Großschönau: Bauer im Koma, Kühe versorgt. Ein Landwirt liegt seit Wochen in St. Pöltner Spital. Verwandte und Freunde helfen und übernahmen seine Landwirtschaft.

Von Karin Pollak. Erstellt am 26. November 2020 (06:03)
Symbolbild
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Zusammenrücken und tun, was getan werden muss – das passiert gerade im Umfeld eines Landwirten aus der Gemeinde Großschönau, den Covid-19 besonders hart getroffen hat.

Seit über drei Wochen befindet sich der Alleinstehende, der keiner Risikogruppe angehört hatte, im Universitätsklinikum St. Pölten im künstlichen Tiefschlaf, er ist an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen.

Seinen 15 Kühen im Stall ist diese tragische Situation egal, sie wollen zweimal täglich gemolken und gefüttert werden.

„Es ist alles andere als einfach, für jemanden Entscheidungen zu treffen, ohne mit denen, die es unmittelbar betrifft, sprechen zu können.“Verwandter des alleinstehenden Landwirten, der aushilft

„Wir haben vieles versucht, um Unterstützung zu bekommen, leider hat nichts funktioniert“, zeigt ein Verwandter des Schwerkranken im NÖN-Telefonat auf.

„Weder über die soziale Betriebshilfe noch beim Maschinenring konnte jemand die Melkarbeit übernehmen. Ein Zivildiener konnte auch nicht geschickt werden. Da braucht es jemanden, der die Arbeit vorgibt und kontrolliert. Das ist in dem Fall nicht gegeben“, erklärt der Angehörige, der nun gemeinsam mit rund zehn Personen aus dem Umfeld des Erkrankten die anstehenden Arbeiten erledigt.

„Für uns ist es selbstverständlich, dass wir die Landwirtschaft am Laufen halten. Aber es ist alles andere als einfach, für jemand anderen Entscheidungen zu treffen, ohne mit denen, die es unmittelbar betrifft, sprechen zu können“, zeigt der Verwandte die psychische Belastung auf, die alleine schon durch die Sorge um den schwererkrankten Verwandten sehr hoch ist.

Einlieferung am Tag, als Mutter von OP heimkam

Für die Familienmitglieder und Freunde heißt es seit dem Nationalfeiertag, täglich zwei Mal in den Stall zum Melken, zum Füttern und zum Ausmisten zu kommen. Die Milch muss geliefert werden und es sind auch einige Kühe trächtig, die Kälber sollten in den nächsten Tagen zur Welt kommen. Auf einigen Feldern des erkrankten Bauern musste noch Wintergetreide angebaut werden.

Erschwerend kam dazu, dass die im selben Haus wohnende Mutter just zum Zeitpunkt der Einlieferung ihres Sohnes ins Krankenhaus von einem eigenen Spitalaufenthalt nach einer Operation zurückkam und nun der Pflege bedarf.

„Irgendwie werden wir gemeinsam diese Zeit überstehen. Die Kühe verkaufen wollen wir auf gar keinen Fall, wir hoffen ja, dass es unserem Verwandten bald besser geht. Die Landwirtschaft ist ja sein Leben und wenn es möglich ist, dann soll er selber entscheiden, ob er weitermacht oder seine demnächst wahrscheinlich mögliche Pension antritt“, sagt der Helfer.

Zwei Aspekte treten angesichts des Falles in den Vordergrund – das Risiko eines Bauern und die Gefahr, die im Virus lauert. „In dieser Krise müssen einfach alle umdenken. Leider gehen noch immer viele zu sorglos mit dem Coronavirus um. Wer ein Herz hat, der muss sich Gedanken darüber machen, dass man jederzeit auch andere anstecken kann. Dass diese Krankheit auch schwer verlaufen kann, sieht man an unserem Verwandten“, appellieren die Helfer an alle, die Vorgaben unbedingt einzuhalten.

Zugleich zeigen sie die schwierige Situation in der Landwirtschaft auf: „Als Arbeitnehmer kannst du in den Krankenstand gehen, bekommst auch Geld. Aber als Landwirt geht das nicht, die Tiere fragen nicht nach deinem gesundheitlichen Zustand. Das sollte man auch bedenken, wenn man in der Natur unterwegs ist und sich etwas Gutes tut“, zeigt der Helfer auf, der die Landwirtschaft derzeit, so wie alle anderen, neben eigener Familie, eigenem Beruf und/oder eigener Landwirtschaft mitbetreut.