Mitarbeiter im Gespräch: „Das Erste, was wirklich geholfen hat“

Physiotherapeutin und Masseurin im Moorheilbad-Harbach: Wege, Chancen und Freuden in Mangelberufen.

Erstellt am 17. Oktober 2021 | 06:15

Das Thema bewegt: Das Interview mit Moorheilbad-Harbach-Chefin Karin Weißenböck und Prokuristin Viktoria Magenschab unter anderem über die Schwierigkeit, Stellen für Medizinische Masseure und Physiotherapeuten zu besetzen, landete unter den Waldviertler Top-3-Storys der Vorwoche auf NÖN.at. – Für die NÖN ein Anlass, um mit aktiven Mitarbeitern des Moorheilbades zu sprechen.

Die Grundvoraussetzungen seien in den Berufen gleich, sagen Masseurin Cornelia Göschl und Physiotherapeutin Verena Hackl, beide seit Jahren im Haus: Es gehe um die Freude an der Arbeit mit dem und am Menschen. Und weil jeder andere Bedürfnisse, Wünsche und Vorlieben mitbringe, gehe es auch um Flexibilität. Ist der Zustrom bei „Physios“ aber wesentlich höher als das Angebot an Ausbildungsplätzen, so wird bei Masseur-Ausbildungen sinkende Nachfrage beklagt – auch wegen des Einstiegsalters von 17 oder Kurskosten von mehreren Tausend Euro.

Kein Tag gleicht dem anderen, es gibt kein Schema F.“ Verena Hackl, Physiotherapeutin

Verena Hackl kennt beide Bereiche: Nicht einmal für ein Zwölftel der Bewerber für die akademische Physiotherapeuten-Ausbildung habe es vor 18 Jahren einen Ausbildungsplatz etwa in Wien oder Horn gegeben, blickt sie zurück, das habe sich nicht geändert. Hackl bekam einst im ersten Anlauf noch keinen Platz, wählte zur Überbrückung die Ausbildung zur Medizinischen Masseurin: „Ohne Unterstützung durch meine Eltern wäre das nicht finanzierbar gewesen.“

Hackl bewarb sich nach der Masseur-Ausbildung nochmal um den Physio-Platz, behauptete sich im dreistufigen Auswahlverfahren mit Tests des Allgemeinwissens, dem vielfältigen körperlichen Eignungstest und der Gesprächsrunde mit FH-Leitung und Therapeuten. Warum ihr das so wichtig war? „Ich bin ein kommunikativer Mensch mit einer sozialen Ader, wusste schon als 15-Jährige, dass ich mit Menschen arbeiten möchte. Ich wollte in Richtung Medizin gehen, aber einen praktischeren Zugang.“

Mehr als die Hälfte der dreijährigen Ausbildung, die auf eine Matura aufbaut, habe in der Praxis stattgefunden. Hackl spricht von einem sehr vielschichtigen Beruf: „Er muss jedes medizinische Gebiet abdecken, von der Orthopädie über die Neurologie, Geriatrie und Pädiatrie zur Onkologie, Kardiologie oder Rheumatologie. Daher bringt die Ausbildung auch viele Beschäftigungs-Möglichkeiten etwa in Rehabilitation, in Altenheimen oder Spitälern, genauso in Kinderbetreuungs-Stellen.“

Von Ärzten sei der Beruf des Physiotherapeuten noch vor 15 Jahren mitunter belächelt worden. Heute ist sie in Harbach eine von etwa 40 Physios. „Es ist nun ein Modeberuf, an den Patienten auch zunehmend hohe Erwartungen stellen“, sagt Hackl: „Das ist schön, aber auch eine Herausforderung.“

Die Vielfalt in der täglichen Arbeit im Moorheilbad sei wesentlich größer, als sie das bei Praktika in Spitälern oder Pflegeheimen erlebt hat, erzählt sie. Hackl: „Kein Tag gleicht dem anderen, es gibt kein Schema F. Ein Arzt sieht die Notwendigkeit für eine Physiotherapie, der Therapeut erstellt anhand verschiedener Merkmale etwa zur Frage, warum und wann welche Schmerzen auftreten einen physiotherapeutischen Befund, erarbeitet mit dem Patienten Nah- und Fernziele, legt die Therapiemethode fest. Danach betreut er einen Patienten drei Wochen, ist sein Ansprechpartner.“ Sätze wie „das war das Erste, was wirklich geholfen hat“ seien Lohn für die Arbeit.

Weitergeben, was einem selbst guttat

Schon vor über 30 Jahren hat indes Cornelia Göschl in Wien die damalige Ausbildung zur „Heilmasseurin und Heilbademeisterin“ absolviert, in der Zwischenzeit wurde diese ins Berufsbild des „Medizinischen Masseurs“ übernommen. Bereut habe sie ihre Entscheidung nie, betont Göschl, die nun Ansprechpartnerin für neue Kolleginnen im 35-köpfigen Massageteam ist: „Es ist abwechslungsreich wegen der vielen unterschiedlichen Behandlungs-Methoden, aber auch weil jeder Patient anders ist und man sich immer neu darauf einstellen muss. Es kommt auch sehr viel zurück.“ Auch die Technik wandle sich stets, erinnert sich Göschl an einstige Unterwasser-Massagen mit hartem Wasserstrahl aus dem Schlauch. „Nach drei Patienten warst du fertig“, schmunzelt sie. Dann kamen Hydroxeur-Wannen, ehe der komfortable Hydrojet Einzug hielt.

Wie sie auf die Idee gekommen war, den Beruf zu ergreifen? „Ich habe es als gut empfunden, massiert zu werden. Daher wollte ich das beruflich weitergeben.“ Patienten davon zu überzeugen, dass das, was man als gut und richtig empfindet, nicht immer gut für die Genesung ist, sieht Göschl als eine Herausforderung in ihrem Job – vor allem in Zeiten, in denen der Stresspegel hoch ist.

Was den „Medizinischen“ vom „Gewerblichen“ Masseur unterscheidet? Der Gewerbliche darf nach einer Lehre nur an Gesunden arbeiten, der Medizinische an kranken oder gehandicapten Personen. „Daher war das für mich der logischere und nachhaltigere Weg“, so Göschl. Und: „Im Waldviertel stehen einem mit dieser Ausbildung sehr viele Wege offen.“