Die Krux mit der Totenbeschau. Ärzte fordern höhere Tarife, die setzt aber Land NÖ fest. Gemeinden zahlen drauf – oder die Trauernden.

Von Karin Pollak. Erstellt am 21. September 2019 (04:34)
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Symbolbild

Um eine Gebühr von 68,50 Euro schaukelte sich in den vergangenen Wochen ein Konflikt zwischen Gemeinden, praktischen Ärzten, Land und Ärztekammer hoch. Weil: Der letzte Wunsch vieler, daheim sterben zu dürfen, birgt derzeit ein großes Problem. Die unausweichliche Totenbeschau dürfen nämlich nur beeidigte Ärzte durchführen, und die wollen für diese Leistung mehr Geld.

Seit Jahren bekommen die von den Gemeinden beeideten Ärzte für die Totenbeschau inklusive Ausstellung des Totenscheines 68,50 Euro. „Dieser Tarif ist vom Land festgelegt und gilt schon seit jener Zeit, als dafür die Gemeindeärzte zuständig waren. Die gibt es seit zehn Jahren nicht mehr“, betont etwa Ärztin Karoline Tauchmann aus Weitra. Ihr Kollege Khalid Jadalla hat soeben seinen Werksvertrag mit der Stadtgemeinde Weitra aufgekündigt: „Ich wollte aufzeigen, dass die Totenbeschau völlig ungeregelt ist.“

24 Stunden Warten auf Totenbeschau…

„Ungeregelt“ auch deshalb, da Ärzte an Wochenenden die Bereitschaftsdienste freiwillig durchführen – es also sein kann, dass kein Arzt im Dienst ist. So musste im Bezirk Waidhofen vor einigen Wochen eine Familie, bei der zuhause ein Todesfall eingetreten war, knapp 24 Stunden auf die Totenbeschau warten – für alle Beteiligten eine extrem große nervliche Belastung.

Auch für die Bestatter ist ein derartiges Szenario untragbar: „Schlimmstenfalls muss der Verstorbene bis zum nächsten Dienst eines für die Totenbeschau berechtigten Arztes zuhause bleiben. Wir dürfen nämlich ohne diese Beschau keinen Verstorbenen abholen“, sagt Johann Glaubauf aus Litschau. Für Georg Kreuter vom Kriseninterventionsteam des Roten Kreuzes Zwettl ist es daher unerheblich, aus welcher Gemeinde ein Arzt zur Totenbeschau kommt: „Wichtig ist, dass einer kommt.“

Eine potenzielle Lösung wäre es, die Leistung höher abzugelten. „Wir wollen, dass wir den tatsächlichen Zeitaufwand verrechnen können“, so Tauchmann. Aber so einfach ist das nicht: Den Tarif von 68,50 Euro beschloss das Land NÖ. Eine Gemeinde kann Hinterbliebenen daher nur diesen Tarif weiterverrechnen – zahlt sie freiwillig mehr, bleibt sie auf den Mehrkosten sitzen.

VP-Landtagsabgeordnete Margit Göll hat über den Gemeindebund erste Schritte gesetzt. Eine Lösung scheint in Sicht. „Die Honorarsituation wird angepasst. Es sollen unterschiedliche Tarife für Totenbeschauen während des Tages, der Nacht und an Wochenenden eingeführt werden. Aber dass ein Arzt dafür immer erreichbar sein muss, das gibt es auch weiterhin nicht“, sagt Gmünds Bezirksärztevertreter Christoph Preißl. Die Tarife sollen ab 2020 in Kraft treten.

Zwischenzeitlich einigten sich viele Gemeinden, darunter auch Zwettl, Horn und Weitra, Ärzten für die Totenbeschau freiwillig mehr zu zahlen. Sie tragen die Mehrkosten selbst. Erst ab dem neuen Landesbeschluss kann dann der gesamte Betrag den Hinterbliebenen verrechnet werden.

„Ich verstehe die Situation der Ärzte. Durch die bei uns seit Juni eingeführte Mehrverrechnung funktioniert die Totenbeschau sehr gut“, sagt Bürgermeister und Abgeordneter Franz Mold (ÖVP) aus Zwettl.