Mit Waldviertler Bio-Gin auf der Überholspur

Erstellt am 29. September 2022 | 04:27
Lesezeit: 5 Min
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Die Masterminds von WoifGin in der „Woifshöhle“ mit Destillerie, Verkostungs- und Veranstaltungs-Option: Geschäftsführer Jürgen Pricken, Mehrheits-Eigentümer Markus Peherstorfer und Jürgen Hofmann als erster Angestellter (v.l.).
Foto: Joachim Pricken
Wie „WOiF“ vom Hobby zum Arbeitgeber wurde – und nun zu Falstaff-Ehren kam.

Die Rückkehr des Wolfes in den Gmünder Bezirk war im Sommer 2018 das zentrale Thema der Region. 2020, die Aufregung im Spannungsfeld zwischen Furcht und Faszination hatte sich einigermaßen gelegt, wurde dem Raubtier in Mistelbach (Gemeinde Großschönau) ein flüssiges Denkmal gesetzt: Im Hof der Familie Peherstorfer, wo seit Generationen Hochprozentiges gebrannt wird, wurde unterm Namen „WOiF“ erstmals ein Gin aus der Taufe gehoben. Danach ging es steil bergauf.

2021 wurde die WoifGin GmbH gegründet, die seit Juni 2022 mit Jürgen Hofmann den ersten Vollzeit-Mitarbeiter hat. Eine 16-köpfige Falstaff-Jury reihte den Bio-Gin nun bei der ersten Einreichung mit 86 Punkten in die Top-10 der klassischen Sorte London Dry in Österreich. „Der Duft erinnert an malzigen Getreideschrot und getrocknete Zitrusschalen. Am Gaumen sehr wuchtig mit Roggen- und Knäckebrot bis ins Finish hinein. Langer Abgang“, steht im Bewertungstext.

Wir möchten gerne in Richtung 60.000 verkaufter Flaschen kommen.“ markus peherstorfer Stramme Ziele mit Woif-Gin für 2023

Ein Vermächtnis des Nachbarn. Den Anstoß zum Woif hat 2020 ein Nachbar und öfters mit den Peherstorfers brennender Freund gegeben, der im Vorjahr unerwartet verstorbene Hubert Krenn. „Er sagte, probieren wir mal was G’scheites“, blickt Markus Peherstorfer zurück. Peherstorfer, Elektromechaniker und studierter Wirtschaftsingenieur, war davor in neun beruflichen England-Jahren zum Gin-Gourmet geworden: Die Stoßrichtung der Experimentiererei lag auf der Hand. Krenn erlebte noch den Verkaufsstart des Woif im Sommer 2020 mit handgemaltem Logo, das den Wolf grafisch aus den neun Zutaten zusammensetzt.

2021 holte er beim „Goldenen Stamperl“ Gold und den Landessieg. Das Rudel wuchs: Mehrheitseigentümer Peherstorfer gewann den befreundeten Jürgen Pricken nebenberuflich für Geschäftsführung, Marketing & Werbung sowie Jürgen Hofmann, mit dem er in einer anderen Firma zusammenarbeitete, für den Vertrieb. Mit Walter Cihal stieß ein Investor mit jahrelanger Erfahrung als Unternehmer dazu, der nun neben seinem wirtschaftlichen Know-how auch seine Leidenschaft für den Gin einbringt. 

Der Saustall wurde zur „Woifshöhle“. Im Schweinestall des großväterlichen Hofes in Mistelbach wurde mit Freunden und Familie die „Woifshöhle“ als Raum für Produktion, Veranstaltungen & Verkostungen eingerichtet. „Neben dem Job habe ich freitags, samstags und sonntags wochenlang oft bis drei Uhr früh gewerkt“, blickt Peherstorfer zurück: „Aber wenn schon, dann wollten wir es auch hochwertig machen.“ Einige tausend Arbeitsstunden seien in Eigenregie in die Woifshöhle samt Toiletten und Außenzugang geflossen, dennoch sechsstellige Kosten geblieben.

Anfangs habe nur die Vision „eines für mich guten Gin“ existiert, die hohe Nachfrage habe aber eine ungeheure Dynamik nach sich gezogen, sagt Peherstorfer heute. Der erste Mitarbeiter habe eingestellt werden müssen, er soll nicht der Einzige bleiben: „Es wird sich ausgehen. Aber es ist mit harter Arbeit verbunden.“

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Beim Garnisonsball in Weitra betrieb WoifGin um Markus Pehers torfer, Jürgen Pricken und Jürgen Hofmann (v.l.) eine eigene Bar.
Foto: Karl Tröstl

Nebenbei wird immer getüftelt – an allen Fronten. So entstanden mit „LuXX“ und „FiNK“ zwei weitere Sorten. Fink ist trotz 30 Volumenprozent Alkohol ein bemerkenswert sanfter „Sloe Gin“. Angeregt habe ihn Oma Angela (84), der Woif & Luxx zu stark und zu wenig süß sind, schmunzelt Peherstorfer. Also wird der Luxx in Zusammenarbeit mit der Granitdestillerie mit Schlehe-Edelbrand, einem Hauch Vanille und Ingwer verfeinert, „ein Stamperl davon nimmt sie jeden Tag“.

Parallel dazu wurden Woif & Luxx – mit Zutaten von Bioservice Zach bzw. Sonnentor – als Bio-Gin zertifiziert, Red Bull wurde über die „Organics“-Bioschiene zum Partner. Ein Webshop wurde geschaffen, ein Woif-Kräutersalz rund um das Wacholderthema kreiert, und ein Team für den Barbetrieb bei Events auf die Beine gestellt.

Gerade im Barbereich werden noch große Potenziale gesehen. Die Idee ist es, Konsumenten so hohen Aufwand wie möglich abzunehmen. Ein Ergebnis daraus ist die fixfertige Cocktail-Mischung: So wird für einen „Curcama Luxx“ schon bald ein Mix aus Gin und einer kräftigen Essenz aus Kurkuma, Acerola, Apfel, Ingwer, Pfeffer, Salz, Tonkabohne, Wasser, Zimt & Zitrone erhältlich sein – dazu braucht‘s dann nur noch Eis, Sodawasser und die Minz-Garnierung, fertig ist der Cocktail.

Etliche Händler haben den Gin der Marke Woif bereits im Angebot, mit der Gmünder Markthalle auch ein erster Supermarkt. Mit verschiedenen Großhändlern wird verhandelt.

Fad soll es auch 2023 nicht werden. Geplant ist einerseits der Eigenanbau von Weizen zur Herstellung von Bio-Weizenbrand als Basis des Gins. Zudem soll nach Abschluss einer zweiten Ausbaustufe in Mistelbach mit barrierefreier Lkw-Zufahrt, Kühlräumen, Lager und Waschplatz die logistische Voraussetzung geschaffen sein, um ein Ziel zu erreichen: „Wir möchten gerne in Richtung 60.000 verkaufter Flaschen kommen“, gibt Markus Peherstorfer die stramme Marschroute vor. Klar, es soll Spaß machen. Aber der Alltag in einer Woifshöhle ist eben kein Kindergeburtstag.