Erste Pleite seit Covid: Holzbau Brandl bereits geschlossen

Erstellt am 19. Mai 2022 | 05:33
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Bei Holzbau Brandl vor den Toren der Stadt Litschau gingen die Lichter aus.
Foto: Anna Hohenbichler
Kostenexplosion für Material & Montage: Ende für Holzbau Brandl mit einst zehn Mitarbeitern. AK sieht noch keine Welle im Bezirk Gmünd.

Den massiven wirtschaftlichen Herausforderungen für Betriebe im Zusammenhang mit der Pandemie zum Trotz blieb der Gmünder Bezirk seit 2019 ohne nennenswerte Pleite. Nun war es soweit: Die Holzbau Brandl GmbH in der Gmünder Straße 16 in Litschau meldete beim Landesgericht Krems die Insolvenz an, am 9. Mai wurde die Firmen-Schließung angeordnet.

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Roland Edinger sieht Insolvenz als Folge der Pandemie.
Foto: Archiv

Geschäftsführer Roland Edinger führt den Konkurs auf Entwicklungen im Zusammenhang mit Covid zurück. Er betont aber, dass alle begonnenen Baustellen abgearbeitet worden seien, „es wurden keine Kunden geschädigt“. Der Alpenländische Kreditorenverband berichtet von 490.000 Euro an bekannten offenen Forderungen, denen steht überschaubares Kapital gegenüber – die Immobilie war nur gemietet. Zum Masseverwalter wurde Anwalt Mario Noé-Nordberg bestellt.

21. Jahr nach Firmenkauf wurde zum schwierigsten

Edinger hatte den Betrieb mit Zimmerei und Fertighausbau im Jahr 2000 erworben und nach eigener Auskunft noch im Vorjahr zehn Mitarbeiter beschäftigt. Finanzielle Probleme habe es vor Covid nicht gegeben, beteuert er im NÖN-Telefonat. Die Pandemie habe sein Unternehmen, das mehr als 90 Prozent der Aufträge im Wiener Raum abgearbeitet habe, dann in mehrfacher Hinsicht schwer getroffen: „Monteure mussten während der Lockdowns monatelang alleine und unversorgt statt in 3-Bett-Zimmern mit Frühstück schlafen, die Kosten stiegen auf das Dreifache an“, beteuert Edinger.

Als Draufgabe kamen im Lauf des Vorjahres die Material-Engpässe und daraus resultierende Kostenexplosionen. In der Fertigteil-Branche mit Fixpreisen gegenüber dem Kunden habe sich die Lage zunehmend verschärft: „Brauchst du im September eine Dämmung, so musst du sie heute bestellen – und den Preis akzeptieren, der im September eben verlangt wird. Wie soll in einem solchen Szenario kalkuliert werden?“

Wegen der stockenden Lieferkette müssten zudem Baustellen nun öfter befahren werden. Zur Montage von zwölf Innentüren habe zuletzt dreimal nach Wiener Neustadt angereist werden müssen, schüttelt Edinger den Kopf, „die Anfahrt fällt in die Arbeitszeit. Da bleibt das Geld auf der Straße.“

Bis zuletzt habe er auf eine Alternative zur Insolvenz gehofft – vergeblich. Das Personal sei bereits davor Zug um Zug reduziert worden.

Nach Corona-Aufschub: Beginn einer Pleitewelle im Bezirk Gmünd?

Experten hatten seit Monaten davor gewarnt, dass sich im Schatten der Covid-Hilfspakete für Betriebe samt Aufschiebung von Kreditraten, Steuern und Sozialversicherung ein Insolvenzen-Rückstau aufbaue, der eines Tages in eine Pleitewelle münden könnte.

Steht die nun vor der Tür? Arbeiterkammer-Bezirkschef Michael Preissl ortet Signale für weitere drohende Insolvenzen, aber: „Konkretes zeichnet sich derzeit zum Glück noch nicht ab.“ Erfreut zeigt er sich auch darüber, dass es bei Brandl keine wesentlichen Außenstände bei Löhnen für Mitarbeiter gebe – sondern wirklich in dem Moment, als es nicht mehr ging, der Stecker gezogen wurde.