Wird die ÖVP in Bad Grosspertholz gestürzt?. Liste & SPÖ sprechen über „Nicht-VP-Bürgermeister“. Heiße Debatte um die Schuldfrage.

Von Karin Pollak und Markus Lohninger. Erstellt am 29. Januar 2020 (04:08)

Die bisher mit absoluter Mehrheit regierende Fraktion der Wintersportgemeinde Bad Großpertholz hat einen mehr als eisigen Sonntag hinter sich: Nach dem Absturz der ÖVP mit Bürgermeisterin Martina Sitz von 13 auf acht Mandate und dem deutlichen Verlust der absoluten Mehrheit im Gemeinderat ist derzeit nur die Ungewissheit gewiss.

„Schauen, wie es weitergeht.“

Die nach zweimaligem Bürgermeister-Wechsel ins Amt gekommene Martina Sitz nimmt die Abfuhr zur Kenntnis: „Es war der Wählerwille. Wir schauen, wie es weitergeht.“ Mehr als ein Drittel der Stimmen sind weg, minus 23,9 Prozentpunkte (auf 41,4) sorgten angesichts des landesweiten VP-Jubeltages überregional für Aufsehen.

Für SPÖ „totale Überraschung“

„Unser Ziel, die VP-Absolute zu brechen, haben wir gemeinsam mit der Liste Pertholz-Aktiv geschafft. Die ÖVP hat ihre Rechnung präsentiert bekommen. Trotzdem ist der Wahlausgang eine komplette Überraschung“, meint SP-Spitzenkandidat Josef Scharinger: „Wir sind glücklich, haben wir doch ein Mandat dazugewinnen können. Jetzt wird es aber wieder spannend.“ Er wolle mit allen Parteien verhandeln. „Ein Nicht-VP-Bürgermeister ist nicht ausgeschlossen. Wir müssen schauen, wer sich für dieses Amt zur Verfügung stellt.“

Hahn als Wahlgewinner

Hermann Hahn jun. von der FP-Liste „Pertholz-Aktiv“ ist der Wahlgewinner, schaffte es von einem auf fünf Mandate. „Das ist höchst motivierend und zeigt, dass sich Beharrlichkeit und jahrelanger Einsatz für die Gemeinde lohnen“, strahlt er: „Wir haben angesichts der Ausgangslage mit Zugewinnen gerechnet, aber dass das Ganze dann so ein Erdrutsch wird, haben wir nicht erwartet.“ Hahn gratuliert auch den Sozialdemokraten.

Er will „die Gesamtsituation abwägen und unsere inhaltlichen Positionen mit denen der anderen Fraktionen abstimmen – das ist auch bereits im Laufen“. Hahn sieht im Wahlergebnis den klaren Auftrag für seine Liste, mitzugestalten. Bürgermeisterin Martina Sitz gibt er nach den Turbulenzen vor ihrem Gang an die Spitze Trost. Es wäre, so Hahn, unfair, ihr das Wahldebakel alleine umzuhängen, „die Großpertholzer Volkspartei wurde vielmehr angesichts ihres Zustandes und der handelnden Akteure in ihrer Gesamtheit abgestraft“.

„Menschenverachtende, falsche Politik“

Die schallende Ohrfeige löste auch eine scharfe Reaktion des 2017 im Dauerzwist ums gemeindeeigene Kurhaus abgetretenen VP-Altbürgermeisters Harald Vogler aus. Er schreibt an die NÖN unter anderem über eine „menschenverachtende und falsche Politik der Dr. Kitzler/ Kuttner-Partei“, das „völlige Chaos um das Kurhaus, Fernheizwerk, Skilift, Naturpark, etc… findet nun hoffentlich sein Ende“. Die Bevölkerung erwarte sich von der nächsten Gemeindeführung eine „restlose Aufarbeitung von dem Sumpf, der hier angerichtet wurde“ (siehe Spalte rechts!).

„Die Fehler machte Vogler“

Rechtsanwalt Edmund Kitzler räumt auf NÖN-Nachfrage Fehler ein, die habe aber nicht er, sondern Vogler gemacht. Kitzler spricht davon, dass Vogler das Kurhaus „verschenken“ und trotzdem 1,2 Millionen Euro an Schulden bei der Gemeinde habe belassen wollen. Er zählt auch eine angeblich durch Vogler geplante Kurhaus-Generalsanierung um 3,5 Mio. Euro ohne Aufstellung einer Finanzierung bis zum geplanten Verkauf an einen Investor auf, der es nur auf das Moor und nicht auf das Kurhaus abgesehen habe.

Kitzler erwartet Absetzung im Kurhaus

Zwei Monate nach der Übernahme der Kurhaus-Geschäftsführung für, wie Kitzler sagt, 445 Euro brutto pro Monat sei eine Anzahlung über 700.000 Euro fällig geworden. „Das alles ist mir auf den Kopf gefallen, aber wir haben es geschafft. 2019 gab es das beste Geschäftsjahr.“ Edmund Kitzler sieht dennoch seine Tage als Geschäftsführer gezählt: „Ich bin ja der ‚absolut Böse‘. Jetzt gibt es eine politische Mehrheit im Gemeindevorstand, der ist ident mit dem Kurhausausschuss – und der wird mich absetzen.“

Unrunder Abgang

Harald Vogler fühlt sich nicht nur von der Pertholzer VP, sondern auch von der Bezirks- und Landespartei im Stich gelassen. Letztere hätten vorigen Sommer sein Bemühen als „noch amtierender Gemeindeparteiobmann und Zustellungsbevollmächtigter“ um eine Partei-Neuaufstellung unterbunden. Die Landes-VP habe die Zustellungsbevollmächtigung übernommen, Vogler damit definitiv ausgeschaltet.

Dem widerspricht Pressesprecher Günther Haslauer auf NÖN-Nachfrage heftig. „Harald Vogler hat am 22. Jänner 2018 mit der Partei-Mitgliedschaft offenbar auch jeden Anstand aufgegeben“, sagt er: Als Nicht-Mitglied könne er gar nicht Zustellungsbevollmächtigter oder sonstiger Funktionär sein. Es gebe sicher auch künftig Möglichkeiten, sich politisch zu engagieren, „aber andere“.

Umfrage beendet

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