B2: Todesfälle befeuern Polit-Debatte. Diskussion um B2-Unterführungen bei Kottinghörmanns und Niederschrems neu entflammt: VP-Süß unterstellt SP-Bürgermeister Harrer Wortbruch, der beklagt Pietätlosigkeit.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 16. Oktober 2019 (05:01)
Karl Tröstl
Bei einem tragischen Unfall nach Einbruch der Dunkelheit verstarben am 12. Oktober zwei Pensionisten aus Kottinghörmanns.

Ein Pensionistenpaar aus Kottinghörmanns querte am Abend des 12. Oktober bei der „Elk-Kreuzung“ unmittelbar vor dem Heimatort zu Fuß die Bundesstraße B2, eine Hollabrunnerin (59) erfasste das Paar mit ihrem Pkw.

Die 82-Jährige und der 81-Jährige, die von Schrems in Richtung Kottinghörmanns unterwegs gewesen waren, verstarben laut Polizei noch an Ort und Stelle. „Wir drücken den Hinterbliebenen unser tief empfundenes Mitgefühl aus!“, heißt es von der Feuerwehr Kottinghörmanns, die mit zwölf Kameraden ausgerückt war und mit der Schremser Wehr die Bergung des Autos und Reinigung der Straße übernommen hatte.

Das tragische Ereignis hat jahrelange Forderungen nach sicheren Rad- und Fußweg-Unterführungen zur Querung der stark befahrenen B2 in den Schremser Katastralgemeinden Kottinghörmanns und Niederschrems – mit zusammen über 900 Einwohnern – neu befeuert. Beiträge auf NÖN.at zur politischen Debatte zwischen SP und VP, die zuletzt im Jahr 2017 entbrannt war, wurden wieder an die Oberfläche gespült und mehr als tausend Mal gelesen.

Kritik von VP und Prinz, Harrer: Adaptierte Pläne

SP-Bürgermeister Karl Harrer habe sein Wort gebrochen, verweist VP-Stadtparteiobmann David Süß auf dessen damalige Ankündigung, Unterführungen ins Budget für 2018 aufzunehmen.

Er habe am Montag nach dem tödlichen Unfall im Büro von Straßenbaulandesrat Ludwig Schleritzko nachgefragt, so Süß: Ihm sei bestätigt worden, dass das 2017 vom Land NÖ gestellte Angebot für eine Kostenbeteiligung an Rad- und Fußweg-Unterführungen immer noch aufrecht sei, „das Land würde die Arbeitskosten übernehmen, wartet nur auf den Auftrag aus Schrems. Haben wir das Budget vielleicht wegen dem Stadtamt-Umbau nicht zusammen gebracht?“ Süß fordert, die Kosten für die Unterführungen zumindest ins Budget 2020 zu bringen.

Kritik kommt auch von Viktoria Prinz, die noch auf einem Ticket der SPÖ im Gemeinderat sitzt: Sie habe seit zwei Jahren weder im Gemeinderat, noch im SP-Klub etwas über die Pläne gehört, von denen Harrer 2017 gesprochen hatte, sagt Prinz. „Da fragt man sich schon, ob die Sicherheit der Bevölkerung wirklich oberste Priorität hat.“

Karl Tröstl

Wenn nun politisches Kapital aus diesem „fürchterlichen Ereignis“ geschlagen werde, dann komme ihm die Galle hoch, ärgert sich Bürgermeister Harrer. Er trauere um zwei „gesellige, beliebte, überall gern gesehene Gemeindebürger. Das Eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. Es geht auch überhaupt nicht um die Finanzierung der Unterführungen – die ist gesichert. Wir arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen, können aber auch immer nur einen Schritt nach dem anderen setzen.“

Das einstige Verkehrskonzept für die Kreuzung der B2 mit der B30 Richtung Heidenreichstein, wo die Unterführung wie berichtet geplant ist, müsse adaptiert werden – es laufe nach einer Verkehrsverhandlung auf eine Kreisverkehr- oder Ampel-Lösung hinaus, „Verkehrszählungen und Erhebungen von Sachverständigen laufen“. Der Gemeinde sei zudem vom Land NÖ wegen neuer Förder-Richtlinien ein Ansuchen erst nach Jahreswechsel empfohlen worden.

Zur Unterführung habe es erst wenige Tage vor dem Unglück wieder eine Besprechung mit der Straßenbauabteilung gegeben, betont Harrer: „Es wurde klar besprochen, dass hier etwas kommen muss, und dass die Umsetzung 2020 erfolgen soll.“ Geplant sei die Radweg-Anbindung über die B2, entlang der B30 bis Eugenia und in den bestehenden Weg nach Langegg.

Einig: Unterführungen würden Ströme vereinen

Einigkeit herrscht jedenfalls darüber, dass es rasch eine Lösung braucht. Und: Alle Seiten sind davon überzeugt, dass eine B2-Unterführung für Kottinghörmanns und Niederschrems die Radler- und Fußgängerströme zwischen den Ortschaften und Schrems aus derzeit vier bzw. drei Querungen zusammenziehen würde – und die Gesamtsituation damit wesentlich entschärfen würde.