Weltmeister empfangen: „Haben es noch nicht realisiert“

Erstellt am 29. November 2022 | 16:14
Lesezeit: 4 Min
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Oliver Waily am Tag nach der Weltmeister-Ehrung zuhause in Waldenstein bei seiner Familie: „Ich dachte, dass zwei oder drei Hansln kommen, aber nicht, dass der ganze Ort da ist“, war er überwältigt.
Foto: Karl Tröstl
Oliver Waily holte mit Jonas Schulner für Leyrer+Graf bei WorldSkills Sieg in Betonbau.

Sonntagnachmittag. Zwei junge Waldviertler überlegen, ob sie es aufs Stockerl der „World skills“ geschafft haben. Ein bisschen haben sie es im Gefühl: Es könnte sich ausgehen. Die Familie zittert mit, auch Kollegen drücken die Daumen.

Dann steht fest: Oliver Waily aus Waldenstein und Jonas Schulner (Groß Gerungs), beide Mitarbeiter von Leyrer+Graf, haben den Weltmeistertitel im Betonbau geholt. Schnell verbreiten sich auf digitalem Weg erste Jubelbilder. „Dass es für den Sieg gereicht hat, haben wir noch immer nicht ganz realisiert“, wird Oliver Waily einen Tag später sagen.

Am Tag nach dem großen Erfolg, also am vergangenen Montag, hat Waldenstein „seinen“ neuen Weltmeister empfangen. Die Feuerwehrkameraden bereiteten unter der Leitung von Kommandant-Stell vetreter Manuel Wurz eine gebührende Feier vor. Mit dabei waren neben vielen Ortsbewohnern auch die Abgeordnete Margit Göll, Bürgermeister Alois Strondl, Vizebürgermeister Christian Dogl und zahlreiche Gemeinderäte. Seitens der Feuerwehr war Bezirkskommandant-Stellvertreter Harald Hofbauer vor Ort.

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Riesenjubel bei Jonas Schulner (links) und Oliver Waily am Sonntagabend. Mehr zu den WorldSkills lesen Sie auch auf Seite 52.
Foto: Skills Austria/ Florian Wieser

Überwältigt von der Anteilnahme am Sieg

Dass sich so viele mit ihm freuen, überraschte den 21-Jährigen: „Geh na, ich dachte, dass zwei oder drei Hansln kommen, aber nicht, dass der ganze Ort da ist. Danke!“ Bürgermeister Alois Strondl sagte sichtlich stolz, es sei eine tolle Sache, im Gemeindegebiet einen Weltmeister zu haben und der Erfolg beweise wieder, dass eine gute Lehre und dazu viel Fleiß großen Erfolg bringen könne. Kommandant-Stellvertreter Manuel Wurz versicherte Waily, dass die ganze Feuerwehr-Mannschaft stolz auf ihn sei.

Für die Gmünder Leyrer+Graf Baugesellschaft mbH ist es nach drei Europameistertiteln im Betonbau der erste Weltmeistertitel. CEO Stefan Graf war unter den ersten Gratulanten (mehr dazu im Artikel links). Hinter dem Erfolg von Oliver Waily und Jonas Schulner stehen nicht nur drei anstrengende Bewerbstage, sondern auch lange Monate der Vorbereitung. Unterstützt wurden sie dabei unter anderem von Trainer Thomas Prigl.

„Musterbeispiel“ für Lehrlingsausbildung

Oliver Waily und Jonas Schulner sind seit der Lehrzeit als Hoch- und Betonbauer bei Leyrer+Graf tätig. Lobende Worte kommen auch von Lehrlingsausbilder Michael Krauskopf – Europameister der Maurer von 2010: „Jonas und Oliver katapultieren heimisches Know-how in die Welt. Wir merken das auch dadurch, dass Delegationen aus Ungarn, China und Dänemark mehr über unsere Art der Fachkräfteausbildung erfahren wollen. Unsere duale Ausbildung ist weltweit ein Musterbeispiel.“

Insgesamt waren fast hundert Teilnehmer aus 36 Nationen dabei. Österreich sicherte sich den Sieg vor den Abordnungen aus Deutschland und China. Es sei keine Sekunde unnötig trainiert worden, blickt Waily zurück: „Es liegt zwar viel an uns, aber ohne unseren Trainer und die Firma wäre es nicht gegangen. Die Medaille ist ordentlich schwer.“

Die Aufgabenstellung bei den WorldSkills sah die Errichtung eines großen Unterzugs und eines Bewehrungskorbes vor. „Mit so ziemlich allem, was in einer Wand eingebaut sein kann und extrem geringer Toleranz“, sagt Waily. Neben dem finalen Ergebnis ist laut einer Aussendung auch der Entstehungsprozess am Weg zur Erfüllung der Aufgabenstellung in die Beurteilung durch ein Punktesystem eingeflossen.

Wettbewerbe schon länger anvisiert

Oliver Waily sieht den Weltmeistertitel als positives Zeichen für die Lehre an sich: „Ich denke, es wird viel zu selten darauf aufmerksam gemacht, wie viel eine Lehre wert ist und was man damit erreichen kann.“ An seinem Beruf schätze er die Abwechslung, kein Tag auf der Baustelle sei wie der andere. Sowie: Arbeiten an der frischen Luft und sehen, was man mit den eigenen Händen geschaffen hat.

Die Teilnahme an Wettbewerben hatte er übrigens schon vor seiner Lehrzeit im Hinterkopf: „Bei Infoveranstaltungen wurde davon erzählt. Das hat mich interessiert.“ Nach dem Trubel um seine Person hat der Weltmeister einen bescheidenen Wunsch: „Einfach wieder mal ein normaler Arbeitstag auf der Baustelle.“