Leyrer+Graf baut auf das Thema Nachhaltigkeit

Erstellt am 15. September 2022 | 07:16
Lesezeit: 5 Min
L+G: Millionen für PV & E - Mobilität , Suche nach Wegen aus fossiler Abhängigkeit .

Der Bau- und Immobiliensektor ist inklusive des Betriebs der Infrastruktur laut UN-Umweltprogramm für über ein Drittel der globalen CO 2 -Emissionen verantwortlich. Das ist klimatechnisch fatal, aktuell wegen der Energiepreise auch finanziell ein Thema. Die Unternehmensgruppe Leyrer+Graf aus Gmünd hatte es aber schon vor der Energiekrise am Radar: 2020 wurde eine „Nachhaltigkeits-Strategie“ gestartet, in deren Rahmen inzwischen gut 2,8 Millionen Euro investiert wurden. Für das nächste Wirtschaftsjahr sind weitere drei Millionen Euro für Nachhaltigkeits-Initiativen eingeplant.

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Firmenchef Stefan Graf.
Foto: NOEN

Der Motor dafür ist gar nicht so sehr der Kostenaspekt – die Personalkosten übertreffen bei Leyrer+Graf die Energiekosten trotz der Teuerungen um mehr als das 20-Fache. Die EU-Taxonomie-Verordnung als Teil des „Green Deals“, die betriebliche Tätigkeiten nach ihrer ökologischen Nachhaltigkeit bewertet, spielt da eher eine Rolle. Vor allem, so CEO Stefan Graf: „Der Klimawandel hat uns dazu veranlasst, unseren persönlichen Beitrag auszuloten und entsprechende Maßnahmen zu setzen.“ Das Umweltmanagementsystem nach ISO 14001 wurde vor Jahren eingeführt. Man sehe sich in der Verpflichtung und Verantwortung, einen Beitrag zu leisten – beteilige sich daher unter anderem intensiv an der Entwicklung ressourcen- und umweltschonender Technologien, so Graf.

Um Aggregat- zustände zu verändern, braucht es Energie. Die Materialen, die wir verwenden, brauchen in der Herstellung viel Energie.“ Stefan Graf CEO Leyrer+Graf Baugesellschaft

Schon 2.000 PV-Module auf den Bürodächern

Alle Büro-Hauptstandorte sind seit Sommer mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet, fast 2.000 PV-Module produzieren nun auf einer Gesamtfläche von etwa 4.350 m² gut 900.000 kWh pro Jahr. Investiert wurden dafür laut Betrieb etwa 1,3 Millionen Euro. „Rein rechnerisch produzieren wir nun übers Jahr gesehen den Strom, den wir brauchen“, sagt Graf. Stromautark sei man in der Praxis noch nicht, aber man könne davor ungenützte Fläche zur effizienten, unabhängigen Energieerzeugung nutzen – und in Spitzenzeiten Überschüsse gewinnbringend ins Netz einspeisen.

Allerdings: Nur fünf Prozent des Energiebedarfes der Unternehmensgruppe betreffen die Gebäude. 35 Prozent fließen laut Graf in den Transport von Gütern und Personal, und 60 Prozent in das Baugeschehen und in die Produktionsanlagen.

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Seit dem zu Ende gehenden Sommer liefern die Dächer aller Hauptstandorte von Leyrer+Graf „grünen“ Strom, gut 1,3 Millionen Euro wurden dafür investiert. Die größten Energiefresser sind allerdings primär von fossilen Stoffen abhängig – noch: Die Gmünder beteiligen sich unter anderem an Entwicklungsprojekten für den Einsatz von Wasserstoff auch auf der Baustelle.
Foto: Foto Leyrer+Graf

E-Mobilität hält Einzug

Parallel zu PV-Initiativen wird daher auch der Einsatz alternativer Energieformen für die Bewegung von Menschen und Massen forciert. Alleine im laufenden Jahr flossen bzw. fließen noch etwa 600.000 Euro in die Anschaffung von E-Fahrzeugen und die Installation von Ladestationen an den Standorten. Gut 20 Elektrofahrzeuge sind bereits im Einsatz, eine zweistellige Zahl soll auch kommendes Jahr dazukommen. „Bis 2025 soll ein Viertel aller Firmen-Pkw auf Elektromobilität umgestellt sein“, gibt CEO Graf die Marschroute vor.

