Bakterien statt Benzin tanken in Schrems. In Schrems gibt es ab sofort eine „Biotankstelle“ für die Landwirtschaft.

Von Markus Füxl. Erstellt am 13. Juli 2019 (05:31)
privat
Verkäuferin Sieglinde Pichler sowie Andreas Pirker und Markus Gutmeier von „Wir Nordwälder“.

„Es ist ein wahrer Alleskönner. Es hilft in der Landwirtschaft, im Garten und sogar daheim beim Putzen“, sagt Andreas Pirker. Die Rede ist von sogenannten „regenerativen Mikroorganismen“. Seit 1. Juli verkauft Pirker mit der Firma „Wir Nordwälder“ diese Mikroorganismen in dem neuen Shop „Natursprung“ bei der Firma Apfelthaler in Schrems.

Der Biologe stellt mit einem Team von fünf Personen die probiotischen Bakterienmischungen her. Sie bestehen aus Hefe, Milchsäurebakterien und „Purpur-Bakterien“, die ihren Namen aufgrund ihrer Farbe bekommen. Die Mischung funktioniert nach dem Gegenspieler-Prinzip. Das bedeutet, dass sie Auslöser von degenerativen Prozessen wie Schimmel, Fäulnis und Krankheiten unterdrücken.

Dazu wird die Mischung verdünnt und kann in der Landwirtschaft und im Gartenbau verwendet werden. „Die Organismen bauen Gifte ab und machen Ackerland wieder fruchtbar“, sagt Pirker. So soll der Boden gestärkt und gegen Erosion geschützt werden. Außerdem stärke das Mittel Pflanzen und Nützlinge. Kompost und Gülle sollen besser reifen.

Über 100.000 Liter verkauft pro Jahr

Aber auch im Haushalt können laut Pirker die Mikroorganismen helfen, etwa beim Scheibenputzen. „Es bildet sich ein Biofilm auf der Scheibe, und sie bleibt länger durchsichtig.“

Der Biologe beschäftigt sich bereits seit über 20 Jahren mit dem Thema. „Ich habe 1.000 Vorträge dazu gehalten. Früher gab es drei Leute, die sich damit auskannten. Heute gibt es 20.000“, sagt er. Pirker und sein Team arbeiten auch aus einer ethischen Verantwortung heraus. Er prophezeit: „Wenn wir Landwirtschaft weiter so betreiben wie bisher, gibt es in absehbarer Zeit nur mehr Sand. Der Humus wird weniger, der Sand bleibt über“, sagt Pirker.

Im Sortiment im „Natursprung“ befinden sich die abgepackten Bakterienmischungen in Größen von zweieinhalb Litern bis zu 1.000 Liter-Tanks. Pro Jahr verkauft das Team etwa 100.000 Liter. Ein Ziel des neuen Bioladens ist, dass Bauern mit ihren Gebinden kommen und selber abfüllen. „Wir wollen eine Art Bakterientankstelle“, sagt Pirker strahlend.