ Militärkommandant Martin Jawurek oder NÖ Regional-Geschäftsführerin Christine Schneider willkommen. Hackl dankte zum 35er dem Initiator Josef Bruckner, allen Vorstandsmitgliedern über all die Jahre, den Mitarbeitern und etwa 300 freiwilligen Helfern, die vielfach seit Jahrzehnten für die gemeinsame Sache engagiert seien. – Bevölkerung und die etwa 30 Vereine der Marktgemeinde seien in den vergangenen Jahren „zu einer großen Familie zusammengewachsen, in der man sich gegenseitig hilft und sich ergänzt“. Wenn die hochgeschobenen Ärmel in 35 Jahren auch hie und da runtergerutscht seien – man habe sie wieder raufgeschoben, damit die Erfolgsgeschichte weiterlaufen konnte.

Großes Lob für die Jugendtrachtenkapelle

Die musikalische Umrahmung der Eröffnung gestaltete wieder die Jugendtrachtenkapelle Großschönau – für die Landeshauptfrau-Stellvertreter Pernkopf nach deren Auftritt in Wieselburg vor zwei Wochen besondere Wort übrig hatte: „Ich bin seit 38 Jahren bei meiner Musikkapelle dabei, aber ihr wart mit Abstand die hochwertigste Kapelle, die wir jemals gehabt haben. Ihr habt bis zum Schluss durchgespielt, aus dem Frühschoppen ist dann noch ein Dämmerschoppen geworden…“

Mehr zur 35. BIOEM in Großschönau hier:
https://www.noen.at/gmuend/grossschoenau-bioem-chef-bruckner-werden-einen-run-erleben-grossschoenau-bioem-bioem-grossschoenau-veranstaltung-messe-print-325909823
https://www.bioem.at/page.asp/-/willkommen