Strombetriebene leichte Nutzfahrzeuge (LNF) hat er genauso im Fokus, vier werden aktuell getestet. Aber: „Hier spüren wir die Lieferverzögerungen sehr stark, sie wurden fast ein Jahr später geliefert. Generell muss man außerdem sagen, dass es in dem Bereich noch zu wenige interessante Modelle am Markt gibt, die unsere Anforderungen abdecken.“

Grenzen bei den schwersten Jungs

Noch enger wird es bei den wirklichen Energiefressern im Fuhr- und Maschinenpark – großen Lastkraftwagen, Baggern oder Radladern.

Graf sieht Energie und Wohlstand in engem Zusammenhang, und Wohlstand entstehe durch den Austausch von Gütern. Wird gebaut, so werden enorme Massen transportiert. Die Bewegung von Masse in der Ebene oder vertikal über Stockwerke verschlingt Unmengen an Energie. Das zentrale Thema sei dabei die Versorgungslogistik, ,„also die mobile Betankung bei Baugeräten“. Nach Lösungen gesucht wird auf Hochtouren, Leyrer+Graf beteiligt sich etwa zur Frage der Versorgung von Fahrzeugen und Maschinen mit Wasserstoff an Entwicklungsprojekten und hat mehrere Tests laufen.

So werden derzeit in einem Feldversuch mit Wasserstoff statt Diesel betriebene Stromgeneratoren für den Fuhrpark auf Baustellen getestet. Graf spricht von positiven Erfahrungen, wenngleich die Stromerzeugung auf diesem Weg noch kostenintensiv sei. Aber: „Wir gehen davon aus, dass sich das durch eine Serienreife deutlich verbessern wird.“ Dass es zur Serienreife kommt, dazu will Leyrer+Graf aktiv beitragen.

„Den Hebel bei den Energieträgern ansetzen.“

Der größte Anteil des Energieverbrauchs trifft in der Bauwirtschaft neben der Bewegung von Massen freilich deren Bearbeitung. „Um Aggregatzustände zu verändern, braucht es Energie. Materialen wie Beton, Ziegel, Glas, aber auch Holz brauchen in der Herstellung viel Energie“, betont Graf: „Wir agieren im Auftrag unserer Kunden und brauchen enorm viel Energie, um deren Anforderungen zu erfüllen.“

Holz ist auch als Speicher enormer CO 2 -Mengen der klimaschonendste Baustoff. Aber: Es habe eben seine Grenzen in der Verarbeitung bzw. Verwendung, beteuert Graf. Baustoffe sollten dort eingesetzt werden, wo sie ihre Stärken haben. In der Materialbearbeitung sieht er zu fossilen Energieträgern aufgrund deren hoher Energiedichte derzeit kaum Alternativen. Neue Energieträger zu entwickeln und in ausreichendem Umfang bereitzustellen, das brauche noch Zeit, sei aber unumgänglich: Zwar gehe es freilich ums Energiesparen, doch der Hebel müsse noch mehr bei Energieträgern angesetzt werden, „die muss man ändern“.

Nachhaltigkeit: Beim Bau auch den späteren Abriss im Auge haben

 In der mehr als 2.700-köpfigen Belegschaft hat Leyrer+Graf auch Beschäftigte, die Fragen zu neuen Entwicklungen und Technologien, Umwelt-, Energie- und vor allem auch Abfallmanagement nachgehen.

Der zentrale Gedanke geht über den Lebenszyklus eines Bauwerks hinaus, berücksichtigt auch den späteren Abriss: Gesucht sind also moderne Baumethoden, die im Sinne einer Kreislaufwirtschaft eine spätere Trennung von Materialien und damit das Recycling einfacher machen. Ob solche Aspekte dann in Bauprojekten Niederschlag finden, das entscheiden natürlich größtenteils Planer, Lieferanten und Kunden – am Ende seien dadurch jedenfalls Einsparungen möglich, gibt Graf zu bedenken.