Seinen Traum im Job leben. 198 Jobsuchende in AMS-Qualifizierungs-Offensive: René Fölk erlernt als 33-Jähriger seinen Traumberuf.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 14. Mai 2021 (05:51)
In der Werkstatt von Peter Maierhofer in Gmünd: AMS-Geschäftsstellenleiter Harald Resch, der neue Karosseriebautechnik-Lehrling René Fölk, Mitarbeiter Bernhard Drach und AMS-Beraterin Petra Wagner (v.l.).
M. Lohninger, M. Lohninger

„Seit ich diesen Job habe, stehe ich morgens mit einem Grinsen im Gesicht auf und möchte abends gar nicht heimgehen. Der Chef muss mich fast dazu zwingen.“ Der Gmünder René Fölk hat nach einer Berufslaufbahn mit – wie er sagt – „ein paar Jahren oder Monaten da und dort, meist mehr mit einem Müssen als einem Dürfen“, im 34. Lebensjahr seine Bestimmung gefunden.

Fölk konnte bei Mechanikerlegende Peter Maierhofer in Gmünd eine Lehrstelle als Karosseriebautechniker antreten. Er ist damit einer von 198 Jobsuchenden, die sich im Rahmen der Corona-Qualifizierungsoffensive des AMS Gmünd gerade auf einen beruflichen Neustart vorbereiten, und er ist vollauf dankbar für diese Chance.

Das Moderne schätzen, das alte Handwerk lieben

Beim NÖN-Lokalaugenschein in der Werkstatt von Peter Maierhofer in der Weitraer Straße 117 wirkt es, als wäre Fölk schon ewig Teil des kleinen, aber beliebten und weithin bekannten Teams rund um den öffentlichkeitsscheuen Chef, seinen Mitarbeiter Bernhard Drach und den vor einiger Zeit dazu gestoßenen Karosseriebautechnik-Meister Walter Wilczynsky. Schon beim Betreten der Werkstatt ist es offensichtlich, dass hier niemand arbeitet, weil er es „muss“: Die Mannschaft verbindet die gemeinsame Euphorie für die Arbeit mit Fahrzeugen – und die spannt den weiten Bogen von den Gefährten der Gegenwart bis zu vermeintlichen Schrottkarren.

Highlight in den Autohallen ist derzeit ein Rennwagen aus den 1930er Jahren, dessen Reste auf den ersten Blick am ehesten noch der Rost zusammenhält. Eines Tages wird er aussehen fast wie neu. Bei Oldtimern wie diesen verschmelzen für die Autotüftler die Bereiche Job und Freizeitvergnügen. „Es ist einfach ein Traum, bei so was mitmachen zu können“, sagt Fölk beim Rundgang: „Es gibt nicht mehr viele Menschen, die diese Fertigkeiten beherrschen. Fast alle Betriebe kaufen Teile zu und schweißen – wir stellen hier aber alle notwendigen Ersatzteile aus Blechplatten selbst her. Das ist das Handwerk, wie es vor 70 Jahren ausgeübt wurde.“

„Karosseriebautechniker, das wäre mein Traum“

René Fölk stelle sich sehr geschickt an, zollt ihm Bernhard Drach Anerkennung, „er hat bei Formen ein sehr gutes Vorstellungsvermögen.“ Auch das Werkstatt-Team ist glücklich über den neuen Mitarbeiter, der Bedarf für die zusätzliche Arbeitskraft war offenbar durchaus vorhanden. – Warum dann keine der beiden Seiten vorher auf die Idee ist? Man habe von der Förderaktion des AMS nichts gewusst, sagt Drach, und ganz dringend sei der Bedarf eben auch nicht gewesen: „Aber es hat sich ergeben, und es passt für uns gut.“

„Es müssen einfach beide Seiten mitspielen, das hat in diesem Fall super funktioniert“, freut sich auch AMS-Beraterin Petra Wagner. Im Winter habe sie René Fölk auf der Suche nach Auswegen aus seiner prekären beruflichen Situation gefragt, „was möchten Sie überhaupt gerne machen?“ Zurück sei gekommen: „Karosseriebautechniker, das wäre mein Traum.“ Dass es dafür überhaupt eine Stelle geben würde, damit hatte Fölk niemals gerechnet, sagt er heute: „Daher tausend Dank an das Team des AMS Gmünd, das mir diese Ausbildung noch ermöglicht hat.“

AMS-Chef Resch: Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften bleibt hoch

 Ziel des AMS-Programms ist es laut dem Gmünder Bezirksstellenleiter Harald Resch, dass aus der Qualifizierungs-Offensive nach dem erhofften Lehrabschluss eine permanente Beschäftigung hervorgeht. Er setze alles daran, dass ihm das auch gelinge, beteuert René Fölk.

Aber wenn das nicht gelingt? „Die Chancen am Arbeitsplatz sind mit einem Lehrabschluss in der Tasche trotzdem anders, Herr Fölk hat dann wesentlich mehr Möglichkeiten als Hilfsarbeiten“, sagt Resch. Trotz der Coronakrise bestehe immer noch Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften, vor allem in „Zukunftsbranchen“ wie digitale Technik, Transport, Logistik und Pflege. 56 freie Stellen gab es im Bezirk alleine in diesen Branchen per Ende März 2021, das sind 44 Prozent mehr als Ende März 2020. „Mit einer nachgefragten Qualifikation steigen die Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz um 50 Prozent“, rechnet Harald Resch vor.