Schrems: Backen mit mehr Nachhaltigkeit. Die Backwelt Pilz will Nachhaltigkeit in der Produktion vorantreiben – und auf Sonnenstrom und Bienen setzen.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 29. Juli 2021 (05:06)
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Johannes Pilz jun. und Johannes Pilz sen. sehen die Zukunft der Backwelt auch in der Nachhaltigkeit.
ah, Backwelt Pilz (2), ah, Backwelt Pilz (2)

Ein großes Silofahrzeug parkt sich gerade am Firmengelände der Backwelt Pilz ein, um Mehl abzuladen. Verpackungsmüll fällt dabei keiner an. „Durch die Covid-Pandemie wurde uns bewusst, dass wir schon sehr nachhaltig gearbeitet haben“, sagt Geschäftsführer Johannes Pilz. Deshalb wurden bestehende Maßnahmen und künftige Vorhaben in den vergangenen Monaten in ein Nachhaltigkeitskonzept gegossen, das mehr umfasst als die Rohstoffanlieferung als lose Ware.

Möglichst wenig Verpackung & kurze Wege

Während das Mehl – man bevorzuge Mehl aus heimischem Waldviertler Roggen – mit dem Lkw kommt, werden andere Rohstoffe in wiederverwendbaren Big Bags angeliefert. Freilich können nicht alle Rohstoffe alleine aus dem Waldviertel bezogen werden. „Wir legen Wert auf kurze Transportwege. Das bedeutet für mich nicht, dass Rohstoffe nur von Gmünd nach Schrems transportiert werden – aber innerhalb Österreichs“, sagt Johannes Pilz. In der hauseigenen Verpackung kommen laut ihm Recyclingkartons und unbedruckte PE-Folien zum Einsatz.

Dass auch Brot und Gebäck immer wieder im Müll landen, beschäftigt den Bäcker. Um dem entgegenzuwirken sei gute Qualität unerlässlich und ein Grund dafür, warum die Backwelt auf den „Waldviertler Natursauerteig“ setzt. „Je länger ein Brot frisch ist, umso weniger wird weggeschmissen. Ein gutes Brot kann man mehrere Tage lang essen“, betont Pilz.

Investition in PV-Anlage

Während der Presseführung rund ums Betriebsgelände wird am Dach der Produktionshalle gearbeitet. Hier wird eine Photovoltaik-Anlage montiert, die zehn Prozent des Stromverbrauches decken soll. Pilz spricht von einem „deutlich höheren sechsstelligen Betrag“, der dafür investiert wird. Ein Teil des Backwelt-Stroms dürfte dann auch den neuen 22kW-Schnell-Ladestation für E-Fahrzeuge dienen. Firmenfahrzeuge will Pilz kontinuierlich auf Hybrid- bzw. Elektrofahrzeuge umstellen. „Nachhaltigkeit gibt es bei uns nicht erst, seit es modern geworden ist“, sagt Johannes Pilz – gibt aber zu bedenken: „Die Maßnahmen müssen trotzdem wirtschaftlich vertretbar sein.“

Ein anderes aktuelles Projekt der Backwelt Pilz sieht man schon von der B2 aus: Ein Insektenhotel steht bereits, eine Bienenweide ist im Entstehen. Geplant sind hier außerdem fünf Bienenstöcke. Bloß: Die „Amerikanische Faulbrut“ hat Imker wie berichtet in den vergangenen Monaten beschäftigt und das Projekt verzögert. Vor kurzem konnte der erste Bienenstock herziehen, wird von den beiden Mitarbeitern Florian Pöppel und Rainer Hofmann betreut. Der geerntete Honig ist für Besucher gedacht.

Rohstoffpreise steigen an

Was den Betrieb mit rund 80 Beschäftigten beschäftigt, sind die Nachwehen der Lockdowns. Nach einem starken Geschäftsjahr 2019 ging der Umsatz im Vorjahr zurück, Geschäftsführer Johannes Pilz hofft heuer auf ein Einpendeln dazwischen: „Wir sind mit einem hellblauen Auge davongekommen.“

Trends wie jener zu veganem Brot halten auch in der Backwelt Einzug. Auch bei Lebensmitteln zeichnen sich steigende Rohstoffpreise ab, Kontraktverhandlungen werden schwieriger. Trotzdem – oder gerade deshalb – bringt Pilz auch hier die Nachhaltigkeit ins Spiel: „Die gilt auch für Beziehungen zu Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten.“