Eschelmüller: „Längst kein Konkurrenzdruck mehr“ . Meisterdach Eschelmüller aus Litschau muss eigenen Hallenbau verschieben: Zu Personal- & Materialnot kam Unwetter-Katastrophe.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 23. Juli 2021 (04:06)
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„Alter Schwede“ – bis zu einem Drittel der 60-köpfigen Eschelmüller-Belegschaft ist auf Wochen hinaus täglich in Allentsteig eingesetzt. Der millionenschwere Hallenzubau in Litschau wurde daher endgültig auf 2022 vertagt.
privat, privat

Mehr als drei Wochen nach der Unwetter-Katastrophe in Allentsteig ist bei Meisterdach Eschelmüller in Litschau sprichwörtlich Feuer am Dach. „Wir arbeiten auf Vollgas, kommen aber dennoch nicht nach“, sagt Juniorchef Matthias Eschelmüller, der daher ein für 2021 geplantes und schon vorbereitetes Großprojekt in eigener Sache auf 2022 verschoben hat: Der umfassende Ausbau am Standort Industriestraße hatte schon wegen der extremen Engpässe am Holzmarkt gewackelt, jetzt ist er fix vertagt.

Hauptfrage: Kann man es überhaupt reinzwicken?

Die Alternativen hätten spätestens nach den Unwettern gar nicht mehr gegeneinander abgewogen werden können, sagt Eschelmüller: „Das Allerwichtigste ist jetzt einfach, denen zu helfen, die seit Wochen unter einer Plane leben. Unsere eigene neue Halle ist nicht zwingend heuer noch notwendig.“ Auch etliche zuvor bestandene Aufträge bis hin zum Monsterprojekt bei der früheren Bobbin-Fabrik in Gmünd – wo wie berichtet die komplette Gebäudehülle des massiven Lager-Hauptgebäudes saniert wird – wurden „in kleinem Ausmaß“ verschoben, sagt er. Alle Auftraggeber hätten angesichts der Not in Allentsteig Verständnis für die Verzögerung aufgebracht.

Die Ausgangslage war für den Waldviertler Platzhirschen und Dach-Komplettanbieter durch den Fachkräftemangel und die nach den Covid-Lockdowns eingetretene Materialknappheit bereits schwierig, als im Juni die extremen Unwetter im Nachbarbezirk aufzogen. Inzwischen wurden im Katastrophengebiet laut Eschelmüller von seiner Firma an die 120 Häuser begutachtet. Begutachten heißt hier derzeit im Regelfall, auf ein Angebot hinzuarbeiten, das dann auch in einen Auftrag mündet.

Für das Einholen mehrerer Angebote und das Gegeneinander-Abwiegen fehlen nämlich oft schlicht Optionen, sagt der Prokurist, zumal eines von Haus aus klar sei: „Das zentrale Anliegen aller Beteiligten ist es, dass überhaupt Dächer raufkommen können . Derzeit ist es für jeden Betrieb gleich schwer, noch eine weitere Baustelle ins Programm zu zwicken – es gibt längst keinen Konkurrenzdruck mehr.“

Die Anbotsphase dient daher weniger dem Wettlauf unter Betrieben als der Klärung von Grundfragen zum Vorhandensein von Personal und Material – und eben zu den kalkulierten Kosten. „Holz, Blech, Ziegel… alles, was beim Dach ein Thema ist, ist am Markt schwer zu kriegen“, sagt Matthias Eschelmüller der NÖN.

Belegschaft seit 2019 um die Hälfte gewachsen

60 Mitarbeiter hat die Herbert Eschelmüller GmbH bereits, um die Hälfte mehr als noch vor zwei Jahren. Zehn weitere Mitarbeiter könnte er per sofort einstellen und beschäftigen, beteuert Matthias Eschelmüller. Es sei schwer, neues Personal zu finden, aber: „Ich beklage mich nicht – wir sind das ganze Jahr nicht nur beim AMS und mit Inseraten auf Personalsuche, und konnten so im Frühjahr immerhin um drei Leute aufstocken. Mit August kommen auch wieder zwei neue Lehrlinge dazu.“