Nahversorger schließt

Erstellt am 27. Februar 2013 | 00:00
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Billa-Nachfolger für ein Jahr / Eineinhalb Jahre, nachdem Billa den einzigen Nahversorger am Stadtplatz schloss, ist die Nachfolge gescheitert.
Von Markus Lohninger

GMÜND / Die „dauerhafte Absicherung des Standortes“ hatte sich Franz Pilz zum Ziel gesetzt, als er vor einem Jahr nach heftigem politischem Getöse am Ort der früheren Billa-Filiale am Stadtplatz eine Nah&Frisch-Filiale einrichtete. Keine elf Monate nach der Eröffnung wirft er das Handtuch. „Ich habe versucht, der Bevölkerung den Nahversorger wieder zu geben, Arbeitsplätze zu schaffen und ein Aussterben der Innenstadt zu verhindern“, blickt Franz Pilz zurück. Der Betrieb müsse aber zumindest kostendeckend laufen können, das gelang trotz einer langen Liste an Werbemaßnahmen nicht – Pilz: „Entschieden habe nicht ich, sondern der Konsument mit seinem Kaufverhalten.“

Die Kundenzahl sei nämlich nicht gering gewesen. Gering sei nur der durchschnittliche Umsatz pro Kunde gewesen: „Den Großeinkauf erledigen die Leute in der Einkaufsmeile, die kleinen Einkäufe oder das, was vergessen wurde, bei mir. Davon kann aber kein Geschäft leben.“ Zuletzt endeten auch Gespräche mit führenden Stadtpolitikern ergebnislos.

Diese Woche beginnt der Abverkauf, schließen will Pilz das Geschäft gegen Ende März. Vier Mitarbeiter verlieren ihre Jobs. Franz Pilz, der die Liegenschaft am Stadtplatz einst von der Stiftung des Billa-Erfinders Karl Wlaschek erworben hatte, war voriges Jahr durch SPÖ und ÖVP in seinen Unternehmergeist bestärkt worden. Die beiden Parteien hatten einander ein Duell der Protestmaßnahmen gegen das Ende eines Nahversorgers am Stadtplatz geliefert.

Ein Verkauf des Geschäftes kommt für Franz Pilz nicht infrage, er will es wieder verpachten. Für ein künftiges Lebensmittelgeschäft sieht er an dem Standort aber kaum Chancen. Das Standortargument lässt Wirtschafts-Stadtrat Gottfried Libowitzky (ÖVP) nicht gelten, „doch nutzen muss man den Standort schon selber.“ Er hält den Stadtplatz neben der Emerich-Berger-Straße für die Top-Adresse in Gmünd. „Mehrere tausend Euro Miete von Rewe waren vor einem Jahr nicht genug, jetzt beklagt Pilz ein Defizit. Sein Glauben, er wäre ein besserer Unternehmer als der Rewe-Konzern, ist leider nicht aufgegangen“, sagt Libowitzky, der voriges Jahr gemeinsam mit der SPÖ-Fraktion zahlreiche Gespräche zur Rettung des Nahversorgers im Zentrum geführt hatte – und angesichts der aktuellen Entwicklung zerknirscht ist.

Bürgermeister Andreas Beer (SPÖ) bedauert die Schließung. „Wir werden das Gespräch suchen und uns bemühen, eine neue Lösung zu finden“, sagt er. Auch Vizebürgermeister Libowitzky will daran mitarbeiten, zumal er nach der Fertigstellung der neuen Wohnhaus-Anlage in der Sigismundgasse eine Nachfrage-Steigerung erwartet: „Notfalls besteht die Frage, ob Teile der Nahversorgung mit dem Waldviertler Eck oder dem Naturkostladen in der Kirchengasse abgedeckt werden könnten.“

Franz Pilz schließt mit seinem Geschäft, in das er nicht nur Zeit und Energie, sondern auch einiges an Kapital gesteckt hatte, jedenfalls eines „der sozialsten Projekte, die ich verwirklicht habe. Aber die Bevölkerung hat dies nicht erkannt.“