Nazi-Gut im Bezirk Gmünd gehortet: verurteilt. 35-Jähriger hatte verbotene Waffen und Kriegsmaterial im Büro. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 14. Mai 2021 (05:38)
Symbolbild
APA (Archiv)

Ein 35-Jähriger aus dem Bezirk Gmünd nahm sich bei seiner Gerichtsverhandlung am vergangenen Freitag am Landesgericht Krems kein Blatt vor dem Mund. „Ich lasse mich nicht von Ihnen zum Nazi machen. Ich bin nur an Geschichte interessiert. Manches, etwa die Weinflasche mit Hitlerbild, war nur ein Jux und Spaß“, stellte er klar.

Der 35-Jährige, der NS-Devotionalien sowie verbotene Waffen und Kriegsmaterial besessen haben soll, hat am Freitag in Krems nach Gerichtsangaben nicht rechtskräftig 22 Monate bedingt erhalten. Laut APA wurde dem Mann unter anderem vorgeworfen, in seinem öffentlich zugänglichen Büro einen Bilderrahmen mit dem Spruch „Trittst du als Deutscher hier herein, so soll dein Gruß Heil Hitler sein“ und eine Weinflasche mit einem Hitler-Bild und dem Spruch „Sieg Heil“ zur Schau gestellt zu haben.

Als weitere NS-Devotionalien wurden in der Anklage ein T-Shirt mit einem Bild von Adolf Hitler angeführt, der die Hand zum Hitlergruß hebt und auf dem die Aufschrift „European Tour 1939-1945“ samt einer Aufzählung von Kriegsschauplätzen des Zweiten Weltkrieges aufgedruckt sind, angeführt. Weiters soll der Mann Fotoalben mit Hakenkreuz-Einband selbst erstellt haben – eines davon beinhaltete laut Staatsanwaltschaft ausschließlich Fotos von Konzentrationslagern, dem Führerhauptquartier „Wolfsschanze“, Bunkeranlagen und baulichen Einrichtungen der deutschen Wehrmacht.

Dem Angeklagten wurde außerdem vorgeworfen, einschlägige Bilder und Videos per WhatsApp verschickt zu haben – etwa von einem Feuerzeug mit einem Bild von Adolf Hitler und der Aufschrift „NSDAP“. Weiters soll er im vorjährigen März ein Bild verschickt haben, das Adolf Hitler beim Heben seiner Hand zum Hitlergruß und den Schriftzug „Auf Grund Corona Anstatt Hände schütteln.... Wird wieder normal Gegrüßt!“ zeigt.

Laut der APA-Aussendung wurde das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung Niederösterreich auf den 35-Jährigen nach einem anonymen Hinweis auf von ihm offen zur Schau gestelltes NS-Propagandamaterial aufmerksam.

Beamte fanden illegale Waffen im Büro

Bei der Durchsuchung des Büros im Bezirk Gmünd wurden mehrere illegale Waffen entdeckt: eine verbotene Waffe in Form eines zur Schusswaffe umgebauten Kugelschreibers sowie zwei in Tschechien gekaufte Maschinenpistolen mit Schalldämpfer. Die Beamten entdeckten außerdem Sprengkapseln und größere Mengen an Munition. Weiters soll der Beschuldigte unbefugt eine Schusswaffe der Kategorie B, und zwar eine nicht registrierte Pistole, besessen haben.

Verantworten musste sich der Mann vor einem Schwurgericht wegen Vergehen nach dem Verbotsgesetzes, des Kriegsmaterialgesetzes und des Waffengesetzes. Der Anklagezeitraum reichte bis Anfang 2015 zurück. Das Verfahren endete mit einem Schuldspruch, hinsichtlich eines Teils der Anklage nach dem Verbotsgesetz und eines Vergehens nach dem Waffengesetz erfolgte ein Freispruch, teilte der Gerichtssprecher mit. Die Probezeit beträgt drei Jahre. Zudem wurde die Konfiskation und der Verfall beschlagnahmter, verbotener Gegenstände ausgesprochen.

Die Staatsanwaltschaft meldete Berufung an, der Angeklagte erbat sich Bedenkzeit – das Urteil ist somit nicht rechtskräftig.