Lukas Hengst: Vom Boot-Bausatz bis zur Gesellenprüfung als Bootbauer

Erstellt am 15. Januar 2022 | 05:40
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Dank „Marie“ bis an Donau & Bodensee: Der gelernte Tischler Lukas Hengst aus Albrechts machte sein Bootbau-Hobby zum Beruf.

Ein Prospekt liegt auf dem Tisch, schon auf der Vorderseite fallen die Boote mit ihrer Exklusivität auf. Klar, dass sie in vielen Filmen als Requisiten dienen. „So ein Boot braucht Pflege und jedes Jahr ein Service. Das Beste wäre eigentlich, wenn es nur im Winterlager stehen würde“, sagt Lukas Hengst, als er durch den Katalog mit den luxuriösen Riva-Booten blättert.

Einige Modelle hat der Albrechtser real gesehen: Er hat ein Jahr beim Reparatur- und Restaurations-Spezialisten Hagner am Bodensee gearbeitet. 2016 hat es Lukas Hengst nach Niederbayern verschlagen – wieder für Luxus-Boote, diesmal weniger retro, mehr sportlich. Vor Kurzem hat er seine Gesellenprüfung zum Bootbauer abgelegt. Angefangen hat seine Bootbau-Karriere aber ganz ohne Luxus und Glamour.

„Das Boot geht 110 km/h am Wasser. Das muss man erlebt haben.“ Lukas Hengst über die Kaiser-Boote

Der 26-Jährige hat sich früh für Boote und das Segeln interessiert. Bloß: „Als Waldviertler war das immer ein bisschen utopisch. Mir wurde geraten, lieber einmal was Vernünftiges zu lernen“, schmunzelt er. Es folgte eine Tischlerlehre. Irgendwann war es doch soweit: Gemeinsam mit einem Freund hat Lukas Hengst einen Boot-Bausatz gekauft. Dass sein Berufswunsch nach der Begegnung mit dem Hersteller gar nicht mehr so utopisch war, wusste er da noch nicht. „Wir sind voller Freude heimgekommen. Keiner konnte sich etwas darunter vorstellen – geschweige denn, dass daraus ein Boot werden soll“, sagt er.

Bootstaufe am Albrechtser Teich – mit 80 Gästen

In einer Garage, die gerade einmal 40 Zentimeter länger war, als das Boot selbst, haben die beiden an ihrem Projekt gewerkt. „Als es fertig war, hatten wir ein wirklich tolles Boot, das mit einem 140 PS starken Motor komplett übermotorisiert war“, erzählt er. Die eigentlich klein angelegte Bootstaufe am Albrechtser Teich wurde zu einer Veranstaltung mit 80 Personen – viele wollten einen Blick auf „Marie“ werfen.

Den Berufswunsch Bootbauer gab es nach wie vor. Aber taugte er auch für mehr als ein Hobby? Lukas Hengst probierte es aus: „Ich war sehr mit zuhause verbunden, dachte aber: Wenn ich es jetzt nicht mache, mache ich es nie mehr.“ In Uhldingen-Mühlhofen – auf der deutschen Seite des Bodensees – fand er 2015 einen passenden Job. Dass der gelernte Tischler genau arbeitet und sich für die Sache interessiert, haben seine Kollegen zu schätzen gewusst – auch wenn man sich ob der unterschiedlichen Dialekte erst aneinander gewöhnen musste. „Dass es so weit weg von daheim ist, habe ich anfangs komplett unterschätzt“, erzählt er. Mehr Eigenständigkeit in einem anderen Land war gefragt.

Nach einem Jahr wurde ihm die Distanz doch zu weit. „Daheim ist eben hier“, sagt er. Beruflich wäre der Bootbau abgeschlossen gewesen. Hätte es nicht die Begegnung mit dem Hersteller der Boot-Bausätze gegeben. Der heißt Jürgen Kaiser und hat im niederbayrischen Straßkirchen eine Bootsmanufaktur aufgebaut. „Er hat immer gesagt, wenn er einmal einen Mitarbeiter aufnimmt, dann werde es ich sein“, sagt Lukas Hengst. So war es auch: Kaiser ist 2016 mit einem Jobangebot auf ihn zugekommen. Es war mehr als die Restauration der exklusiven Riva-Boote.

„Ich habe angenommen, weil es eine große Chance war. Unsere Boote entstehen in Handarbeit, keines gleicht dem anderen“, betont Hengst. In den ersten Jahren haben die beiden, wie er erzählt, acht Boote geschafft, inzwischen seien es zwölf – und ein Bootbauer ist dazugekommen. Dass er das kleine Unternehmen wachsen sieht und selbst dazu beiträgt, gefalle ihm. Und wenn er voller Begeisterung durch den Katalog der Kaiser-Bootsmanufaktur – sehr sportlich und trotzdem sehr exklusiv – blättert, nimmt man es ihm ab. Mehr, als dass es dem bescheidenen Albrechtser auch Spaß macht, durch den Beruf neue Leute kennenzulernen. „Offener macht es schon“, schmunzelt er.

Private Zukunft: Anschluss „daheim“ nie verloren

Ein großes Highlight sind Testfahrten auf der Donau mit den Kaiser-Booten: „Das Boot geht 110 km/h am Wasser und hat dabei einen hohen Fahrkomfort. Das muss man erlebt haben.“ Dass er Jürgen Kaisers Jobangebot vor fünf Jahren angenommen hat, bereue er nicht – auch wenn es eigentlich auch beruflich nachhause gehen hätte sollen. Näher an „daheim“ ist Lukas Hengst jedenfalls gekommen. Den Anschluss habe er durch Freunde und Familie in Albrechts nie verloren, vielleicht sieht er seine private Zukunft auch deshalb hier.

So utopisch der Berufswunsch für den gelernten Tischler war, er hat sich auch mit der Gesellenprüfung zum Bootsbauer erfüllt: „Und das war immer mein Ziel.“