Ende für Uhrmachermeister: Tuma schließt nach 62 Jahren

Erstellt am 29. September 2022 | 04:41
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In zwei Monaten schließt Uhrmachermeister Walter Tuma seinen Betrieb.
Foto: Anna Hohenbichler
Walter Tuma tritt Anfang Dezember seinen Ruhestand an, Nachfolger gibt es keinen.

Eine Pendeluhr hängt im Büro des Geschäftslokals. Obwohl es Walter Tuma allein schon aus beruflichen Gründen mit vielen Uhren zu tun hat: An diesem Ehrenplatz muss sie etwas Besonderes sein. Tatsächlich ist sie eine handgemachte Erinnerung an seine Ausbildungsjahre in der Uhrenfachschule in Karlstein. Auch dann noch, wenn er Anfang Dezember seinen Ruhestand antritt und das Geschäft in der Mühlgasse in Schrems schließt.

„Wir sind ein richtiges Familienunternehmen“, schmunzelt Walter Tuma. Denn: 1994 hat er den Juwelier- und Uhrenladen samt Reparaturwerkstatt von seinem Vater Walter übernommen. Früher, also bis in die 1980er Jahre, habe es auch Verkäuferinnen und Uhrmacher-Lehrlinge gegeben. „Jetzt hat mein Sohn das Pensionsalter erreicht und somit müssen wir das Geschäft schließen“, sagt der Seniorchef.

Als Uhrmacher nach Schrems gekommen, um zu bleiben. Er hat den Betrieb Anfang 1961 gegründet und obwohl er gebürtig aus St. Leonhard am Hornerwald kommt, nutzte er damals seine Chance in Schrems: „Man sagte mir, dass es hier für einen Uhrmacher genug zu tun gibt. Und so war es auch, wir hatten immer Arbeit.“ Bald darauf kaufte Tuma das Gebäude in der Mühlgasse 4, baute es um und übersiedelte seinen Betrieb schließlich im Jahr 1971 an den neuen Standort. Sohn Walter arbeitete sich nach dem Abschluss in Karlstein zuerst im Unternehmen ein, ehe er es übernommen hat.

Innerhalb der Familie habe sich die Frage der Nachfolge nach seiner Pensionierung nicht wirklich gestellt, sagt er: „Mein Sohn ist beruflich in einem anderen Bereich tätig.“ Und weil sich oberhalb des Geschäfts ein privater Wohnbereich befindet, habe man nicht aktiv nach einem Nachfolger außerhalb der Familie gesucht. Am 30. November wird Tuma zum letzten Mal aufsperren und sich davor mit einem Abverkauf von seinen Kunden verabschieden.

Wie schwer fällt der Abschied? Dass er den Betrieb schließen wird, habe sich abgezeichnet und falle deshalb auch nicht gar so schwer, sagt Walter Tuma. Aber: Die Wertschätzung für hochwertige Uhren ist immer noch groß, das merkt man. Es gibt sowohl die Kunden, die teure Markenmodelle nachfragen als auch die, die günstige Uhren bevorzugen. „Bei der Reparatur merkt man den Unterschied natürlich“, erklärt er.

Es ist eben nicht jedes Uhrwerk ein handgemachtes Erinnerungsstück.