Schuh-Initiative für Bedürftige: Bald 30.000 „Waldviertler“ auf Reisen

Erstellt am 23. Juni 2022 | 05:22
Lesezeit: 3 Min
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Pascal Violo erzählt in Schrems aus dem Alltag in der Flüchtlingshilfe vor Ort – auch durch Schuhe aus dem Waldviertel.
Foto: Karawane der Menschlichkeit
Beeindruckende Zwischenbilanz über Spendenaktion gegen volle Lager bei Gea.

Es gehe nicht ums Weltretten, sondern darum, etwas zu tun und zu hoffen, dass geleistete Hilfe kein Tropfen auf den heißen Stein ist – sondern in einen Kübel, wo sich irgendwann etwas sammelt. Das hatte Renate Gönner von Gea-Waldviertler in Schrems vor genau einem Jahr zur damals angelaufenen Schuhspende-Aktion an Bedürftige im Inland und in Flüchtlingslagern gesagt.

Mittlerweile haben 5.800 Personen insgesamt 760.000 Euro gespendet, mit denen bald 15.000 Paar Waldviertler-Schuhe zu Flohmarkt-Preisen auf die Reise gingen. Pascal Violo, der mit seiner „Karawane der Menschlichkeit“ die Verteilung in Lagern abwickelt, erzählt am 23. Juni im Hotel zur Sonne in Schrems über seine Erlebnisse.

„Braucht vertrauenswürdige Personen & Institutionen“

15.000 Paar Schuhe in aller Welt zu verteilen, das sei eine Herausforderung, sagt Gea-Chef Heini Staudinger, „dazu braucht es einfach vertrauenswürdige Personen und Institutionen“. In Österreich wird unter anderem mit Gruft, Ute-Bock-Haus, Emmaus-Gemeinschaft, Caritashaus oder diversen Tafeln zusammengearbeitet, von denen immer wieder auch konkrete Bedarfslisten mit Größen kommen.

Für die Transporte in Lager wurden wie berichtet Jorgos Trompeter sowie Pascal Violo gefunden. Für Letzteren war 2020 durch die Covid-Wirren eine Fotoreise nach Kanada geplatzt. Er schwenkte angesichts der Bilder aus dem Flüchtlingslager Moria auf Lesbos um, gründete die „Karawane der Menschlichkeit“, sammelte Spenden und brach im Auto zur Hilfe nach Lesbos auf. Inzwischen steuerte er seine Karawane auch nach Syrien, Bosnien, Süditalien und in den Libanon.

Unter anderem hat er hochwertige Schuhe dabei – er ist für Staudinger „ein wichtiger Partner in einer großen Aufgabe. Es ist beglückend, zu wissen, dass Schuhe bei jenen ankommen, die sie am dringendsten brauchen.“ Immerhin seien diese, wie Diakoniechef Chalupka sagt, „das Wichtigste für einen Menschen auf der Flucht. Schuhe sichern das Überleben“.

In Schrems will Violo am Donnerstag ab 19.30 Uhr in Form einer Live-Reportage mit Bruno Maul über die Hilfsprojekte berichten und dabei – so Staudinger – „unglaublich gute Bilder“ von unterwegs zeigen.

System reifte aus: Spender haben nun die Wahl

Das System ist in der Schuhwerkstatt mittlerweile ausgereift. Am Anfang stand bekanntlich wegen übervoller Lager infolge der Corona-Einschränkungen ein „Last call“ Heini Staudingers, doch bitte bei Flohmarkt-Schuhen zuzugreifen, damit das Personal wieder arbeiten könne. Ein Kunde kaufte nicht, gab aber Geld – für Treter an Leute, die sie dringender brauchen. Heute kann zu „extremen Flohmarktpreisen“ zwischen 35 und 70 Euro gezielt für Kinder-, Erwachsenen- oder hochwertigen Erwachsenen-Schuhen gewählt und gespendet werden.

Einige Paare verlassen auch nach der Veranstaltung in Schrems das Lager: Die Erlöse fließen in die Schuhaktion.