Wie dem Klima unter die Arme greifen?. Die NÖN fragte Waldviertler Spitzenkandidaten zum Themenkreis „Klimawandel, Käferplage und der Wald“.

Von Markus Lohninger, Franz Aschauer, René Denk, Gerald Muthsam und Karin Widhalm. Erstellt am 15. September 2019 (11:49)
Tero Vesalainen/Shutterstock.com
Symbolbild

Im Waldviertel, der grünen Lunge Niederösterreichs, ist der Klimawandel spätestens seit der Käferplage direkt zu spüren. Dementsprechend heiß wird das Thema diskutiert.

ml
MartinaDiesner-Wais (VP) will den Bereich Wasserstoff stärken.

Martina Diesner-Wais (ÖVP) sieht durch die Käferplage einerseits die wirtschaftliche Basis zweier Generationen zerstört. „Fauna, Landschaftsbild oder Wasser-Haushalt ändern sich. Jeder Baum ist ein Beitrag für den Klimaschutz“, sagt die betroffene Landwirtin. Angesetzt werden solle mit Anreizen beim Aufforsten („Bäume bei Trockenheit hochzuziehen ist schwer“), für erneuerbare Energien („Bereich Wasserstoff verstärken“), für die Forschung und zur Eindämmung des Verkehrs. Regionalität sei ein Beitrag zum Klimaschutz – industriell gefertigte Nahrung müsse bis zur Herkunft rückverfolgbar sein. Gegen eine CO 2 -Steuer wehrt sie sich entschieden: Sie treffe vor allem den ländlichen Raum, wo die Alternative zum Auto fehle.

 

Martin Kalchhauser
Günter Steindl (SP): „Bundesheer könnte bei Aufforstung helfen.“

Günter Steindl (SPÖ) findet, dass der Klimawandel eine sehr ernst zu nehmende Problematik für das Waldviertel ist. Es müsse überregional vernetzt und lokal gehandelt werden. Ein Schulterschluss aller Beteiligten sei unbedingt notwendig. Unweigerlich verbunden sei der Klimaschutz mit Investitionen in den öffentlichen Verkehr und Bewusstseinsbildung durch alle öffentlichen Einrichtungen. „Insbesondere durch Kooperationen mit NGO’s!“ In den heimischen Wäldern sieht er dringenden Handlungsbedarf. Man müsse weggehen von Monokulturen und die Forstwirte unterstützen.

 

FPÖ
Alois Kainz (FP) hält einen energieautarken TÜPl als gute Maßnahme.

Alois Kainz (FPÖ) sieht Klimaschutz als ganz wichtigen Punkt und fordert den Bau einer Pellets- oder Hackschnitzelheizung am TÜPl Allentsteig. „Der Platz wäre gegeben. Wir könnten energieautark sein, weil das Holz haben wir ja“, betont er. Kainz ist gegen die CO -Steuer, die gegen ländliche Regionen sei, aber für den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. Einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz sieht er in der Regionalität. „Lebensmittel von weither durch die Gegend zu karren, ist Verkehr, der nicht notwendig ist“, sagt Kainz, der stark in die Bewerbung von regionalen Gütern investieren will.

 

Simonis
Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS): Viertel kann Vorbildwirkung haben.

Douglas Hoyos-Trauttmansdorff (NEOS) fürchtet, dass der Klimawandel die Region hart treffen wird. Experten würden sogar eine Versteppung prognostizieren. Wichtig sei, die Bedrohung ernst zu nehmen. Ein Dorn im Auge ist ihm ein „weitläufiger Pessimismus“ gegen Maßnahmen. Selbst das „viel gescholtene China“ habe „in den letzten Jahren mehr Solaranlagen installiert, als der Rest der Welt zusammen“. Er ist überzeugt: „Das Waldviertel kann durch politische Maßnahmen, Investitionen und innovative Unternehmen eine nationale und internationale Vorbildwirkung haben.“

 

NOEN
Martin Litschauer (Grüne) will Wertschöpfung im Waldviertel forcieren.

Martin Litschauer (Die Grünen) fordert den Verzicht auf fremdes Öl und Gas zugunsten erneuerbarer Energieformen. Durch den Zukauf fremder Energien würden jährlich 400 Millionen Euro an Wertschöpfung aus dem Waldviertel abfließen. Energiegewinnung aus Biogasanlagen sei dann sinnvoll, wenn sie zur Wärmeerzeugung genützt werde und Grünschnitt der Gemeinden verarbeitet werde. Achten müsse man auf kurze Transportwege der zugeführten Biomasse. Wichtig sei der Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel, damit die Waldviertler aufs Auto verzichten und doch mobil bleiben. Neben der Umweltbelastung gehe beim Pkw-Kauf viel Wertschöpfung der Region verloren.