Gmünd

Erstellt am 18. Mai 2018, 04:34

von Alexandra Popel, Karin Pollak und Markus Lohninger

Ein Wolfsrudel gleich über der Grenze?. Foto mit sechs Wölfen ist (noch?) nicht klar zuordenbar, Rudel-Vorkommen an sich im CZ-Grenzraum aber bestätigt.

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Seit einigen Tagen kursieren unter Jägern im Bezirk Gmünd Gerüchte zu einem Rudel aus sechs Wölfen, das laut eingeblendeten Daten kurz nach Mitternacht des 20. April von einer Wildkamera aufgenommen wurde. Schauplatz der Aufnahme soll ein Wald bei Peršlák im Raum Nová Bystřice sein – nur gut zwei Kilometer von der Grenze zu Österreich und zu Rottal (Gemeinde Haugschlag) entfernt.

Zur Zeit gibt es keine Hinweise darauf, dass das Bild wirklich aus Südböhmen stammt, es soll gerüchteweise auch schon mit Wäldern in Kärnten und im Bezirk Zwettl in Verbindung gebracht worden sein. Bezirksjägermeister Ernst Strasser betont auf NÖN-Nachfrage, dass auf österreichischer Seite bisher keine Spur von einem Wolfsrudel bestehe. Auf tschechischer Seite sei jedoch, wie er unter Berufung auf den NÖ Wolfsbeauftragten festhält, bereits ein Rudel offiziell bestätigt, das zwischen Gopprechts und Drosendorf unterwegs sei. Strasser rechnet mit immer häufigeren Wolf-Sichtungen: „Sie brauchen Gebiete mit genügend Nahrung, so werden sie auch zu uns kommen.“

Regulierungen des Bestandes noch kein Thema

In Tschechien sind Jiří Bureš von der Agentur für Naturschutz und Umwelt zufolge bisher zumindest zwei Wölfe im Raum Třeboňsko um Třeboň (Wittingau) dokumentiert. Südlich davon gebe es im Gratzener Bergland (Novohradsko) ebenfalls Wolfsvorkommen, von dort könnten die Tiere am Foto durch ihre hohe Reichweite eventuell kommen.

In ganz Tschechien gebe es aber aktuell insgesamt erst 30 Wölfe, die großteils aus Ostdeutschland kommen, wo sie in geschlossenen Militär-Gebieten mangels Besiedelung Ruhe und perfekte Bedingungen hätten. Zwischen Berlin und Liberec soll es daher an die 300 Wölfe geben.

Nennenswerte Schäden haben diese laut Jiří Bureš zumindest in Südböhmen bisher nicht angerichtet. Staatlich ersetzt werden gerissene Zuchttiere, nicht aber Wildtiere, die daher oft gar nicht gemeldet werden. Für die Grenzregion erwähnt er daher erst einen einzigen belegten gerissenen Damhirschen.

In Tschechien werde der Wolf, wie er sagt, auch als Regulierungs-Faktor für eine zuletzt überbordende Wildtier-Population wahrgenommen. Daher seien derzeit Regulierungen des Bestandes kein Thema.