Energiekosten versiebenfacht: NBG-Fiber leitet Sanierungsverfahren ein

Aktualisiert am 30. September 2022 | 16:32
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Als die NBG Fiber GmbH 2019 mit dem Bau des mehr als 65 Millionen Euro schweren Werkes für Glasfaser-Rohlinge begonnen hatte, da musste extra die Gasleitung verstärkt werden. Das Werk braucht nicht nur sehr viel Gas, sondern bei Vollauslastung den Strom von über 2.500 Haushalten – um aus den Gasen hochwertigstes Glas zu brennen, aus dem später die Faser gezogen wird. Nun holte die internationale Energiekrise das Glaswerk ein: Die NBG Fiber GmbH kündigt für Ende September den Start eines gerichtlichen Sanierungsverfahrens ohne Eigenverwaltung an.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hätten sich seit dem Spatenstich 2019 wesentlich verändert, heißt es dazu in einer Aussendung der NBG Fiber im Access-Industrial-Park, die europäischen Energiemärkte und damit auch Unternehmen seien infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine in eine schwere Krise gestürzt worden.

So seien die Energiekosten „der energieintensiven Produktion dieser infrastrukturell relevanten Glasfaserrohlinge“ im NBG-Glaswerk seit 2019 um das Siebenfache gestiegen. Dazu kämen krisenbedingte Lieferschwierigkeiten, Lieferketten-Unterbrechungen und Preiserhöhungen bei Produktionsmaterialen.

Karl Bauer: Erste Gespräche mit potenziellen Investoren

„Alle Partner sind in der Vergangenheit zum Projekt NBG Fiber gestanden und wir hoffen natürlich, eine gute Lösung für die Weiterführung des Unternehmens zu finden“, sagt Geschäftsführer Karl Bauer. Es habe bereits erste Gespräche mit potenziellen neuen Investoren gegeben, weitere seien geplant. Bauer: „Wir sind zuversichtlich, so die besten Schritte für die langfristige Sicherung von Standort und Arbeitsplätzen gesetzt zu haben.“

Bauer betont im NÖN-Gespräch, dass seine NBG Holding GmbH an sich mit einer Reihe an Gesellschaften im Glasfaser-Bereich von der Röhrchenproduktion über Dienstleistungen bis zur Sensorik von der Insolvenz des Glaswerkes in keinerlei Weise betroffen sei: Die NBG Fiber GmbH ist zu etwa 61 Prozent im Besitz der eigenständigen NBG Fiber Holding GmbH, die wiederum zu 90 Prozent der Privatperson Karl Bauer gehört. 

KSV1870 schreibt von Außenständen in Höhe von etwa 37 Millionen Euro

Der Kreditschutzverband 1870 berichtete in einer Aussendung am Freitagnachmittag von einer „Großinsolvenz“ mit Verbindlichkeiten laut Schuldnerangaben in Höhe von etwa 37 Millionen Euro - großteils bei Banken und Gesellschaftern, die Schulden bei Lieferanten belaufen sich demnach auf etwa zwei Millionen Euro. 48 Dienstnehmer seien betroffen. „Der noch zu bestellende Insolvenzverwalter wird in den nächsten Wochen im Detail zu prüfen haben, ob die Sanierungsbestrebungen tatsächlich aufrechterhalten werden können“, wird Jürgen Gebauer, Leiter KSV1870 Insolvenz Wien/NÖ/Bgld, in der Aussendung zitiert.