Grenze löst sich langsam auf. Seit 1989 ist viel Positives passiert, Vieles steckt in den Kinderschuhen – das Fazit im Palmenhaus.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 17. Juni 2019 (07:01)
Karl Tröstl
Vizebürgermeister Hubert Hauer und Bürgermeisterin Helga Rosenmayer mit den Podiumsgästen, die über das 30-jährige Jubiläum der Grenzöffnung diskutierten: NÖN-Waldviertel-Chef und Moderator Markus Lohninger, Pater Tomáš Vyhnálek, NÖN-Chefredakteur Daniel Lohninger, der frühere ORF-NÖ-Intendant Paul Twaroch, Historiker Wolfgang Katzenschlager und Sebastian Stark, Landesobmann der Schülerunion (von links).

Gmünd ist 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in der Mitte Europas angekommen. Das war der Tenor der NÖN-Diskussion „Leben an der Grenze gestern-heute-morgen“ im Palmenhaus. Die Kernbotschaft war aber auch, dass die gemeinsamen Herausforderungen beiderseits die gleichen sind – etwa der Fachkräftemangel und die Abwanderung.

„Etwas aufzubauen braucht viel mehr Zeit“

Trotz vieler Bemühungen ist die Grenze in der Region auch heute nicht überwunden, so der Befund der Diskutanten. Die Erklärung dafür lieferte Pater Tomáš Vyhnálek: „Kaputt gemacht ist etwas sehr schnell. Es wieder aufzubauen braucht viel mehr Zeit.“ Auch die Sprachbarriere bremst das Zusammenwachsen. „Wer die Sprache des anderen nicht kennt, kann ihm nicht auf Augenhöhe begegnen. Tschechisch zu lernen, sollte an Gmünder Schulen eine Selbstverständlichkeit sein“, meint der ehemalige ORF-Intendant Paul Twaroch.

Wie wird die Region in 30 Jahren aussehen? Seit 1989 habe sich auf beiden Seiten des ehemaligen Eisernen Vorhanges viel entwickelt, die sterbende Region habe sich neue Perspektiven erarbeitet, waren die Diskutanten einig. Um diese Entwicklung fortzusetzen, müssten sich das Waldviertel und Südböhmen in der EU als eine Region verstehen. „Ein Gmünder hat mit einem Bewohner von Česke Velenice mehr gemeinsame Interessen als mit einem Bregenzer“, so Daniel Lohninger, NÖN- Chefredakteur sowie Herausgeber der Gmünder Stadtchronik.